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Spielbericht

Saison 2018: Grüne Tulpe - Champions ohne Grenzen

Der Unterhaltungswert vom Bolzplatz

Es gibt Spiele, die sind unterhaltsam, weil die Akteure ihre Disziplin beherrschen. Dann gibt es Spiele, die sind unterhaltsam, weil die Akteure ihre Disziplin gar nicht beherrschen. Und dann gibt es Spiele, von denen gestandene Fussballer wie Mario Gomez oder auch Pannen-Olli wunderbar erzählen können. Zugegebenermaßen verteilt sich der Unterhaltungswert zwischen Spielern und Zuschauern unterschiedlich zwischen diesen verschiedenen Varianten. An diesem Montagabend hatten die Spieler auf jeden Fall eine Menge Freude. Es fielen eine Menge Tore, es gab eine Menge Chancen, beide Teams hatten oft den Ball, mussten aber nicht lange warten, bis sie ihn vom Gegner zurückbekamen.

Die Tulpe begann druckvoll und hatte schnell ein gewisses Übergewicht - spielerisch bei den einen, in Kilogramm bei dem Einen (Autor dieses Berichtes, Anm. d. Redaktion). Die Champions konnten sich kaum aus der eigenen Hälfte befreien. Und so kommt es dann auch zu Chancen. Die erste, ein Kopfball aus aussichtsreicher Position, wird von Nico noch statt Richtung Tor in die falsche Richtung geklärt. Aber schon der nächste wird von Hans aus ähnlicher Position in ähnlicher Manier aber diesmal doch ungefähr in Richtung Tor befördert. Und der narrt damit den Champions-Torwart, der den Ball erst hinter der Linie erreicht. In der Bundesliga wird an dieser Stelle der Kölner Keller für den Videobeweis bemüht, aber der netterweise von den Champions in Halbzeit Eins gestellte Schiri hat keine Zweifel am 1:0. 

Danach entwickelte sich das Spiel der Tulpen zwar etwas, doch selbst beste Chancen wurden nicht verwertet. Ein wunderbar über rechts herausgespielter Abschluss landete dann doch im Netz. Doch wieder wurde Köln und sein Videobeweis übergangen und auf Abseits entschieden. Doch schließlich wenig später kommt Toffi mit einem unnachahmlichen Torriecher am Strafraum an den Ball und schließt trocken ins lange Eck ab. 2:0

Kurz vor der Halbzeitpause läuft ein schöner grüner Angriff über links, der Henrik frei vor dem Torwart auftauchen lässt, aber dann vom im letzten Moment heraneilenden Champions-Stürmer einwandfrei über den Haufen gerannt wird. Alle sind sich sofort einig, dass ein Elfmeter durchaus im Ermessensspielraum läge. Und so ist es dann auch.

Es schreitet zur Tat: El Presidente. Der einzige auf dem Platz, der noch lebhafte Erinnerungen an 1976 hat - das erste und bisher einzige Elfmeterschießen, das die DFB-Elf verloren hat, dank Uli Höneß, der da "einen solchen Scheiß zusammengeschossen hat, das Deutschland allein seinetwegen die Europameisterschaft verloren hat". Aber Kurdziel erinnert sich auch noch an den Panenka, dessen entscheidender Elfmeter bis heute namensgebend für die Variante halbhoch in die Mitte gechippt ist. Nun diese Ausführung gelingt eher halbhoch und unplatziert und wird vom Keeper gnadenlos pariert. Aber um auch den 1980er Jahren und Heribert Fassbender die Ehre zu erweisen: "Wer zuviele Chancen auslässt,... das rächt sich!"

Die Champions behaupten zunehmend das Zentrum, spielen ihre Angriffe aber nur selten ganz zu Ende. Da wird schon mal in der Überzahl der Abschluss aus 30 Metern gesucht, oder von der Grundlinie die Lücke gesehen. Und gleiche Höhe sehr großzügig ausgelegt, aber dann eben doch nie diskutiert. Aber als ein blitzartiger Konter die Tulpen samt Doppelsechs bis in den eigenen Strafraum hineindrückt und der Rückraum unbesetzt ist, setzt der pfeilschnelle Anthony Yeboah der Champions ohne Grenzen von der Strafraumgrenze einen satten Schuss ins recht Eck ab, dem der sonst tadellose Keeper Jochen nur hinterherschauen kann. Mit einem leistungsgerechten 2:1 geht es in die Pause.

Die zweite Halbzeit zeigte nun ein Spiel mit veränderten Vorzeichen. Fortschreitende Ermattung förderte spielerische Technik und Taktik der Tulpe eindeutig nicht. Die Champions drängten die Tulpen zunehmend in die eigene Hälfte und die brachten kaum mal zwei Pässe in Folge an den eigenen Mann. Die beste Chance ergab sich noch aus einem gefühlvoll in Toffis Lauf geschlagenen Freistoß, die der aber über den Torwart knapp am Tor vorbeilegte.

Es entwickelte sich zusehends eine Abwehrschlacht. Schlimmer aber an ermüdenden Fußballern wird deren Ruf nach Gerechtigkeit durch einen Schiedsrichter. Der war in der zweiten Hälfte nämlich nicht mehr vorhanden, da sich auf grüner Seite kein Freiwiliiger fand, der die 2. Hälfte pfeifen wollte. Alle wollten spielen - was man ja verstehen kann - doch ein Schiri kann so manchem Spiel gut tun. Ob es einen Kölner Keller geben muss, darüber kann man weiter trefflich streiten. Anyway...Die Tulpen wehren sich, die Champions nutzen ihre Chancen nicht und so hat Heribert Fassbender wieder einmal recht. Eher zufällig fällt Matse Daun, dem Donnerfuß, der Ball am gegnerischen Sechzehner vor die Füße, und er drückt ab. Mit perfektem Top Spin senkt sich der Ball wunderschön über den Torwart ins Netz. 3:1.    

Aber das bricht die Champions nicht, die weiter gehörig Betrieb machen und den Ball nach zwei drei Tulpenpässen meist schon wiederhaben. Aber dann gelingt den Tulpen doch eine Passstafette a la Guardiola. Ein langer Ball wird gewohnt souverän von Libero Witt abgefangen und kontrolliert auf den ins Mittelfeld eingerückten Linksverteidiger Wienges abgelegt (1. Pass!), der spielt einen kontrollierten Pass ins Zentrum auf die Sechs David (2. Pass!!), bekommt ihn umgehend zurück (3. Pass!!!), und ihm gelingt sogar ein weiteres kontrolliertes Zuspiel auf den nun zwischen den ob so vieler erfolgreicher Anspiele in Folge gänzlich verwirrten Champions vorgerückten David zurück (Doppelpass!!!!). Und der schlägt einen Steilpass durch die inzwischen offene Defensive der Champions auf Matse Daun am Sechzehner (5. Pass!!!!!) wie ein Steakmesser durch warme Butter. Und Daun schlenzt das Leder souverän in den Willi. 4:1. Und Pep meldet sich zum Praktikum an.

Eigentlich wäre jetzt auch das Team von Spielverlagerung.de gefordert. Denn über das ganze Spiel gerechnet, kommen wir bestimmt auch auf 45 Pässe, die zumindest bei irgendwem ankamen, teilweise auch bei uns. Es soll nicht unterschlagen werden, dass der flinke Rechtsaußen der Champions dann doch noch einen Pass in die Tiefe erlaufen hat (eindeutig kein Abseits) und den gekonnt im langen Eck zum 4:2 versenkt hat. Ergebniskosmetik. Was zählt, ist der Spaß. Guten Abend Allerseits!