Gemeinsam auf den Weg machen (II)

Für mehr Bildungsgerechtigkeit in Schule, Ausbildung und Hochschule

Bildung kann das Chancenthema einer Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen werden. Doch was steht an, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen?

Diese Frage stand im Fokus des Treffens zu „Bildungsgerechtigkeit in Schule, Ausbildung und Hochschule“ im Rahmen der Gesprächsreihe „Gemeinsam auf den Weg machen“. Zuversichtlich stimmt es, dass nicht nur Bündnis90/Die Grünen, sondern auch die FDP im Wahlkampf massiv auf das Thema Bildung gesetzt hat. Dennoch stünden bei Bildung und Bildungsgerechtigkeit scharfe Kontroversen innerhalb der „Cross-Koalition maximaler Gegensätze“ an, dämpfte Kai Gehring, Leiter der Facharbeitsgruppe „Bildung, Forschung, Innovation, Kultur und Medien“ im Rahmen der Sondierungsgespräche, aufkommenden Enthusiasmus.

„Unser Ziel ist, in unserem wohlhabenden Land endlich 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und 3,5 Prozent für Forschung auszugeben“, bekräftigte Gehring. Und die Bildung braucht einen Batzen Geld. Das wurde in der „Blitzlichtrunde“ deutlich, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die wichtigsten Aufgaben einer neuen Koalition benennen sollten. Viel Einigkeit gab es, die Schulen baulich, technisch und personell insbesondere in schwierigen Lagen auszustatten, das Tempo beim Ganztagsschulausbau anzuziehen und gegen den Mangel an Lehrkräften vor allem an den Grundschulen vorzugehen. Auch das grüne Ansinnen, den Hochschulpakt zu verstetigen und die Fördersätze und Einkommensfreibeträge beim BAföG rasch zu erhöhen, fand allgemeine Zustimmung. Eine größere Strukturreform bei der Studienfinanzierung sei im Laufe der Wahlperiode zu überlegen. Den bürokratischen Aufwand, BAföG zu beantragen, gelte es zu minimieren und Antworten auf die wachsende Angst vor Verschuldung zu finden.

Erklärtes grünes Ziel ist mehr Engagement für die Aus- und Weiterbildung. „Wir brauchen einen Berufsbildungspakt, der sowohl die Ausstattung der Berufsschulen als auch eine Ausbildungsgarantie für die Jugendlichen beinhaltet“, betonte Gehring unter dem Beifall der anwesenden Verbandsvertreterinnen und -vertreter. Die TeilnehmerInnen mahnten, dass bei der Förderung stärker als bisher unterschieden werden müsse zwischen Regionen mit kleinem beziehungsweise großem Angebot an Ausbildungsstellen. Während „betriebsnahe Ausbildungen“ für „marktbenachteiligte Jugendliche“ besonders in Regionen helfen würden, wo es einen Ausbildungsplatzmangel gebe, sei in Gegenden mit Bewerbermangel die „assistierte Ausbildung“ der bessere Ansatz. Die berufliche Ausbildung müsse zudem durch bessere Aufstiegs- und Einkommenschancen attraktiver werden, betonten mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Sozialpartner würden gerne auch künftig in einer Nationalen Allianz für Aus- und Weiterbildung ihre Erfahrungen und Ideen einbringen.

Für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, ist von immens hoher Bedeutung für „Jamaika“ im Bund. Schon jetzt warten die politischen Gegner im Bundestag ungeduldig darauf, eine mögliche Koalition aus CDU, CSU, FDP und Grünen als Bündnis betuchter Bürger zu geißeln. Fände man hingegen in sorgsamer Suche gute Kompromisse für mehr Bildungsgerechtigkeit, sei Bildung aber ein echtes Chancenfeld für das etwaige Bündnis, so das Fazit von Kai Gehring, das von Teilnehmern ergänzt wurde mit der wärmenden Aussicht: Vielleicht wird Bildung ja das gemeinsame Lagerfeuer, um das sich die Koalition scharrt – und das dann auch die Gesellschaft mit Bildungsgerechtigkeit wärmt.

Teilgenommen haben: Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Zentralverband des deutschen Handwerks (ZdH), Bundesverband innovativer Bildungsprogramme, Deutsches Studentenwerk, Arbeiterkind e.V., freier zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs).

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