Wirtschaft

# Sondersitzung: Frauen in Führungspositionen unterstützen

Geschäftsleute mit Frau an der Spitze
Die Teilnehmer*innen des Wirtschaftsbeirats (nicht identisch mit den Personen auf dem Foto) waren sich bei ihrem virtuellen Treffen Ende Oktober 2020 einig, dass es mehr brauche als eine Frauenquote, um eine vielfältige Gesellschaft abzubilden. Nichtsdestotrotz sei die Quote aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ein Zeichen für den Aufbruch aus lange konservierten männlichen Machtstrukturen. picture-alliance/dpa
26.10.2020

Passend zu dem kurz zuvor erschienenen Bericht der Allbright Stiftung „Deutscher Sonderweg: Frauenanteil in DAX-Vorständen sinkt in der Krise“, tagte der Wirtschaftsbeirat virtuell Ende Oktober 2020 zu dem Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende, berichtete zunächst von ihren eigenen Erfahrungen mit einer Geschlechterquote für Führungspositionen: Während sie früher skeptisch gegenüber einer vom Gesetz vorgegebenen Quote gewesen sei, habe sich ihre Meinung geändert. Denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass es ohne eine Quote für Aufsichtsräte und Vorstände nicht zu ausreichenden strukturellen Veränderungen kommen würde. Führungspositionen müssten generell diverser besetzt werden, sonst verschenke man Potenziale und verzichte auf Kompetenz und Fachkräfte. Auch Danyal Bayaz MdB erklärte, er sei nicht immer ein Verfechter einer Frauenquote für Unternehmen gewesen. Doch sei es wichtig, den vielen exzellent ausgebildeten und kompetenten Frauen in Deutschland den Weg zu ebnen, in Führungspositionen tätig zu sein. Da habe sich in den vergangenen Jahren leider nicht genug getan, so dass es nun eine Quote brauche.

Für mehr Diversität in den Führungspositionen

Zur Einstimmung in die Debatte skizzierten zwei Expertinnen ihre Lösungsansätze. Claudia Hartwich, Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung der Microsoft Deutschland GmbH, präsentierte zunächst einige Best-Practices, wie diverse Talente in Unternehmen befähigt und Vielfalt vorangetrieben würde. Sie betonte, dass Quoten unterstützend sein könnten, es aber vielmehr darum gehe, eine Kultur zu generieren in der Diversität und Inklusion täglich erlebbar wird. Ana Christina Grohnert, Vorstandsvorsitzende der Charta der Vielfalt, wies unter anderem darauf hin, dass Diversität auch eine Frage des Unternehmenserfolgs sei. Heutzutage würden neue, innovative Produkte nur von diversen und vielfältigen Teams entwickelt werden können. So stoße die Quote eine wichtige Etappe in der Transformation in der Wirtschaft an.

Die Frauen-Quote als Zeichen

Bei der anschließenden Debatte entstand ein offener, aber durchaus kontroverser Dialog, der zeigte, dass das Thema Frauen in Führungspositionen weit über das Instrument der Geschlechterquote hinaus geht. Die Quote ist vielmehr ein Zeichen für den Aufbruch aus lange konservierten männlichen Machtstrukturen. Das Instrument soll zu einem progressiveren Gesellschaftsbild beitragen, in dem alle gleichberechtigt und gleich repräsentiert sind. Es ginge darum, dass wir in der Gesellschaft und in Unternehmen Entscheidungen treffen, die alle Perspektiven berücksichtigen. Dabei waren sich die Teilnehmer*innen einig, dass es mehr brauche als eine Frauenquote, um eine vielfältige Gesellschaft abzubilden. Nichtsdestotrotz sei die Quote aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Besonders betont wurde, dass auch der Staat selbst  seiner Vorbildfunktion gerecht werden müsse, indem er in Institutionen für eine gleichberechtigte Personalaufstellung sorge und sich um ein geschlechtergerechtes Steuerrecht bemühe. Außerdem müssten Rahmenbedingungen, wie etwa Betreuungsplätze und Arbeitszeitregelungen, so ausgestaltet werden, dass eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie problemlos möglich wird. Neben Instrumenten wie der Quote sei es genauso wichtig, dass Unternehmen sich vielfältig aufstellen und eine wertschätzende Leadership-Kultur förderten. Eine progressive Unternehmensführung sei auch ein Wettbewerbsvorteil.

Die gläserne Decke ist aus Beton: Doch dieser beginnt zu bröckeln

Trotz der zum Teil unterschiedlichen Ansichten zur exakten Ausgestaltung einer Geschlechterquote für Vorstände herrschte allgemein Konsens darüber, dass es ein Maßnahmenpaket geben müsse, damit sich gesamtgesellschaftlich etwas ändert. Abschließend illustrierte Katrin Göring-Eckardt es mit den Worten: „Die gläserne Decke ist aus Beton - aber dieser beginnt zu bröckeln.“