Nicole Maisch

Mission possible

"Ich war immer schon eine Nervensäge" – Nicole Maisch amüsiert sich bei der Erinnerung an ihre ersten politischen Gefühle. Da konnte sie gerade lesen und Hefte wie "Der Tierfreund" gehörten zu ihrer Lieblingslektüre. Der bedrohte Lebensraum von Panda, Gorilla & Co, die Zerstörung des Regenwaldes, das Wald- und Artensterben – das war Maisch bereits im Grundschulalter geläufig. "Als Kind war das für mich unvorstellbar, dass jede Minute riesige Flächen von Wäldern von der Erdoberfläche verschwinden", erzählt die zierliche, blonde Frau. Schon früh war ihr klar: "Meckern allein hilft nicht, wenn man etwas verändern will." In der Schülervertretung ihres Gymnasiums im hessischen Großkrotzenburg tauchte sie in die Gremienarbeit ein.

Nach den rechtsradikalen Anschlägen in Rostock und Mölln kochten die Emotionen hoch, sie diskutierte leidenschaftlich mit. Später im ASTA der Universität Kassel war die Studentin der Politik, Soziologie und Anglistik Mitbegründerin der grünen Hochschulgruppe. 1998 kam mit der rot-grünen Bundesregierung eine politische Wende, die auch Nicole Maisch als wegweisend erlebte. "Meine Generation kannte ja nur Helmut Kohl als Kanzler", erinnert sich die heute 27-Jährige. Dass nach 16 Jahren Eiszeit plötzlich eine ganz neue Ära anbrach, dass Zukunftsvisionen wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare Wirklichkeit wurden, bestärkte die damals 16-Jährige endgültig auf ihrem Weg in die Politik. "Die bewegen was, die Grünen, und da willst du mitmachen", beschreibt sie ihr Lebensgefühl in dieser Zeit.

Heute bewegt Nicole Maisch selbst eine ganze Menge. Zu ihren wichtigsten Themen als verbraucherpolitische Sprecherin gehören – ganz aktuell – mehr Transparenz und Schutz für Verbraucher bei Finanzprodukten. "Es muss mit einem Blick durchschaubar sein, worauf man sich einlässt und wie groß das finanzielle Risiko ist", sagt sie energisch, fordert mehr Rechtsschutz bei falscher Beratung und die Verlängerung von Verjährungs- und Kündigungsfristen. Sie setzt sich für die Einführung von Marktwächtern ("Watchdogs") ein; zusätzlichen Institutionen, die die Arbeit von Verbraucherschutzorganisationen in besonders prekären Bereichen verstärken – Finanzprodukte, aber auch die Energie- und Telekommunikationsmärkte gehören dazu.

Ein wichtiges Stichwort in ihrem Vokabular ist die "Verbrauchermacht". Natürlich geht nichts ohne die richtigen Informationen: Erst wenn die Verbraucherin und der Verbraucher wissen, dass in ihrer Margarine mit Palmölanteilen auch ein Stück abgeholzter Regenwald steckt, können sie sich dagegen entscheiden. Was "König Kunde" erreichen kann, bringt sie auf öffentlichen Veranstaltungen beharrlich unter die Leute. Kein Zweifel, Nicole Maisch ist eine Frau, die "mit an den Schrauben drehen" will.

Wie hält sie dieses Nonstop-Politikerin-Leben aus? "Ich habe ein ziemlich hohes Energieniveau, aber laute Rockmusik ist manchmal ein gutes Gegenmittel", lacht sie. In ihrer knappen Freizeit baut sie den Energieüberschuss beim Langlaufen oder Joggen ab. "Das muss sein", erklärt Maisch "denn wenn ich keinen Auslauf habe, werde ich unleidlich."

aus: profil:GRÜN, Ausgabe März 2009

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