WeltaidstagAids weltweit bis 2030 beenden

Hand in Gummihandschuh mit zahlreichen Röhrchen mit Blutproben

Trotz einer nach wie vor hohen Todesrate (1,2 Millionen in 2014) hat sich global die Situation für die Infizierten und Erkrankten erkennbar verbessert. 15 Millionen Betroffene haben weltweit mittlerweile Zugang zu einer HIV-Therapie, die Rate der jährlichen HIV-Neuinfektionen ist um 35 Prozent gesunken. Weltweit werden fünfzigmal mehr Menschen behandelt als im Jahr 2002. Trotzdem sind global immer noch 60 Prozent der therapiebedürftigen Menschen ohne entsprechende Behandlung.

Das weltweite Ziel bis 2030

Die Vereinten Nationen (UN) haben 2015 mit den globalen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) beschlossen, die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 zu beenden. Wie das konkret passieren soll, sagt die Fast-Track-Initiative von UNAIDS: Bis zum Jahr 2020 sollen weltweit

  • 90 Prozent der HIV-positiven Menschen ihren HIV-Status kennen,
  • 90 Prozent davon Zugang zu effektiven Medikamenten haben und
  • 90 Prozent davon unterhalb der Viruslastnachweisgrenze sein.

Denn Personen, bei denen die Viruslast unter der Nachweisgrenze ist, sind gut behandelt und es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sie andere mit HIV infizieren können. Außerdem wird es bei der regelmäßigen Einnahme der Medikamente unwahrscheinlicher, dass sich beim HI-Virus Resistenzen bilden, die dazu führen, dass dieses Medikament nicht mehr wirken.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist der politische Wille auf nationaler sowie auch auf internationaler Ebene wichtig. Es braucht eine schlüssige Gesamtpolitik und ausreichend Geld, um sie zu finanzieren. Wichtig ist eine verstärkte Sexualaufklärung, eine akzeptierende Drogenpolitik, eine zielgruppenspezifische Prävention, der Abbau der Diskriminierung von Menschen mit HIV sowie eine frühzeitige Diagnostik und effektive Behandlung.

Kampf gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung

Zu einer erfolgreichen Strategie gegen HIV/Aids gehört national und international der Kampf gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung. Gerade im Hinblick auf die Beendigung der Diskriminierung von Menschen mit HIV-Infektionen im Alltag, im Beruf, von der Polizei, aber auch im Gesundheitswesen besteht in Deutschland noch Handlungsbedarf.

Aufklärung und Prävention

Weltweit muss mehr in Bildung und Aufklärung sowie in Strukturen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit investiert werden. Wie wichtig es ist, in Aufklärung zu investieren, zeigt der Befund, dass weniger als 40 Prozent der Jugendlichen in Ländern mit hohen HIV-Infektionsraten ausreichend Wissen über HIV und Aids haben und darüber, wie sie sich vor einer Infektion schützen können.

In Deutschland stellen sich mit vergleichsweise niedrigen HIV-Neuinfektionen (3.200 pro Jahr) und anderen Zielgruppen andere Herausforderungen: Weltweit sind meist Frauen am stärksten betroffen und in Deutschland Männer, die Sex mit Männern haben.

Die Anforderungen an die Prävention werden immer anspruchsvoller: Durch Möglichkeiten der Behandlung scheint die Angst vor Infektionen zurückgegangen zu sein. Jede nachwachsende Generation muss neu altersgerecht und mit jugendspezifischen Medien sensibilisiert werden. Das soziale Leben besonders stark betroffener Gruppen ist im stetigen Wandel und wird vielfältiger. Die klassischen Aufklärungskampagnen sind beispielsweise nicht auf die spezifische Situation etwa von SexarbeiterInnen ausgerichtet oder sie erreichen bestimmte Migrantinnen und Migranten aus sprachlichen und/oder kulturellen Gründen nicht immer. Daher sollten verstärkt zielgruppen- und altersspezifische Kampagnen und Angebote gefördert werden.

Testangebote und Behandlung

Frühzeitiges Wissen über die eigene Infektion und eine gute Behandlung sind zentral im Kampf gegen Aids. Nur wer den eigenen Infektionsstatus kennt, kann richtig handeln und richtig behandelt werden. Noch immer haben weltweit Millionen Menschen keinen Zugang zu lebensrettenden HIV/Aids-Therapien. Gesundheit ist ein Menschenrecht. Daher muss die Bundesregierung weltweit Gesundheitssysteme stärken und den deutschen Beitrag für den Globalen Fonds zur weltweiten Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria deutlich auf 300 Millionen Euro erhöhen.

In Deutschland sind mehr zielgruppenspezifische und anonyme Testangebote notwendig. Denn etwa 16 Prozent der Menschen mit HIV wissen nichts von Ihrer Infektion und knapp 30 Prozent der neu diagnostizierten Personen leiden bereits an einem fortgeschrittenen Immundefekt.

Die Vorschläge der grünen Bundestagsfraktion gibt es detailliert in unserem aktuellen Antrag „Aids-Epidemie in Deutschland und weltweit bis 2030 beenden“ zum Nachlesen.

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