Monika Lazar

Wer Nazis stoppen will, muss eben früher aufstehen!

von Agnes Steinbauer

Früh aufzustehen ist für sie kein Problem – als gelernte Bäckerin und studierte Betriebswirtin ist Monika Lazar manches gewöhnt. Hilft ihr das im übertragenen Sinn auch bei der politischen Arbeit? "Möglich wär's!", lacht sie. Größte Aufmerksamkeit verlangt jedenfalls der aktuelle Job der 40-Jährigen als Fraktionssprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus. Kurz nach der Wende begegnete sie den ersten Neonazis im Osten, teilweise unliebsame "Importe" aus dem Westen. Nicht nur ihre Heimat Sachsen wurde zum "Aufmarschgebiet" für Rechtsradikale. "Man hat richtig zusehen können, wie die extrem Rechten ihre Chance witterten", erinnert sich die sportliche, dunkelhaarige Frau. Seitdem ist Monika Lazar auf Achse gegen Rechts.

Sie schwört auf Basisarbeit. In Schulen spricht sie mit den Jugendlichen, hört zu. "Manchmal ist es allerdings zum Verzweifeln", stellt sie fest. Im sächsischen Grimma, einer Region mit nicht einmal zwei Prozent Ausländeranteil, wollten Jugendliche die Frage diskutieren: "Warum sind die Ausländer so aggressiv?" Auch wenn es ihr schwer fällt, bleibt sie bei ihrer Strategie: Nachfragen, richtig stellen. "Man muss Vorurteile zur Sprache bringen und versuchen, sie mit Argumenten aufzulösen." Von heute auf morgen ist das nicht zu machen, das weiß sie. Die Wahltriumphe der Rechtsextremen, wie im vergangenen Jahr der Einzug der NPD in den Schweriner Landtag, sind wahrhaft kein ermutigendes Zeichen. Doch Resignation blockt sie resolut ab. "Nu g'rade" sagt man auf Sächsisch und das heißt auch für sie: standhaft bleiben und Widerstände überwinden.

Schon zu DDR-Zeiten hat sie es so gehalten. Ihre Ausbildung in der Erweiterten Oberschule hat sie sich erkämpft. Im Mai 1986, als die DDR den GAU in Tschernobyl totschwieg, sollte es auf Klassenfahrt nach Kiew gehen. Sie verweigerte die Teilnahme. "Ich habe kein Problem damit, mit meiner Meinung in der Minderheit zu sein." Derart geübt, hat sie nun dem deutsch-nationalen Gedankengut den Kampf angesagt. "Wehret den Anfängen" – das müsse überall groß geschrieben werden, wo Kinder zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen sollen. Aufklärungsmaterial gebe es ja genug, zum Beispiel bei der Bundeszentrale für politische Bildung, aber immer noch zu wenige rufen es ab. Kritisch beurteilt Lazar die Regierungspolitik. Neuerdings gehen die Mittel zur Bekämpfung des Rechtsextremismus nicht mehr direkt an die Initiativen und Träger vor Ort, sondern an die KommunalpolitikerInnen. Wo es dann ankommt? Das bleibt denen überlassen. In manchen Regionen klappt das gut, in anderen weniger.

Ein Verbot der NPD hält Monika Lazar zurzeit für politisch unklug. Zu groß sei das Risiko, Nazis zu Märty-rerInnen zu machen, sollte das Bundesverfassungsgericht ein Parteiverbot erneut ablehnen. Die sportliche Frau im lässigen Rollkragenpulli setzt stattdessen auf Überzeugungsarbeit. Eine harte Nuss dürfte ihr nächstes Projekt werden: "Demokratie im Stadion" – damit will sie 2008 auf Tour gehen. Bis dahin trainiert sie schon mal im Frauenteam des Fußballvereins "Roter Stern Leipzig" – wenn es die Politik erlaubt.

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