Spielbericht

Grüne Tulpe -Britische Botschaft

Ich sag nur: ELFER!

Ein Hauch von Historie wehte an diesem lauen Maiabend durchs Berliner Poststadion. Auf dem Lichtplatz stand kein Geringerer als die Britische Botschaft.

Bei diesem Gegner werden nicht nur Erinnerungen an gefühlt unzählig gewonnene Elfmeterschießen in WM oder EM-Spielen wach, sondern auch an vergangene, ganz reale Duelle. Gegen die Britische Botschaft hatte unsere Grüne Tulpe das letzte Mal in der legendären Aufstiegssaison 1994/1995 gekickt. 

Der damalige Tulpe-Coach und Bonner Urgestein Willy Ruhl empfing den Britischen Botschafter, der mit Smoking, Zylinder und Gummistiefeln auf dem sumpfigen Rasenplatz im Sportpark Wasserland zum Mittelkreis watete.

Die grüne Mannschaft zeigte sich damals -wie so oft- sehr diplomatisch und verlor das "Länderspiel" standesgemäß hoch. Sie konnte dann aber in der 3. Halbzeit wie gewohnt überzeugen, wie sich ehemalige Tulpe-Veteranen erinnern.

Anno 2015 zeigen unsere Tulpen auch in den ersten beiden Halbzeiten stets starke Leistungen. Der Botschafter konnte zwar diesmal nicht zum Derby kommen, hatte aber sein Botschaftspersonal sicher von der historischen Bedeutung der Partie unterrichtet. 

Nach obligatorischem “shake hands” wurde schnell klar, die Tulpen hatten einen absoluten Sahnetag erwischt. Der erste Aufreger folgte gleich nach fünf Minuten. Nach schönem Zusammenspiel zwischen Markus und Sebastian auf der Außenbahn, stand plötzlich Matze frei vor dem Tor, setzte den Ball aber aus sehr spitzem Winkel nur an den Pfosten. Es folgte eine Ecke, die vorerst nur ein konfuses Gestocher im Torraum einbrachte. Ein Klärungsversuch hatte im direkten Anschluss den Ball zu Asgar gebracht, der direkt flankte und mit Drall den Ball zurück in die Gefahrenzone brachte, wo Stefan dermaßen wuchtig einköpfte, dass Joe Hart im Kasten die Fäuste nicht mehr schnell genug hoch bekam. Tor für die Tulpen: 1:0.

Die folgenden 15 Minuten waren dann eher von missglückten Torversuchen geprägt, die meistens über eine sehr spiellustige linke Seite der Tulpen eingeleitet wurden, wo Asgar und Frank ihr Unwesen trieben. Ersterer durch seine heute liebgewonnene Spezialwaffe, die schnittige Bananenflanke, wohingegen Letzterer mit Übersicht und Stellungsspiel die britischen Freunde an Lampard oder Gerard erinnerte und kurz vor dem britischen Pausentee einen gezirkelten Schuß an die Latte setzte und es so bei der knappen Führung blieb.

Nach der Pause traten die Botschafter deutlich bissiger auf. Völlig überfordert mit der unerwarteten Gegenwehr, hatten die Tulpen einen Steilpass aus dem Mittelfeld zugelassen, den der Stürmer vor unserem herauseilenden Torwart Jochen schön vorbeilegte und schließlich zum Ausgleich einschob.1:1.

Damit wurde das Spielgeschehen auf den Kopf gestellt. Der fußballaffine Leser kennt die Phrase, die von Torchancen und logischer Rache handelt und an dieser Stelle nicht extra wiederholt werden muss.

Die Tulpen waren jetzt jedenfalls sichtlich verunsichert und zuweilen auch mächtig unter Druck. Als das Spiel zu kippen drohte, drehte sich Marco S. im Mittelfeld, vergaß seine geliebten Haken und Querpässe für einen Augenblick, und schoss stattdessen den Ball aus knapp 25 Metern direkt in den Winkel. Es war nicht nur ein absoltues Traumtor, sondern auch das 2000. Tor der Grünen Tulpe seit Einführung der Statistik 1995 (Glückwunsch Marco! - Anm. der Red.). 

Es war ein Treffer, der Signalwirkung hatte. Denn danach rissen die Tulpen das Ruder wieder herum und zeigten großen Fussball . Stefan erzielte nach einem Kopfball fast ein Phantomtor. Der Schiedsrichter wertete den vor oder eben auch hinter der Linie hüpfenden Ball hingegen nicht als Tor. Kein Problem, denn Markus wurde vom britischen Kapitän kurze Zeit später im Strafraum gelegt. Die Phrase dazu sparen wir uns an dieser Stelle auch. “Foul” entschied der Schiedsrichter zum lautstarken Unmut der Briten. Der Videobeweis, den uns Toffi dankenswerterweise bereitgestellt hat, ist in dieser Elfmeterfrage ganz eindeutig zustimmend, wenn auch nicht absolut zwingend. Kurz gesagt: die Situation war äußerst knifflig. Asgar am Elfmeterpunkt dafür eher kompromisslos.

Das darauffolgende 4:1 für die Tulpen war reine Trainingslager-Arithmetik. Erst hohes Pressing von Markus und Toffi im Mittelfeld, dann Balleroberung und Steilpass a la "Uwe Bein" von Asgar und schlussendlich Mitnahme und kühler Abschluss von Matze, nach einem sich mehr oder minder kreuzenden Laufweg mit Spielertrainer Toffi. Zugegeben: der Gegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon aufgegeben.

Toffi sollte an diesem Montagabend durch eine herrliche Aktion, die einem Tipp-Kick-Spieler anmutete, den verdienten Schlusspunkt setzten. Nachdem der Ball nach seiner Ecke wieder postwendend auf ihn zurollte, schoss er von der Eckfahne direkt und im Stand mit dem Außenrist, dazu in sehr lässiger Körperhaltung, das Spielgerät in das lange Toreck. Auch hierfür gibt es den Videobeweis.

Trotz des eindeutigen Ergebnisses blieb es bis zum Schluss eine sehr faire Partie, die der Völkerverständigung in jedem Falle gute Dienste leistete. Das Rückspiel ist schon vereinbart. Vielleicht ja diesmal mit dem Botschafter. 

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