Spielbericht

Grüne Tulpe - SSV Tempo 90

Summer in the City

Vor vielen Jahren beschloss der Vorstand der Tulpe in seiner unergründlichen Weisheit, keine Sommerpause mehr einzulegen. Eine Herausforderung, vor der natürlich auch der Gegner stand, der jedoch mit seinem Namen für die äußeren Bedingung besser gerüstet schien: SSV Tempo 90.

Es war heiß im Poststadion. Unvorstellbar, sich an die deutlich zahlreicheren Spiele dieses Jahres bei Frost zu erinnern. Hier hatte die Tulpe eine schöne Siegesserie begonnen und für längere Zeit fortgesetzt. Aber Temperaturen deutlich über 30 Grad setzen den Heroen der Tulpe offensichtlich so zu, dass nun die Heroinnen ran mussten. Mit zeitweise nicht weniger als fünf Spielerinnen auf dem Platz - einzigartig und zu Zeiten der Vorväter der Grünen Tulpe vollkommen undenkbar - stand die Mixed-Tulpe sehr gut ihren Mann und ihre Frau. Einzig die Tatsache, dass viele sommerliche Zeitkräfte das Team verstärkten, sorgte für einzelne Abstimmungsschwierigkeiten, die sich mit Unterstützung des ansonsten umsichtig pfeifenden Schiedsrichters, am Ende spielentscheidend auswirken sollten.

Nicht weniger heterogen der Gegner: der Sport- und Spielverein Tempo 90, ansonsten im Berliner Ligabetrieb unterwegs. Auch hier gab es eine Reihe eklatanter Probleme zwischen den Mannschaftsteilen, die sich die Grüne Tulpe schnell zu nutze machte. Mit ein bisschen mehr Cleverness wäre vielleicht sogar eine deutliche Führung drin gewesen, aber so kam es, wie es kommen musste: einer schnellen Kombination im Sturm von Tempo 90 hatte die Tulpe-Abwehr mit Reservetorwart Jochen nichts entgegen zu setzen. Da Mittelfeld und Abwehr des neuen Gegners dem eigenen Vereinsnamen vorübergehend vergessen haben mussten, erspielte sich die Tulpe viele Chancen, die schließlich durch Mohamed und Markus zum zwischenzeitlichen 2:2 führten.

In der zweiten Hälfte entschieden die Nerven und der Schiri das Spiel: einen durch Ender eher rustikal verursachten Elfmeter verschoss der Gegner auf so eklatante Weise, dass alle Beobachtenden länger darüber rätselten, ob das physikalisch überhaupt möglich ist, dem Ball eine solche Flugrichtung zu verpassen. Und während nach einem eklatanten Foul an Rasmus die Tulpe vergeblich auf den Pfiff des Schiris warteten und die eigenen Aktivitäten einstellte, lief der Angriff auf den überraschten Tulpentorhüter weiter. Dem daraus resultierenden Führungstreffer von Tempo schlossen sich dann weitere Fehler an, denen auch die ansonsten durch Patrick und Jonas hervorragend gestellte Innenverteidigung nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Der Anschlusstreffer von Till schönte dann nur noch das Endergebnis von 3:5, nachdem sich dann beide Teams dann viele Liter Wasser (und anderes) verdient hatten.

Für die stolze Tulpe blieb der Trost, in der ungewohnten Besetzung lange Zeit souverän einem reinen Männerteam getrotzt und grüne Ideen vom Fußball auf den Platz gebracht zu haben. Die Partie war ansonsten ebenso engagiert wie fair - und die Tulpe setzt auf eine Revanche zu winterlichen Bedingungen, die ihr vielleicht eher liegen. In Zeiten des Klimawandels allerdings ein eher bedenklicher Befund. Hier ist dann wieder der Vorstand der Grünen Tulpe gefordert zu innovativen Lösungen zu gelangen.

4396469