Katja Dörner

Sportfreundin Dörner

Zuhause ist Katja Dörner die Nummer zwei – aber nur beim Kickerturnier mit ihrem Mann. In sitzungsfreien Wochen kommt das immerhin ein bis zwei Mal täglich vor. „Mein Mann ist besser, aber sicher nur, weil er schon als kleiner Junge geübt hat“, gesteht die leidenschaftliche Kickerin lachend. Da sähe man mal, dass Mädchen auch Jungenspiele ausprobieren müssten, geschlechtersensible Erziehung eben. Gleiche Chancen, gleiche Rechte – das trieb Katja Dörner schon als schulpolitische Sprecherin der Bonner Ratsfraktion um. Dort absolvierte sie von 2002 bis 2009 ihre politische Lehrzeit. „Ich möchte, dass Kinder unabhängig von Herkunft und familiärem Hintergrund, gleiche Förderung und Schutz bekommen. Aber viele Gesetze, die man dafür ändern muss, sind Sache des Bundes.“ Katja Dörner musste also nach Berlin. Bei ihrer Kandidatur für den Deutschen Bundestag trat sie 2009 in Bonn gegen eine reine Herrenriege an. Besonders harte Nuss oder Vorteil? „Vorteil – und der Wahlkampf hat besonders viel Spaß gemacht!“ Mit gerade mal 33 Jahren gelingt Dörner der Einstieg in die Bundespolitik. In der grünen Bundestagsfraktion übernimmt sie gleich Verantwortung als kinder- und familienpolitische Sprecherin und Obfrau im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Genau: jener Ausschuss, den Gerhard Schröder einst uncharmant mit „Frauen, Kinder und Gedöns“ umschrieb. „Dem hätte ich erzählt, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat“, sagt Dörner. „Wie können die Generationen gut zusammenleben? Wie kommen wir endlich zu echter Gleichstellung? Welche Rahmenbedingungen muss der Staat ändern, um auf sich wandelnde familiäre Strukturen zu reagieren? Wir befassen uns hier mit den wichtigsten gesellschafts­politischen Zukunftsthemen!“ Für dieses Jahr hat Dörner vor allem zwei Punkte auf der Agenda: Den Rechtsanspruch auf einen – wichtig: guten! – Kitaplatz bis 2013 durchzusetzen und den Kampf gegen Kinderarmut voranzutreiben. Das „unwürdige Geschachere“ um die Erhöhung der Hartz IV-Sätze hat sie sehr geärgert. Als Mitglied der Kinderkommission des Bundestages ist es ihr wichtig, die Kinderrechte zu stärken. „Leider macht die Bundesregierung hier rein gar nichts“. Aber wie ist das eigentlich: Eine junge kinderlose Fachfrau für Kinder- und Familienpolitik – wird die akzeptiert? „Meist schon. Politik macht man ja nicht nur auf Basis der eigenen Erfahrungen. Das fände ich sogar falsch und gefährlich“, so Dörner selbstbewusst. Wichtig ist ihr der Austausch mit Menschen, die unterschiedliche Pers­pektiven auf ein Problem mitbringen. Außerdem ist sie immerhin ihr halbes Leben lang politisch aktiv. „Ich komme aus einer politisch interessierten Familie, die damals allerdings noch eher konservativ tickte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich mit der Jungen Union nichts anfangen kann. Als Anfang der Neunzigerjahre Asylbewerberheime brannten, während CDU und SPD das Asylrecht einschränkten, war mir klar, dass ich mich einmischen muss.“ Ihr Cousin nahm sie zu einer Veranstaltung der Grünen mit. „Ich fand gleich, ich passe gut zu dieser Partei und ihren Werten.“

In Bonn studierte Dörner Politik, Rechts- und Literaturwissenschaft, Aufenthalte in York und Edinburgh folgten. „England ist eine Art zweite Heimat. Mir ist schon klar, dass man einen speziellen Geschmack haben muss, um dieses Land zu lieben. Aber ich mag ja auch schlechtes Wetter.“ Vielleicht ist es die wertvolle Fähigkeit, sich auch von Dauernieselregen nicht die Laune verderben zu lassen oder gar Gefallen daran zu finden, die Katja Dörner heute viel nützt. Ja, doch, sie habe einiges Durchhaltevermögen, sagt sie. Das brauche man als Politikerin: „Man muss Marathonsitzungen durchstehen, Gegenwind aushalten und Frusterlebnisse wegstecken können.“ Das muss sie auch als glühender Fan des SV Werder Bremen, der aktuell nur auf einem hinteren Tabellenplatz rangiert. „Aber ich halte meinem Verein die Treue. Das ist doch Ehrensache.“

in: profil:Grün, Ausgabe März 2011

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