Grüne Tulpen - Rote Socken

Socken mit Löchern

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Kurz vor der Sommerpause des Parlaments wollten beide Teams also nochmal die Kräfte auf dem Platz messen. In den vorangegangenen Partien konnte die Tulpe drei Siege feiern, ein Spiel endete 3:3 Unentschieden. Beinah wäre die 5. Partie aber noch ins Wasser gefallen, da sich bis zum Anpfiff nur 7 Roten Socken im Poststadion eingefunden hatten. Doch dank grüner Unterstützung und einem Spieler vom ehemaligen Mielke-Club BFC Dynamo konnte die Partie dann doch noch angepfiffen werden.

Schlägt sich der Auflösungsprozess in der Linkspartei jetzt etwa auch auf die Roten Socken nieder? Bis zum Anpfiff waren gerade einmal 7 Rote Socken auf dem Lichtplatz erschienen und mehr sollten es an diesem Abend auch leider nicht mehr werden. Die Grüne Tulpe war dagegen mit 14 Mann und einem insgesamt starken Kader vertreten. Obwohl es nicht immer leicht ist, das Trikot des politischen Gegners überzustülpen, fanden sich mit Rasmus Tanck, Sebastian Tschirbs und Manuel Eder gleich drei Grüne Tulpen, die ausnahmsweise die Roten Socken verstärkten.

Fehlte aber immer noch ein Spieler um die gegnerische Elf komplett zu machen. Kurzerhand ging Tulpe-Trainer Toffi Born im Poststadion nochmal auf die Suche und fand in Mamadou schließlich Spieler Nummer 11 für die Roten Socken.

Mamadou war nur zufällig im Poststadion und saß auf einer der Lichtplatz-Bänke. Kurz bevor er dann das Rote-Socken Trikot anzog, ließ er noch wissen, dass er normalerweise beim BFC Dynamo Berlin spielen würde. Ausgerechnet ein Spieler vom ehemaligen Stasi-Verein - Mielke lässt schön grüßen!

Na, das war ja eine schöne Überraschung und eine ganz besondere Verstärkung für die Roten Socken. Mamadou machte auch gleich mächtig Dampf in der grünen Hälfte. Technisch allen auf dem Platz überlegen, aber für die Grüne Tulpe auch zum Glück ein wenig zu eigensinnig. Die grüne Abwehrkette um Tim Mahler, Marco Kraft, Tresfore Dambe und Markus Meyer stand ziemlich sicher und wenn doch mal eine Rote Socke durchkam, stand da ja noch ein glänzend aufgelegter Jochen Schieborn im Tulpe-Tor.

Um die 15. Minute herum klärte Jochen sensationell im Eins zu Eins gegen Mamadou. Der grüne Torhüter fischte dem schnellen Stürmer in letzter Sekunde noch das Bällchen vom einschußbereiten Fuß. Es wäre fast das 1:1 gewesen, denn kurz zuvor hatte Asgar Ergin nach schöner Einzelleistung für die 1:0 Tulpenführung gesorgt. Asgars platzierter Schuß aus ca. 11 Metern ins rechte untere Eck war für den Roten-Socken Keeper unhaltbar. Es war übrigens Asgars 83. Tor im Dress der Grünen Tulpe. Vor fast genau 12 Jahren hatte er im Spiel gegen die AOK Berlin zum ersten Mal im grünen Trikot getroffen.

Man hätte nun annehmen können, dass der frühe Führungstreffer der grünen Mannschaft zusätzliche Sicherheit im Spiel gegeben hätte. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Tulpe, die in der ersten Viertelstunde noch klar das bessere Team war, gab nach und nach das Spiel aus der Hand. Die Roten Socken konnten aber nicht wirklich daraus Kapital schlagen. Nicht Marx, sondern Mamadou hieß die heutige Devise auf Seiten der Linkspartei.

Die Rote-Socken-Taktik war aber ziemlich durchschaubar: Auf einen lauten sozialisitischen Kampfruf Richtung Mamadou, folgte stets ein langer Pass in die Spitze auf den spontan "eingekauften" stark spielenden BFC-Mann. Allein auf die Reise geschickt, musste er dann aber selbst sehen, wie er sich gegen die vielbeinige grüne Minna durchsetzte. Hin und wieder gelang es ihm dann aber doch. In der 31. und 40. Minute hatte die Grüne Tulpe Glück, als Mamadou aus guter Position das Leder knapp über den grünen Kasten wuchtete.

