8. MärzParlamentarischer Abend zum Internationalen Frauentag

Zum Internationalen Frauentag lud die Bundestagsfraktion zum Parlamentarischen Abend. Angela McRobbie, britische Kulturwissenschaftlerin und Feministin, präsentierte gut gelaunt und kämpferisch ihre Thesen zum Stand des Feminismus.

Entpolitisierung

Am Beispiel Englands zeigte sie, wie effektiv sich der Neoliberalismus zentrale Anliegen des Feminismus, wie Bildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Unabhängigkeit, einverleibt hat. Während der Regierungszeit von Tony Blair wurde es schick, keine Feministin zu sein, den Wohlfahrtsstaat abzulehnen und den eigenen Erfolg nur der eigenen Leistung zu zuschreiben und die sozialen Rahmenbedingungen zu ignorieren. Die „Top Girls“ – so auch der Titel ihres bekanntesten Buches - sind kompetent, erfolgreich, leistungsorientiert und kommen überall hin. Dafür verzichten sie auf Kritik am Patriarchat, lächeln und unterwerfen sie sich einem rigiden Regime der Selbstoptimierung. Mit zahlreichen Beispielen aus Werbung, Filmen oder Fotos von PolitikerInnen illustrierte sie ihre These, dass sich Konsum- und Populärkultur Sprache und Bilder von weiblicher Freiheit und Autonomie aneignen und damit vordergründig den Erfolg von Frauen zu unterstützen scheinen.

Repolitisierung

Inzwischen konstatiert sie auch (wieder) gegenläufige Bewegung: die Kritik am alltäglichen Sexismus, Slut-Walks, feministische Blogs, die neue Aktualität von zwischenzeitlich als altmodisch angesehen Themen wie der Entgeltlücke oder Gewalt gegen Frauen, muslimischer Feminismus, all dies sieht McRobbie als positive Anzeichen für eine Repolitisierung.

Es gibt Hoffnung

In der Diskussionsrunde mit Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin und Angela McRobbie ging es dann um die konkreten grünen Antworten, auf die Konzepte zu Zeitpolitik, Entgeltgleichheit, aber auch um Vorbilder. Auf die nur halb ironisch gemeinte Frage von Moderatorin Claudia Neusüß: „Gibt es Hoffnung“? kamen positive und konkrete Antworten. Angela McRobbie zählte ein steigendes politisches Engagement der Frauen dazu, auch wenn Politik manchmal langweilig und bürokratisch sein könnte. Es sei viel in Bewegung, fand Katja Dörner. #aufschrei oder jetzt #ausnahmslos seien wichtige Impulsgeberinnen, die auch ins Parlament hineinwirkten. „Frauen bildet Banden“, sei einer ihrer Lieblingssätze, so Ulle Schauws. Solidarität zwischen Frauen jeder Herkunft sei ihr ein Anliegen, gerade vor dem Hintergrund der Übergriffe gegen Flüchtlinge.

Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt nahm diesen Faden auf, das Thema Flucht bewegt die Gesellschaft. Grüne kümmern sich darum, wie es den Frauen in den Großunterkünften geht, wie es mit ihrem Zugang zu den Integrationskursen steht, ob Kinderbetreuung angeboten wird. Dieses Engagement wird weiter gehen. Mit Blick auf die Landtagswahlergebnisse kündigte sie eine krasse und klare Auseinandersetzung mit der AfD an.

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