Oliver Krischer

Der Zukunftsarbeiter

von Agnes Steinbauer

Schimmernde Solaranlagen überall auf den Dächern, Windräder, die preiswerten und sauberen Strom liefern – Oliver Krischer hat einen Traum. Der Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz will in ein neues Zeitalter aufbrechen. "Wer Milliarden für Hoteliers und Banken hat, kann auch in intelligente Energiesysteme investieren“, erklärt der 40-jährige Biologe mit Nachdruck. Für ihn sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz mehr als irgendein politisches Programm.

Das Dach seiner Doppelhaushälfte am Stadtrand von Düren ist gespickt mit Solarmodulen. Damit produziert er doppelt so viel Strom wie benötigt. "Bei uns sieht es aus wie bei den Grünen", schmunzelt der Vater von zwei Kindern. Die Gartengestaltung ist nicht immer ganz so akkurat und im Winter läuft die High-Tech-Holzpelletheizung. Obwohl sich seine acht- und zwölfjährigen Söhne, Andreas und Stefan, manchmal wohl fragen: "Tickt der Alte eigentlich noch ganz richtig?", suchen sie zu Hause begeistert nach Stromfressern. Auch als Politiker setzt Oliver Krischer auf Sonne, Wind, Biomasse, energetische Gebäudesanierung und intelligent gesteuerte, dezentrale und flexible Energieproduktion durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 30 Prozent des Stroms in Deutschland allein aus KWK-Anlagen fließen.

"Allen grünen Reden von Umweltminister Röttgen zum Trotz betreibt Schwarz-Gelb den Rollback zu Kohle und Atom", kritisiert der gebürtige Eifeler die Bundesregierung. Förderprogramme, die Rot-Grün aufgelegt hatte, gingen den Bach hinunter. Auch Zukunftstechnologien wie die Kraft-Wärme-Kopplung drohe damit das Aus. "Norbert Röttgens energiepolitischer Grünsprech ist völlig hohl. Wenn es ans Handeln geht, macht er das genaue Gegenteil", wird Krischer deutlich. Von wegen "Atomkraft, nein danke!". In der Diskussion um AKW-Laufzeitverlängerungen hört der passionierte Hobby-Ornithologe überall "die Nachtigall trapsen".

Für den Energiepolitiker stehen die Zeichen in der Koalition auf "Dinosaurier-Kurs". Darauf deuteten nicht nur die 22 neu geplanten Kohlekraftwerke hin, sondern auch die drastischen Kürzungen bei der Fotovoltaik-Vergütung, die die Koalition kürzlich im Bundestag beschloss. Noch während der laufenden Anhörung im Umweltausschuss kündigte Krischer im Internet den massiven Widerstand der Grünen dagegen an.

Oliver Krischer fackelt nicht lange, wenn er etwas für wichtig hält. Als vor über zwanzig Jahren in seinem Heimatort am Rande des Nationalparks Eifel ein Plakat zur Gründung eines grünen Ortsverbandes einlud, war er zur Stelle: Denn manche Entscheidungen des ewig CDU-dominierten Stadtrats hatten ihn schon lange genervt, erinnert sich Krischer. Noch am selben Abend war er Kassierer des neuen Ortsvereins von Heimbach. Treibende Kraft seines politischen Engagements ist aber bis heute seine Liebe zur Natur.

Wenn er Pause von den "schrägen Vögeln in der Politik" braucht, zieht er sich zum "Chillout" in den Berliner Tiergarten zurück, um die "Piepmätze" zu beobachten. Damit wird er seinem Ruf gerecht, der ihm auch zu Hause im Wahlkreis Düren vorauseilt: der einzige Bundestagsabgeordnete zu sein, mit dem man in freier Natur auf Stimmenfang gehen kann – natürlich auf einer Vogelstimmen-Exkursion.

in: profil:GRÜN, Ausgabe Juni 2010

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