Gerhard Schick

Er will es wissen.

"Es gibt wenig Spannenderes als Finanzpolitik" – was mancher bezweifeln mag, kommt Gerhard Schick ganz selbstverständlich über die Lippen. Es sollten allerdings grüne Konzepte dahinterstecken. "Finanzpolitik für die FDP zu machen, das wäre mir zu langweilig", lacht er, "Steuern senken kann schließlich jeder." Ein "Green New Deal" muss es schon sein. Für den finanzpolitischen Sprecher der Fraktion bedeutet das, die Karten völlig neu zu mischen. Die Zeit sei reif für eine neue, ökologisch und sozial tragfähige Wirtschaftsordnung. Die aktuelle Finanzkrise verlangt aus seiner Sicht einen grundlegenden Neuanfang. Mit dem promovierten Volkswirt scheinen die Grünen dafür eine gute Besetzung zu haben: Die Fachwelt bescheinigt ihm Kompetenz und Bürgernähe.

Geht es um das aktuelle "Krisenmissmanagement" der Bundesregierung, dann kommt der eigentlich eher zurückhaltend auftretende 37-Jährige in Fahrt. "Das tut weh", beurteilt er etwa die Konditionen, unter denen der marode Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) verstaatlicht wurde. 1,39 Euro pro Aktie für eine eigentlich wertlose Bank: Das begünstige die Bankaktionäre zulasten der Steuerzahler, empört sich Schick. Im Bundestag verlangte er, einen HRE-Untersuchungsausschuss einzusetzen das ist nun beschlossene Sache. Er soll aufklären, warum die Krise der Hypo Real Estate so lange verschleiert blieb und welche Rolle der Bundesfinanzminister und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dabei spielten. Überhaupt: Transparenz im Finanzwesen – dafür einzutreten ist oberste Politikerpflicht für den aus Hechingen stammenden Schwaben. Für die Zukunft fordert er eine europaweite lückenlose Bankenaufsicht. Eine europäische Finanzumsatzsteuer soll die Finanzierung europäischer Aufgaben gerechter machen und Spekulationsblasen dämpfen. Steuer- und Regulierungsoasen will er austrocknen. Rund 30 Milliarden Euro gingen dem Fiskus jährlich durch Steuerhinterziehung verloren. Letztlich ist das Geld, das der öffentlichen Hand für wichtige Investitionen fehlt. Deshalb ärgert sich Schick auch über die "Abwrackprämie" der Bundesregierung. Für ihn ist sie ein ökologisches wie ökonomisches Desaster.

Wenn die Krise für eines gut sei, dann als Chance zum ökologischen Umbau wichtiger Industriezweige wie der Automobil-, Chemie- und Bauindustrie, bei der Förderung erneuerbarer Energien und neuer "grüner Jobs". Solche cleveren Ideen, bei denen Umweltschutz, soziales und wirtschaftliches Know-How zusammenkommen, unterstützt er: Genossenschaftsbanken, fairer Handel oder Carsharing. "Ich habe ja viele
Autos", er lächelt herausfordernd, "und die stehen bei einem Carsharing-Anbieter in Mannheim." Von dort ist es nur ein Katzensprung nach Frankreich, dem Herkunftsland seines Lebensgefährten, mit dem er verpartnert ist. Bei Schicks zu Hause stehen also zwei Männer am Herd. Denn – teils in Berlin, teils in Mannheim – wird mit Leidenschaft gekocht und gebacken, von Brot bis zu Schicks Lieblingsgericht Forelle Orange. Auf die kulinarische Ader deutet schon der Name seiner A-Capella-Band aus Freiburger Studentenzeiten hin. Noch heute singt er sich mit der Truppe querbeet durch verschiedene Musikrichtungen: mit "Schall und Bauch".

aus: profil:GRÜN, Ausgabe Mai 2009

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