HeilmittelvergütungBessere Versorgung durch bessere Daten

In der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Gynäkologie im Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg nehmen Kurpatientinnen an einer Gruppengymnastik mit Bällen und Stäben teil, die von einer Physiotherapeutin geleitet wird. wird, aufgenommen
In der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Gynäkologie im Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg nehmen Kurpatientinnen an einer Gruppengymnastik mit Bällen und Stäben teil, die von einer Physiotherapeutin geleitet wird.

In den letzten Jahren haben PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen und PodologInnen vermehrt kritisiert, dass der Berufsstand aufgrund relativ geringe Einkünfte bei gleichzeitig steigenden Ausgaben für Aus- und Weiterbildung und Betriebsführung bedroht sei. Wir haben eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, um konkrete Daten über die Einkommenssituation und die regionale Verteilung dieser TherapeutInnen zu erhalten.

Liest man die Antwort der Bundesregierung, so scheint die Situation dieser therapeutischen Berufe (Heilmittelerbringenden) auf den ersten Blick gut: Die Ausgaben der Kassen für Heilmittel sind in den letzten fünf Jahren überproportional angestiegen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die gesetzlichen Neuregelungen auf die Vergütungssituation der Heilmittelerbringenden auswirken werden. Auch die Zahl der Heilmittelerbringenden hat, so die Antwort der Bundesregierung, zugenommen, wenn auch nicht so stark wie die Ausgaben. Allerdings ist der größte Anteil der Heilmitterbringenden inzwischen über 40 Jahre alt. Gut die Hälfte arbeitet in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung. Die Zahl der Auszubildenden ist leicht rückläufig, was dem demografischen Wandel und der stärkeren Studienorientierung geschuldet sein dürfte

Studie notwendig - für bessere Datenlage

Was aber aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion deutlich wird, ist, dass es keine belastbare, detaillierte Datenlage gibt: Wie sehen die Einkommen Soloselbständiger und Angestellter in kleinen Praxen aus? Wie viele Selbständige geben auf? Welche Anbieter, Kosten, Zertifizierungen gibt es auf dem Weiterbildungsmarkt? Wo gibt es Über-, wo Unterversorgung mit Heilmitteln? Darum fordern wir eine Studie zur Situation der Heilmittelerbringenden.

Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen angestellter Physiotherapeutinnen und -therapeuten betrug 2010 über 31.000 Euro – aktuellere Zahlen liegen leider nicht vor. Das dürfte vergleichbar mit den Gehältern anderer schulischer Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen sein. Selbständige Unternehmen im Heilmittelerbringerbereich erzielten nach Abzug von Betriebskosten 2010 Bruttoeinnahmen von 73.500 Euro – inzwischen dürfte das um einiges mehr sein.

Allerdings sind das Durchschnittswerte. Neben sehr großen Physiotherapiepraxen mit hohem Umsatz gibt es wohl auch selbständige Therapeutinnen und Therapeuten ohne Angestellte, die mit ihren Einnahmen kaum über die Runden kommen. Das Gleiche gilt für angestellte Physiotherapeutinnen und –therapeuten in einer kleinen Praxis in Teilzeit.

Für die Niederlassung von Heilmittelerbringenden gibt es keine Steuerungsinstrumente. Eine Aufschlüsselung pro 100.000 Versicherte gibt es nur auf Ebene der Bundesländer. Die Verteilung ist dementsprechend sehr unterschiedlich.

Wildwuchs auf dem Weiterbildungsmarkt

Ein großes Problem für therapeutische Berufe stellen die Kosten für die Aus- und Weiterbildung dar. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gibt bereits über 40 Prozent der Mittel, die an die Physiotherapeuten fließen, nur für Maßnahmen aus, für die eine Fortbildung zwingend erforderlich ist. Das lässt darauf schließen, dass ohne solche Fortbildungen kaum noch Existenzmöglichkeiten bestehen. Diese Fortbildungen müssen aber selbst finanziert werden. Es gibt kaum landesrechtlich geregelte Fortbildungen, entsprechend dürfte es einen großen, undurchschaubaren Weiterbildungsmarkt geben. Über die Qualität dieser Weiterbildungen wissen wir wenig.

Wir fordern kostenfreie Ausbildung

Zudem sollten die Ausbildungen zu therapeutischen Berufen endlich kostenfrei werden, wie wir es schon lange für die Pflegeberufe fordern. Und es sollte Licht in den Weiterbildungsdschungel kommen: Wir brauchen Qualitätsnachweise für die Anbieter und zertifizierte Weiterbildungen.

Therapeutische Berufe spielen eine große Rolle bei der Versorgung einer alternden Gesellschaft, gerade im Bereich Prävention und Kostenvermeidung. Es sollte alles dafür getan werden, dass die Versorgungssituation gut bleibt.

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