KrankenversicherungDie Bürgerversicherung zum Laufen bringen

Seite 6: Kontroverse Diskussion

Der Journalist Tim Szent-Ivanyi von der DuMont Hauptstadtredaktion moderierte die anschließende Diskussion. Dabei wurden die kontroversen Standpunkte deutlich. Dr. Timm Gennett vom Verband der Privaten Krankenversicherung sprach sich für die Beibehaltung des dualen Versicherungssystems aus. Vertreter des Betriebsrates eines privaten Krankenversicherungsunternehmens kritisierten die Bürgerversicherung und befürchteten den Verlust ihrer Jobs. Für DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach ist die Bürgerversicherung notwendig, sie äußerte aber Verständnis für die Sorge um die Arbeitsplätze und forderte daher eine soziale Abfederung von Arbeitsplatzeffekten. Dr. Wulf-Dietrich Leber warnte davor, mit der Bürgerversicherung alle gesundheitspolitischen Probleme lösen zu wollen. Im Zentrum müsse die Einbeziehung aller Menschen in den Solidarausgleich stehen. Für Stefan Etgeton ist die Bürgerversicherung auch ein Instrument, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu sichern. Es bräuchte eine klare politische Aussage, dass ein integriertes Krankenversicherungssystem gewollt ist. Dann könnten trotz aller Komplexität erste Schritte in der Umsetzung gegangen werden. Die gesundheitspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, betonte, dass die PKV im grünen Modell einer Bürgerversicherung bestehen bleibe. Sie habe die Möglichkeit, die Bürgerversicherung anzubieten. Es müssten aber alle Menschen an der solidarischen Finanzierung beteiligt werden, nicht nur die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Auch Fehlanreize in der Versorgung müssten behoben werden, für alle müsste es auch in der Zukunft eine bezahlbare Absicherung geben. Die Vielfalt unterschiedlicher Angebote solle erhalten bleiben. Ein gemeinschaftliches Wettbewerbssystem könne einen Beitrag auch für mehr Qualität leisten. Auch die PKV könne darin einbezogen werden.

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1 Kommentar
„Bürger“-Versicherung
Peter Walther 20.06.2017

Eine selbstverwaltete Krankenversicherung, welche diesen Namen verdient, hätte eine funktionierende Selbstverwaltung als Voraussetzung, in welcher Versicherte und Patienten über Ihren Bedarf und dessen Finanzierung selbst mitbestimmen können. Wir steuern allerdings auf einen Staatsversicherung ohne Wahlmöglichkeiten zu, in welcher dieser allmächtig und allwissend den Bürgern erzählt was sie brauchen und bezahlen müssen. Es stünde gerade den GRÜNEN gut an, diesen Kampf einer (wieder) funktionierenden Selbstverwaltung auf Ihre Agenda zu nehmen und auszufechten. Die Frage der Auflösung der PKV ist unter diesem Aspekt lediglich ein zweiter Schritt.

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