ApothekenAlternativen zum Versandverbot

Ein fertig verpacktes Paket liegt in der Versandabteilung des Amazon Logistikzentrums in Pforzheim auf einem Fließband.

Im vergangenen Jahr hat der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung halten müssen. Damit sind inländische Apotheken im Wettbewerb benachteiligt, weil sie keine Rabatte anbieten dürfen.

Gesundheitsminister Gröhe und große Teile der Union haben sogleich das Verbot des Versandhandels für verschreibungspflichtige Arzneimittel gefordert. Doch das geht an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten komplett vorbei. Der Versandhandel ist besonders für die Arzneimittelversorgung von Menschen mit komplexen chronischen und seltenen Erkrankungen bedeutsam.

Bundesregierung muss Pläne für Versandverbot stoppen

Doch die Patientinnen und Patienten haben einen Anspruch auf gute Versorgung und kompetente Beratung. Ganz gleich, ob sie in der Stadt oder auf dem Lande leben, ob sie dringend mitten in der Nacht oder am Tage ein Arzneimittel benötigen, ob sie chronisch krank sind oder nur einen kurzen Infekt haben.

In einem Antrag („Arzneimittelversorgung an Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren – heute und in Zukunft“) fordern wir die Bundesregierung deshalb auf, die Pläne für ein Versandverbot zu beerdigen. Stattdessen sollen Rabatte bis zu einer gewissen Höhe für alle Apotheken erlaubt werden.

Arzneimittelversorgung steht vor großen Herausforderungen

Doch das kann nur ein erster Schritt ist. Denn die Arzneimittelversorgung steht vor großen Herausforderungen. Fortschritte in der Arzneimitteltherapie und die wachsende Zahl älterer Patientinnen und Patienten führen zu komplexeren Behandlungen. Künftig kommt es stärker noch darauf an, dass Apothekerinnen und Apotheker fachkompetent beraten. Doch gerade in ländlichen Regionen zeichnen sich erhebliche Probleme ab. Dort fällt es Apotheken zunehmend schwerer Nachwuchs zu finden. Zudem: Wenn in diesen Regionen Arztpraxen wegfallen, werden weniger Medikamente verschrieben.

In unserem Antrag fordern wir darum die Einberufung einer Expertenkommission. Sie soll vor allem Vorschläge entwickeln, wie künftig die Honorierung von Apothekerinnen und Apothekern aussehen könnte, damit auch mehr Anreize für eine gute pharmazeutische Beratung entstehen. Aus diesem Grunde wäre es überlegenswert, Apothekerinnen und Apothekern auch dann eine Vergütung zu zahlen, wenn sie im Einzelfall doch kein Arzneimittel abgeben.

Darüber hinaus soll die Kommission sich damit beschäftigen, wie durch flexiblere Lösungen insbesondere für ländliche Räumen eine gute Arzneimittelversorgung möglich wird und Apotheken so zum wichtigen Bestandteil einer aufeinander abgestimmten und Sektor übergreifenden regionalen Versorgung werden können.

Mehr zum Thema Gesundheit

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4402667