ArzneimittelDürftiger Dialog

Verschiedene Medikamente ohne Verpackung
Die Regierung und die Pharmabranche haben Dialoge geführt. Verbessert haben sie nichts. Arzneimittel werden nun Intransparent kalkuliert.

Fast zwei Jahre hat die Bundesregierung mit der pharmazeutischen Industrie über den Pharmastandort Deutschland gesprochen. Doch die Ergebnisse des so genannten „Pharmadialogs“ stehen in keinem Verhältnis zur Dauer der ganzen Veranstaltung.

Wesentliche Probleme der Arzneimittelversorgung wurden gar nicht angegangen, wie beispielsweise die ausreichende Versorgung mit Impfstoffen, die Bekämpfung von armutsassoziierten Erkrankungen sowie die Überwindung des so genannten "Tal des Todes", also des oft steinigen Übergangs zwischen der öffentlichen Forschung und der anschließenden Produktentwicklung in den pharmazeutischen Unternehmen. Die Dialogergebnisse zur Versorgung mit Arzneimitteln für Kinder sind ebenso nicht befriedigend.

Preisregulierung nur mit angezogener Handbremse

Weltweit explodieren die Kosten für neue Arzneimittel. Das ist auch für unser Gesundheitswesen eine erhebliche Belastung und war daher auch Thema des Pharmadialogs. Derzeit können Pharmahersteller den Preis für neue Medikamente im ersten Jahr nach Markteinführung völlig frei bestimmen. Erst danach gilt ein zwischen Krankenkassen und pharmazeutischer Industrie verhandelter Erstattungspreis. Es besteht allerdings der Verdacht, dass die Unternehmen besonders in diesem ersten Jahr überzogene Summen fordern. Nach den Plänen der Bundesregierung soll nun für neue Arzneimittel eine Umsatzschwelle als Preisbremse eingeführt werden. Die Idee ist an sich gut, jedoch gibt es bislang keine verbindliche Äußerung zur Höhe der Umsatzschwelle. So bleibt offen, ob der Schwellenwert nur ein Placebo bleibt oder ob mit ihm die Kosten wirklich langfristig begrenzt werden können.

Transparenz bei Preisverhandlungen wird aufgeweicht

Rabatte, die zwischen Kassen und Industrie für neue Arzneimittel ausgehandelt wurden, sollen nach dem Willen der Bundesregierung zukünftig geheim bleiben. Das ist eine bittere Pille für unser Gesundheitswesen. Wir meinen, dass die Preise und Rabatte unbedingt transparent bleiben müssen. Ohne Transparenz kann zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Therapiealternativen nicht verglichen werden. Vor allem aber haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf volle Information darüber, wofür ihre Beiträge verwandt werden.

Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist inkonsequent

Antibiotikaresistenzen sind ein weltweites Problem. Die Lösung kann jedoch nicht in steigenden Kosten für die Versicherten bestehen, wie es der Pharmadialog suggeriert. Vielmehr müssen die Ankündigungen des G7-Gipfels in 2015 endlich umgesetzt werden. Dazu gehört zum Beispiel ein internationaler Forschungsfonds zur Entwicklung von Antibiotika.

Zugleich muss aber auch das Problem der Resistenzen endlich angegangen werden. Denn was nützen mehr Antibiotika, wenn sie weiter unnötig verschrieben oder in der Massentierhaltung flächendeckend eingesetzt werden? Die Bundesregierung konnte sich bisher nicht einmal zu einem Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tierhaltung durchringen.

Echter Aufbruch oder neue Form des Lobbyistenstammtisches?

Die Erwartungen an den Pharmadialog waren hoch. Doch von Beginn an war die Zielsetzung nicht klar. Es konnte jedoch nicht darum gehen, den Dialog um des Dialogs willen zu führen oder eine neue Form des Lobbyisten-Stammtisches aufzubauen. Vielmehr hätten auch konkrete Probleme der Patientenversorgung und der Gesundheitsforschung benannt und gemeinsame Problemlösungen entwickelt werden müssen.

Mehr zum Thema Gesundheit

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4399117