Spielbericht

Grüne Tulpe - Blau-Weiss Friedrichshain

Ohne Schiri, ohne Plan und ohne Abseits zum Sieg

Als unsere Tulpe kürzlich gegen die reine Herrenmannschaft des SC Charlottenburg 2:2 Remis spielte, waren erstmalig in der Tulpe-Historie mehr grüne Spielerinnen als Spieler auf dem Platz. In ebendieser Mixed-Aufstellung wäre unser Team auch gerne gegen den heutigen Gegner Blau-Weiss Friedrichshain angetreten, doch aufgrund von Verletzungen und Terminen mussten einige Tulpe-Spielerinnen kurzfristig absagen. 

Das Frauen-Kleinfeldteam aus Friedrichshain Blau-Weiss Friedrichshain war jedenfalls überrascht, als vor dem Anpfiff mit Lili nur eine grüne Spielerin bei der Tulpe auf dem Platz stand. Wobei man natürlich schon hier betonen muss, dass Llli stets gefühlten Einsatzwillen für drei Spieler zeigt. Die Blau-Weissen hatten ihr Team um einige männliche Spieler ergänzt, um eine Großfeldelf möglich zu machen. Fünf blauweiße Damen und 6 Herren – davon können die deutschen Führungsetagen nur träumen.  Nach kurzem vergeblichen Warten auf einen Schiri, ging das Spiel mit einer kleinen Verzögerung los. Man versicherte sich gegenseitig stets im Sinne des Fairplay-Gedankens eigene Vergehen selbst zu ahnden.

Die Blau-Weissen hatten auf Grund geringer Großfelderfahrung und dem zusammengewürfelten Team von Anfang an merklich Respekt vor der Grünen Tulpe. Nicht ganz zu unrecht, denn es fiel den Blau-Weissen zunächst schwer den Ball in den eignen Reihen laufen zu lassen und gegen das eingespielte grüne Team abzuschirmen. Durch energisches Attackieren gewannen die Tulpen in der ersten Hälfte immer wieder schnell den Ball, doch wussten sie nicht allzu Ansehnliches damit anzustellen: schnelle hastige Bälle in die Spitze und hektische Torabschlüsse ins Nirvana gekickt. Und das im Minuten-Takt. Auf Grund der spielerischen Überlegenheit wäre ein bißchen mehr Spielkultur und technische Raffinesse angebracht gewesen, doch igendwie fehlte die Ruhe am Ball. Lediglich die hohe Dichte an präzisen Flanken war ein Lichtblick.

Bei aller Kritik, wollen wir aber natürlich nicht verschweigen, dass es dennoch schöne Torszenen gab. Das 1:0 von Markus per Direktabnahme nach scharfer Hereingabe von Felix war z.B. äußerst ansehnlich. Auch beim 2:0 feuerte Björn bei seinem Einstand im Team einen spektakulären Distanzschuss ab, der vom Gegner leicht abgefälscht unhaltbar ins linke Eck krachte.

Das 3:0 erzielte dann Matze nach feiner, immer weiter durch den gegnerischen Strafraum segelnder Flanke von Finn, per Hock-Kopfball. Ja, sowas gibts wirklich, nicht nur beim Sitzfussball.

Die Blau-Weißen versuchten zwar dagegen zu halten, doch die grüne Abwehr stand sehr sicher und bereits über das grüne Mittelfeld wurden die spährlichen Angriffe der Friedrichshainer abgefangen.

Kurz darauf folgte das 4:0 und es wurde klar, dass es bei knappen Abseitsentscheidungen doch eines Schiedsrichters bedurft hätte. Ein steiler Ball von Markus auf Till, der diesen nur noch ins Tor schieben musste, führte im Anschluss zu heftigen Diskussionen. Daraufhin wurde sich gegenseitig nochmal die Abseitsregel erklärt und das Tor schließlich doch gegeben.

Dann war Halbzeit und die erhitzen Gemüter auf beiden Seiten konnten sich erstmal wieder etwas beruhigen. Die Tulpen schwörten sich auch auf Grund der hohen Führung jedenfalls auf Konzentration und Ruhe ein. Und sie wollten gar die Tugenden wie Passkultur und ein Auge für den Nebenmann aus dem Trainingslager wieder aufleben lassen. Tulpe-Coach Toffi der zeitgleich in der Sonne Kaliforniens weilte, hätte sich jedenfalls amüsiert, bei soviel unrealistischen Vorsätzen zum Pausentee.

Wie das so ist mit guten Vorsätzen: Sie sind nämlich auch schnell wieder vergessen, wenn der Ball erst wieder rollt. Auch wenn sich zunächst tatsächllich einige Ballstaffetten ergeben, danach regiert wieder viel Geplänkel mit dem runden Leder.  Einmal findet sich Jasper allein vor dem gegnerischen Keeper wieder und verfehlte nur knapp das Tor. Während alles vor sich hinplätschert, gelingt dann Matze ein erfolgreicher Torabschluss zum 5:0 aus zweiter Reihe. Der Schuß, nach Ablage von Till, ging nicht hart aber dafür platziert ins linke Eck.

Bis zu diesem Moment hat die Abwehr der Grünen Tulpe alles souverän im Griff, weil eigentlich fast nix zu tun. Zur Halbzeit hatte man übrigens auch schon den Zu-Null-Sieg beschworen. Doch wie das immer so ist mit der eigenen Überheblichkeit. Es folgte ein schneller Konter nach Ballverlust in der Vorwärtsbewegung und der Blau-Weiße Stürmer verwandelte allein vorm Tor – unhaltbar für Keeper Patrick – zum 1:5 ins kurze Eck. Doch der Ehrentreffer durch die Friedrichshainer war noch nicht der Schlußpunkt. Den setzte Felix mit seinem Schuß aus spitzem Winkel unter die Partie. 6:1

Unterm Strich war es auf Grund der vielen Tore doch noch ein ansehnliches Spiel. Fair ging es auch zu. Die Blau-Weißen Friedrichshainer spielten engagiert, konnten aber gegen die auf Großfeld eingespielte Tulpe nur wenig ausrichten. Dafür waren dann auch zu viele Tulpe-Herren am Ball. Unabhängig davon, zeigte das grüne Team zu wenig Ruhe und Übersicht bei Ballbesitz gegen einen schwächeren Gegner. Das müssen die Tulpen noch ein bißchen verinnerlichen. Aber das wird ihnen Toffi schon sagen, wenn er nächste Wocheaus Klinsi-Land wieder da ist. 

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