Inzwischen hatte längst der inzwischen obligatorische Berliner Sommerregen eingesetzt und das von Simun Bruhn vor dem Spiel besorgte Pausenwasser hätte man sich bis zum Halbzeitpfiff fast selbst direkt vom Himmel abfüllen können. Zur Halbzeit wechselte dann Manuel Eder vom Rote Socken zurück ins Tulpe-Trikot. Da diese Partie am heutigen Abend sein erstes Spiel für die Grüne Tulpe sein sollte und er sich trotzdem bereit erklärt hatte, eine Hälfte für die Roten Socken zu spielen, gab er schließlich in Halbzeit Zwei seine Premiere im grünen Trikot. Dafür wechselte Jochen Schieborn vom grünen ins rote Tor. Ein gewagter Wechsel, mögen einige Tulpen gedacht haben, stand es doch gerade einmal 1:0 für die grünen Kicker. Doch der Wechsel unterstrich noch einmal den sportlichen Geist bzw das Fairplay, dass bei der Grünen Tulpe herrscht. Tresfore Dambe zog sich die Torwandhandschuhe an und auf seiner Links-Verteidiger-Position debutierte Manuel.

Die zweite Hälfte fing so an, wie die erste endete. Die Roten Socken spieten ihr einseitiges Kick'n Rush und die Tulpe eine Mischung aus 4-4-2 und 6 aus 49. Die Linkspartei nutzte die Unordnung im grünen Spiel dann auch gleich aus. Wer sonst als Mamadou nutzte in der 54. Minute einen roten Konter zum verdienten 1:1 Ausgleich. Erst hatte er den angeschlagenen Außenverteidiger Markus Mayer überlaufen, um danach Ersatz-Greenkeeper Tresfore zu vernaschen und mit dem Ball ins Tor zu laufen.

Nach dem Ausgleich folgte ein wahrer Schlagabtausch. Es ging hin und her, doch in den folgenden 20. Minuten sollten beiden Teams immer wieder an den beiden grünen Torhütern scheitern. Einmal war es Marek Dutschke -der ausnahmsweise mal an der Seite von Tulpe-Präsident Markus Kurdziel stürmen durfte- ein anderes Mal Linksaußen Lennart Krause, die jeweils am starken Jochen Schieborn im Rote-Socken-Tor nicht vorbei kamen. Auf der gegenüberliegenden Seite war es wieder Mamadou, dessen schöner Weitschuß an der grünen Latte aufschlug.

In der 74. Minute entschied dann der Schiri auf Freistoß für die Grüne Tulpe. Simon Bruhn war kurz vor der roten Strafraumgrenze gefoult worden und nun musste erstmal ein geeigneter Freistoßschütze ausgemacht werden. Der obligatorische Freistoßspezialist Toffi konnte ja verletztungsbedingt nicht auf dem Feld stehen. Vier Tulpen versammelten sich um den Ball und diskutierten nun, wer denn jetzt nun schießen dürfe. Schließlich winkte Markus ab und Tim hatte das Rennen gemacht. Asgar, der wohl auch gerne geschossen hätte, täuschte geschickt an und daraufhin zirkelte Tim das Bällchen wunderschön und unhaltbar über die Ostberliner Mauer ins linke Eck des Rote-Socken Gehäuses. 2:1

Nun war die grüne Führung wieder da, doch noch waren knapp 15 Minuten zu spielen und die Messe noch nicht gelesen. Denn in der 85. Minute tanzte wieder Mamadou gefährlich in den grünen Strafraum und stand plötzlich mutterseelenallein vor dem grünen Keeper. Als alle schon mit dem 2:2 rechneten, parierte Tresfore sensationell in Manuel-Neuer-Manier und sorgte damit dafür, dass die Tulpe auch diesmal wieder als Sieger vom Platz ging.

Fazit: Der vierte Sieg über die Rote Socken im fünften Spiel war ein hart erkämpfter. Doch irgendwie fühlte sich nach dem Spiel der Sieg ein wenig komisch an, hatte man doch auch gegen eigene Tulpen gewonnen. Rasmus, Sebastian, Jochen und Manuel - denen an dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank gilt- nahmen es aber sportlich und feierten im Anschluß natürlich den zugegebenermaßen glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1 Sieg. Den Roten Socken, die als fairer Verlierer vom Platz gingen, gilt zu wünschen, dass sie zumindest auf dem Platz schon bald wieder eine richtige Elf stellen können.

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