GesundheitsförderungGesundheit für alle

Menschen trainieren in der ersten Sporttafel Deutschlands.

Sie wünschen sich doch sicher auch ein gesundes und langes Leben, oder? Bekannt ist, dass gesunde Ernährung, mehr Bewegung und eine gute Stressbewältigung dazu beitragen, lange gesund zu bleiben und bis ins hohe Alter mobil zu sein. Was sich so einfach anhört, ist im Alltag oft schwer umsetzbar, das hat wohl jeder von uns schon ab und zu festgestellt. Zusätzlich beeinflusst aber auch die soziale Lage unser Wohlergehen. Denn auch Bildung, Einkommen, Wohnverhältnisse oder Teilhabe wirken sich auf die Gesundheit aus.

Die Gesundheitsförderung hat in der Politik seit Jahren nicht den Stellenwert, den sie verdient. Denn sie gehört ins Zentrum der Gesundheitspolitik, nicht an den Rand. Nach mehr als zehn Jahren und drei gescheiterten Anläufen legt die Bundesregierung nun ein Präventionsgesetz vor. Leider wird es kaum wirken. Denn der Gesetzesentwurf versäumt es, Gesundheitsförderung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu organisieren und im Alltag der Bevölkerung dauerhaft zu verankern.

Grüne Vorschläge für moderne Gesundheitsförderung

Wir wollen eine Gesundheitsförderung, die in den Alltag passt. Wirksame Gesundheitsförderung setzt da an, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Doch anstatt die Alltagswelten wie Kita, Schule, Unternehmen, Pflegeeinrichtungen oder Stadtteil gemeinsam mit den Menschen vor Ort gesünder zu gestalten, setzt Schwarz-Rot weiterhin auf die individuelle Verhaltensänderung. Mit Appellen durch den Arzt oder einen Gesundheitskurs einer Krankenkasse lassen sich aber nur wenige Menschen, und dann auch nur kurzzeitig, dazu bewegen, sich ausgewogen zu ernähren, Sucht- und Genussmittel zu vermeiden oder regelmäßig Sport zu treiben. Die nachgewiesene Bedeutung der sozialen Lage und der Umwelt für die Gesundheit der Menschen wird bewusst ausgeblendet. Das zusätzliche Geld wird also verpuffen.

Wir wollen Gesundheit für alle ermöglichen und fördern – unabhängig vom Geldbeutel, vom Geschlecht oder der Herkunft. Das gelingt aber nur, wenn wir Belastungen wie zum Beispiel Stress, Lärm oder Unfallgefahren senken und gesundheitsfördernde Ressourcen wie soziale Netzwerke, Bildung, Ernährung und Bewegung stärken.

Indem wir die Programme und die Finanzierung der Gesundheitsförderung langfristig in die Alltagswelten integrieren, wollen wir der bisherigen - oft nur Marketing-gesteuerten - Projektitis der Krankenkassen ein Ende setzen. „Mitgestalten“ heißt das Zauberwort für eine gelingende Gesundheitsförderung. Ein selbstgestaltetes Programm, das alle vor Ort mit Begeisterung füllen und leben, ist uns wichtiger als seine Perfektion.

Wir Grüne im Bundestag wollen gesundheitsförderliche Lebensbedingungen schaffen und bei den gesundheitlichen Herausforderungen des Alltags helfen. Gesundheitsförderung bedeutet deswegen vor allem auch nichtmedizinische, ganzheitliche, individuelle und soziale Primärprävention und stößt Veränderungsprozesse da an, wo die Menschen leben, lernen und arbeiten.

Kommunen als Akteur stärken

Wir wollen die Kommunen und Kreise in ihren Kompetenzen und ihrer Verantwortung für die Gesundheitsförderung aufwerten. Denn hier laufen alle Fäden zusammen. Deshalb wollen wir, dass dort, wo Menschen zusammenkommen und viel Lebenszeit verbringen, gesundheitsförderliche Angebote gebündelt und optimiert, die Zusammenarbeit der Akteure (Leistungserbringer, Kostenträger, Kommunen und Landkreise, Kammern, Jobcenter, Patientenvertretungen, Bürgerinnen und Bürger etc.) ermöglicht und nachhaltige Strukturen geschaffen werden. Gut, dass wir dabei an bereits Vorhandenes anknüpfen können. So lassen sich beispielsweise die Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe oder Programmen wie die „Soziale Stadt“ im Hinblick auf Gesundheitsförderung stärken.

Präventionsgesetz der Bundesregierung ist ein Placebo

Im Koalitionsvertrag noch groß angekündigt, versagt die Bundesregierung bei der Umsetzung ihres Präventionsgesetzes kläglich. Das zusätzliche Geld wird verpuffen, da die Mittel in Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten fließen. Wer dauerhaft etwas verbessern will, muss aber Veränderungen in Kita, Schule, Betrieb, Senioreneinrichtungen oder Stadtteil anstoßen und unterstützen und nicht nur auf individuelle, zeitlich begrenzte Kurse setzen. Das Präventionsgesetz ist somit nichts weiter als ein Placebo. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes von Menschen, die aufgrund ihrer sozialen Lage Hilfe am dringendsten benötigten, wird man so nicht erreichen.

Die schwarz-rote Zeigefinger-Prävention wird mit verpflichtenden Boni, für Versicherte und Arbeitgeber manifestiert. Doch der Boni ist nichts weiter als ein diskriminierendes Belohnungs- und Bestrafungssystem, welches suggeriert, dass die Menschen selbst schuld sind, wenn sie krank werden oder sind. Schwarz-Rot eröffnet damit alle Türen zur Überwachung und Kontrolle von optimierten Gesundheitsverhaltens oder vermeintliches Versagen der Bürgerinnen und Bürger.

Die Bundesregierung wird weder den Beschlüssen des Bundesrates noch den gesundheitspolitischen Erfordernissen gerecht, die auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen angemahnt hat. Sie versäumt die große Gelegenheit, Prävention und Gesundheitsförderung endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen, zu organisieren und zu finanzieren und damit tatsächlich wirksam zu gestalten.

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