Porträt

Optimist mit Bodenhaftung

Dieter Janecek fotografiert für profil:GRÜN, Ausgabe März 2015

Ökologie und Ökonomie gehen zusammen, lautet Dieter Janeceks Credo. Den Schlüssel sieht der Wirtschaftspolitiker auch in der Digitalisierung.

Von Susanne Sporrer

Dosenbier statt Latte Macchiato, Fladenbrot statt Dinkelbrötchen – der Leopoldplatz im Wedding hat so gar nichts vom hippen Berlin, in das alle Welt strömt. Aber genau deshalb ist der Münchner Dieter Janecek, der vor eineinhalb Jahren in den Bundestag gewählt wurde, nun dorthin gezogen.

Beim Ortstermin in seinem Büro sitzt er mir entspannt im eleganten schwarzen Anzug gegenüber und spricht über seine Zukunftsvisionen. Grüne Städte zum Beispiel, in denen die Menschen mit dem E-Bike fahren und wieder Platz für Kinder ist. „Wir leben in einer Zeit, in der wir das schaffen können“, ist er überzeugt.

Auf dem Boden bleiben und die Realität im Blick behalten, ist sein Kompass im Berliner Politikbetrieb. Dennoch hat der wirtschaftspolitische Sprecher der grünen Fraktion Großes vor: „Ich will Ökologie und Ökonomie konsequent zusammenbringen.“ Die ökologische Transformation ist Janeceks Herzensthema. Seit Jahren spricht er mit Unternehmen und Verbänden über Chancen und Hindernisse für nachhaltiges und ressourceneffizientes Wirtschaften. Und er sieht, dass sich derzeit wichtige Türen öffnen: Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft wird traditionelle Produktionsmuster, Dienstleistungsangebote und unser Konsumverhalten revolutionieren – eine einmalige Chance, diesen Prozess konsequent unter ökologischen Gesichtspunkten mitzugestalten. Wer diese Entwicklung nicht verschläft, wird auch ökonomisch aus einer Vorreiterrolle in den Bereichen Technik und Umweltschutz profitieren. Wir können Wohlstand erhalten, ohne Menschen und Natur auszubeuten, glaubt Janecek.

Der 39-Jährige hat bereits bewiesen, dass Projekte Realität werden können, die kaum einer für möglich hält. Mit einer Klage beim Bundesverfassungsgericht zwang er die Stadt München, eine Umweltzone einzurichten. Ein paar Jahre später initiierte „Mister Feinstaub“ – mittlerweile Landesvorsitzender der bayerischen Grünen – das erfolgreiche Bürgerbegehren gegen den Ausbau des Münchner Flughafens.

Dieter Janecek fühlt sich als Bayer. Er spielt Schafkopf, liebt Biergärten und ist Mitglied im Münchner Verein gegen betrügerisches Einschenken. Bis vor Kurzem besaß er sogar eine Lederhose – doch die wurde dem heute schlaksigen 1,90-Meter-Mann zu weit, also verkaufte er sie an einen Brasilianer. Als sich seine Eltern, beide Österreicher, im niederbayerischen Eggenfelden niederlassen, ist Janecek 15, mit 28 nimmt er die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Die Familie ist konservativ und Niederbayern erst recht. „Wenn ich mich da als Grüner geoutet habe, wurde ich schief angeschaut“, erzählt er und lacht schelmisch in seinen Bart. Trotzdem ist der Abiturient dabei, als sich 1995 der grüne Ortsverband Eggenfelden gründet. Er lässt sich beschimpfen, als die Partei im Wahlkampf fünf Mark für den Liter Benzin fordert. „Da war ich sauer auf die Grünen, man hätte die gleiche Idee auch anders verkaufen können“, erinnert er sich.

Sein Weg führt vom Vorstand der Grünen Jugend in Bayern ins Büro des damaligen Landesvorsitzenden Sepp Daxenberger, dessen Nachfolger er 2008 wird. Janecek nimmt sich die Freiheit, auch mal quer zu denken. Nicht nur beim FC Bundestag hat er Kontakt mit anderen Fraktionen. Der politischen Karriere des Politologen und PR-Beraters hat das nicht geschadet.

„Ich kann mir gut ein Ziel setzen und dann konsequent daran arbeiten“, sagt Janecek. Ein Workaholic ist er trotzdem nicht. Er nimmt sich Zeit für seine beiden Kinder, für Freunde und den FC Bayern. An der Bürowand lehnt die Gitarre, auf Youtube ist zu sehen, wie gut Dieter Janecek spielt – am liebsten eifert er seinem Idol Keith Richards nach. Und sein Vorbild in der Politik? „Winfried Kretschmann finde ich toll, der ist gelassen, mit sich im Reinen und hat einen klaren inneren Kompass“, sagt er und setzt schmunzelnd hinzu: „Ein bisschen wie Keith Richards.“

Erschienen in: profil:GRÜN, Ausgabe März 2015

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