Markus Tressel

Auf Achse für die "grüne Kontur"

Koffer packen gehört für Markus Tressel zum Alltag wie die "Tagesthemen". Reisen ist Pflichtprogramm für den tourismuspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion, aber bei Weitem noch nicht alles. Er will dem Tourismus "eine grüne Kontur" geben. Im Fokus steht für ihn die Rolle der Verbraucher, das nachhaltige Reisen und die Stärkung ländlicher Regionen. Am Vorabend ist er erst aus den Bayerischen Alpen zurückgekommen und noch ganz begeistert. "Deutschland ist so vielfältig", schwärmt Tressel, "ich kann nur jedem empfehlen, die ausgetretenen Pfade mal zu verlassen und dieses Land neu zu entdecken. Das Saarland zum Beispiel, eine tolle, aufstrebende Tourismusregion. Aber das ist natürlich die ganz persönliche Meinung eines Saarländers", fügt er lachend hinzu.

Es muss also nicht unbedingt Koh Phi Phi oder Cancún sein – aber es kann. Tressel ist keiner, der den Verzicht auf Fernreisen predigt. "Es kommt aber darauf an, wie man sich vor Ort verhält. Tourismus sollte einen Beitrag für die regionale Wirtschaft leisten, aber nicht zulasten der ökologischen und sozialen Strukturen", sagt er. Tut es nicht auch ein kleineres Auto statt eines dicken Geländewagens, um die Gegend zu erkunden? Kann man vielleicht in einer Öko-Lodge übernachten? "Wer nachhaltig reisen will, sollte sich möglichst über sein Gastland informieren", meint Tressel, "auch über die politische Lage. Aber die wenigsten tun das. Kaum einem Tunesienurlauber war in den vergangenen Jahren bewusst, dass er Urlaub in einer Diktatur macht." Jetzt, nach dem arabischen Frühling, unterstützt Tressel die Bemühungen, wieder mehr Touristen in die nordafrikanischen Länder zu holen. "Es würde die Region nur weiter destabilisieren, wenn diese Einnahmequelle wegbräche, oftmals die einzige. Das gilt für den griechischen Tourismus genauso."

Was die meisten Menschen so leichthin mit Sonne und Segeln verbindet, ist ein gewichtiges Politikfeld, "das aber noch gerne unterschätzt wird", bedauert Tressel. Dabei bündeln sich hier zentrale Fragen: von Wirtschafts- und Umweltpolitik bis zu demografischer Entwicklung und Verbraucherschutz. Auch sein heimatliches Saarland setzt auf den Tourismus. Wenn es nach Tressel geht, soll der grün sein.

Bereits mit 16 Jahren trat der damalige Schülersprecher den Grünen bei, Lafontaines Bildungspolitik passte ihm gar nicht. 1999 bewarb sich der Student "mehr oder weniger aus Spaß" auf den Posten des Landesgeschäftsführers. Die Grünen waren nach internen Querelen aus dem saarländischen Landtag ausgeschieden – da musste also etwas passieren. Tressel bekam den Job, mit dem Vollzeitstudium war es erstmal vorbei. Die Aufbauarbeit zog den damals 22-Jährigen so in ihren Bann, dass es nebenbei gerade für ein Fernstudium Politik- und Verwaltungswissenschaft reichte. Den Wiedereinzug der Saar-Grünen in den Landtag 2004 verbucht Tressel als einen seiner bisher größten politischen Erfolge. Danach stieg der beharrliche Politmanager zum Fraktionsgeschäftsführer auf. "Der Wechsel nach Berlin war dann der nächste logische Schritt."

Ein guter Teil seines Reisepensums geht heute für die Pendelei zwischen Berlin und Saarbrücken drauf, zwischen dem Bundestagsmandat und der Familie mit einem sieben Monate alten Baby. Wie lange will er das durchhalten? Die Antwort kommt prompt: "Ich kann mir nicht vorstellen, in 20 oder 25 Jahren noch im Bundestag zu sitzen." Eher sieht er sich als politischer Berater zu Hause im Saarland. Oder als Wirt einer kleinen Pension in Südfrankreich. Auch wer gerne reist, sehnt sich wohl danach, irgendwann einmal anzukommen.

in: profil GRÜN, Ausgabe September 2011

 

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