ArzneimittelArzneimittel-Mondpreise

Verschiedene Medikamente ohne Verpackung
Arzneimittelhersteller dürfen im ersten Jahr nach Einführung absurde Preise verlangen. Das birgt eine Gefahr für das gesamte System.

Die große Koalition hat das so genannte Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz beschlossen. Wie schon oft in den vergangenen vier Jahren ist dieser hochtrabende Titel weitgehend nur Fassade. Das Gesetz verliert sich im Kleinklein teilweise überflüssiger, teilweise sinnvoller Regelungen. Die Koalition scheitert aber bei der zentralen Aufgabe: eine bezahlbare Arzneimittelversorgung dauerhaft zu sichern und die gesetzliche Krankenversicherung vor finanzieller Überforderung zu schützen.

Gefahr für Stabilität der Krankenversicherung

Warum ist das so wichtig? Seit 2011 gilt in Deutschland das so genannte Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG), das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung. Es gilt als Meilenstein für eine bessere Arzneimittelversorgung. Das Gesetz hat aber einen durch die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung zu verantwortenden schweren Geburtsfehler: Im ersten Jahr nach der Markteinführung des Medikamentes können die pharmazeutischen Hersteller den Preis des Arzneimittels immer noch völlig frei festlegen. Erst danach verhandeln Kassen und Herstellern.

Absurde Preise im ersten Jahr

Das hat zu teilweise absurd hohen Preisen für einzelne Mittel geführt („Mondpreise“). So kostete eine einzige Packung eines hoch wirksamen Medikamentes gegen Hepatitis C fast 20.000 Euro. Würden alle betroffenen Patientinnen und Patienten zu diesem Preis behandelt, entstünden Kosten von rund 5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Für alle Arzneimittel zusammen geben die gesetzlichen Kassen pro Jahr bislang rund 35 Milliarden Euro aus. Und vor der Tür stehen weitere, sehr teure Medikamente zum Beispiel für die Krebsbehandlung.

Maßnahmen gegen Mondpreise nötig

Qualitativ hochwertige Arzneimittel sind eine sehr effiziente Therapiemethode. Derartige Summen sind aber eine Gefahr für unser solidarisches Gesundheitswesen. Deshalb muss alles getan werden, um die Preise bei Arzneimitteln im Zaum zu halten. Wir haben darum vorgeschlagen, den zwischen dem Spitzenverband der Krankenkassen und den Herstellern ausgehandelten Preis rückwirkend schon ab dem ersten Jahr gelten zu lassen. Doch Union und SPD konnte sich nicht einigen.

Preismoratorium wird verlängert

Das einzige Instrument im Gesetz, um die Arzneimittelversorgung bezahlbar zu halten, ist das Preismoratorium. Es wird bis 2022 verlängert. Damit sind die Preise schon länger auf dem Markt befindlicher Arzneimittel seit 2010 faktisch eingefroren. Das ist mit Blick auf die Kosten nicht falsch. Andererseits trifft diese Maßnahme vor allem die Hersteller ohnehin preisgünstiger Arzneimittel wie Generika. Auf Dauer ist das Preismoratorium aus unserer Sicht daher keine Lösung.

Versorgungsqualität bei Medikamenten zur Krebsbehandlung

Für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung werden häufig individuell zubereitete Medikamente genutzt (so genannte Zytostatika). Seit einigen Jahren konnten die Krankenkassen dazu direkt mit Apotheken Verträge abschließen, um Anforderungen an die Qualität der Versorgung zu definieren und Preise zu vereinbaren. Diese Möglichkeit wird nun ersatzlos gestrichen. Es fehlt nun aber jegliche Regelung, damit die Kassen auch künftig im Interesse ihrer Versicherten verbindliche Qualitätsstandards etwa zur maximalen Lieferdauer mit Apotheken vereinbaren können.

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1 Kommentar
Überdimensionale Gewinne hoch besteuern
Alfred Mayer 14.04.2017

Könnten die Mondpreise für neu entwickelte, menschenrettende Medikamente vielleicht öffentlich subventioniert und damit dem Argument Rechnung getragen werden, daß die Wucherpreise für die weitere Forschung zur Rettung weiterer Menschenleben notwendig sei und zum Ausgleich endlich die überdimensionalen entnommenen Gewinne in allen Unternehmensbereichen sehr hoch besteuern.

Manche Unternehmen legen hohe Gewinne vmtl. sehr gut in weitere Forschung an.
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Sehr reiche Patienten könnten sich für ihre Rettung auch erkenntlich zeigen.

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