Frauen in FührungspositionenEin Jahr Quote

Ein Jahr nach der Verabschiedung des "Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" hat die grüne Bundestagsfraktion zu einer ersten Bilanzziehung eingeladen. Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erinnerte an die Untergangsszenarien, die einige Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt hatten. Nein, der Unternehmensstandort Deutschland hat nicht wegen der Quote an Attraktivität verloren. Dennoch: bei der Umsetzung gäbe es Licht und Schatten.

Die Quote wirkt

Renate Künast, Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz, diskutierte die erste Runde über die Quote für die Aufsichtsräte. Diese wirkt, die rund 100 börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen nähern sich dem geforderten 30 Prozent Frauenanteil an. Jutta von Falkenhausen von Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) erinnerte noch einmal an die Anträge und Gesetzentwürfe der grünen Bundestagsfraktion, welche die Debatte um die Quote entscheidend voran gebracht hätten. Dass es überhaupt ein Gesetz gäbe, habe vor allem an der guten Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Politik gelegen. Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Brandenburg, betonte, dass die Quote allein nicht ausreiche. Die meisten Unternehmen hätten unter zehn Mitarbeitenden, hier seien andere Maßnahmen erforderlich.

Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin, bezeichnete das Ergebnis für die beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands, als deutlich magerer. Und das, obwohl es genug qualifizierte Frauen gibt und viele Studien, nach denen gemischte Teams bessere Ergebnisse bringen. Ramona Pisal, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, kritisierte die Unternehmen. Viele von ihnen hätten bis zur Gesetzesverabschiedung überhaupt nichts in die Wege geleitet, trotz der lange währenden Diskussionen. Das sei mit ein Grund für den extrem langsamen Fortschritt.

Große Unternehmen sind große Befürworter

Die stärkste Akzeptanz des Gesetzes gäbe es bei den großen Unternehmen. Diese könnten auch als Vorbild dienen. Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung betonte, dass viele Unternehmen die staatlichen Eingriffe als Schock und noch immer als hinderlich empfinden. Die Besetzung der unteren Führungsebenen mit Frauen gleiche einem Ritt auf der Schnecke. Größtmögliche Transparenz in den Unternehmen sei bei der Besetzung ein wesentliches Instrument. Hinzu komme, dass viele Führungspositionen „wie früher“ praktisch nur mit jemandem, der einem Haus- und Familienarbeit abnehme, funktionieren.

Die Unternehmen müssten auf neue Konzepte, wie flexibles Zeitmanagement setzen. Negativ-Anreize, wie das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Mitversicherung müssten beseitigt werden. Julia Despina Dormaar, Abteilungsleiterin der Personalentwicklung in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erläuterte, dass es nicht ausreiche, einfach mehr Frauen einzustellen. Sie wünschte sich verschiedenste Maßnahmen, vor allem frühe Förderungen der Frauen und einen grundsätzlichen Wandel in der Gesellschaft sowie in den Unternehmen. Gerade der Generation Y sei das Thema Zeitsouveränität besonders wichtig.

In ihrem Fazit, stellte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Dörner fest, dass das Thema Quote noch nicht erledigt sei. „Wir werden die weitere Entwicklung sorgfältig beobachten und wenn nötig gesetzgeberisch tätig werden“. Sie verwies auf die aktuellen zeitpolitischen Konzepte der Fraktion, mit denen Spielräume für Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen geschaffen werden.

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