Toni Hofreiter

Ein Mann fürs Grüne

"Wir brauchen Tempolimit 130 auf deutschen Autobahnen und zwar jetzt!" So spricht nicht gerade ein klassischer Diplomat, aber Anton Hofreiter geht gern aufs Ganze. Er sagt direkt, was ihm stinkt, und er sagt es unüberhörbar bayerisch. Z. B., wenn jemand 70 Liter Sprit auf 100 Kilometer "verbrennt", weil er unbedingt einen Porsche Cayenne fahren muss. Für den 38-jährigen Umweltpolitiker ist das schlicht unverantwortlich. Der Doktor der Biologie hat sich als Politiker 3 Schwerpunkte gesetzt: Ökologie, Mobilität und Gerechtigkeit. Die Dinge im Zusammenhang zu sehen, ist ihm wichtig. 2 Jahre war er im Auftrag der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität in den Tropen auf den Spuren verschwindender Arten unterwegs. In Südamerika hat er sich die Arbeitsbedingungen der Plantagenarbeiter angesehen.

Jetzt setzt er seine Erfahrungen in grüne Politik um. Wenn er den Hilferuf der Alpen ins Parlament trägt, weiß er, wovon er spricht. Der gebürtige Münchner geht gerne in die Berge, sein schulterlanges blondes Haar lässt den Naturburschen erahnen. Oder er verteidigt im Schlauchboot das letzte Stück naturbelassener Donau. "Was die Welt im Innersten zusammenhält, könnte bald böse auseinanderfliegen." Eindringlich warnt er davor, diese Entwicklung zu verharmlosen. "Es geht nicht darum, irgendwelche Kröten zu retten. Noch nie sind Klimawandel und Artensterben so rasant fortgeschritten, wie gegenwärtig." Als grüner Bundespolitiker will er darauf hinarbeiten, "dass der Aufprall nicht allzu hart wird". Massive Veränderungen sind deshalb angesagt: weg von der industriellen Landwirtschaft, keine Chance für den Klimakiller CO2, also auch keine großen Kohlekraftwerke, Baustopp für neue Straßen. Ein hartes Stück Arbeit bleibt das Tempolimit, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen: weniger Unfälle durch Raser – Aufatmen fürs Klima.

Für eine ökologisch mobile Gesellschaft setzt Hofreiter auf die Flächenbahn. Direkte Anbindungen und eine gute "Vertaktung" nach Schweizer Vorbild sollen schnelles Fortkommen garantieren. Eine Privatisierung der Bahninfrastruktur lehnt er ebenso ab wie Luxusbahnhöfe oder Schnellstrecken. Hier wird viel Geld verbaut, das an anderer Stelle fehlt. Die geplante Trasse zwischen Nürnberg und Erfurt, die bis zu 6 Mrd. Euro kosten soll, ist so ein Fall. "Wir wünschen uns eine Bahn, die alles für den Bürger tut, nicht für die Börse", betont er. Ein Massenverkehrsmittel müsse in erster Linie volkswirtschaftlich profitabel sein. Im Verkehrsausschuss des Bundestages hat Hofreiter deshalb mit seinen grünen MitstreiterInnen versucht, die Teilprivatisierung der Bahn zu verhindern. "Wir haben Sand ins Getriebe gestreut. Es hätte schlimmer kommen können", kommentiert er das Ergebnis.

Dass er mit den grünen Themen richtig liegt, wusste er schon als Gymnasiast. Wie wenig Ökologie und Gerechtigkeit zu trennen sind, lehrten ihn später seine Reisen durch Südamerika. "Wenn man sieht, wie Leute auf Bananenplantagen in Ecuador in Staub und Dreck für eine Hand voll Reis schuften müssen, kriegt man die kalte Wut", empört er sich. "Und wir in der nördlichen Hemisphäre verschwenden immer noch in großem Stil unsere Ressourcen. Dagegen muss man etwas tun!"

aus: profil:GRÜN Juni 2008

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