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GleicberechtigungHerrenclub Gesundheitswesen

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Der Frauenanteil unter den Beschäftigten des Gesundheitswesens wächst stetig. Doch die Chefetage des Gesundheitswesens ist nach wie vor ein Herrenclub.

Über die Hälfte aller Beschäftigten im Gesundheitswesen sind weiblich. Auch die Zahl der berufstätigen Ärztinnen steigt stetig an. Und inzwischen beträgt der Frauenanteil unter den Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums bereits 65 Prozent.

Doch in den Führungsetagen des Gesundheitswesens sind Frauen bislang kaum vertreten, das zeigt jetzt insbesondere die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Fraktion.

Niedriger Frauenanteil in Vorständen und Krankenhausleitungen

So beträgt der Anteil von Frauen in den Vorständen der gesetzlichen Krankenkassen im Durchschnitt nur rund zehn Prozent. Auch in den Verwaltungsräten ist der Frauenanteil mit durchschnittlich rund 25 Prozent nicht sonderlich hoch.

Ähnlich schlecht sieht es in den Ärztekammern aus. Hier liegt der Frauenanteil in den Vorständen zwischen null und 30 Prozent. Auf der darunter liegenden Führungsebene sieht es noch schlechter aus. In zehn Ärztekammern gibt es dort nicht eine einzige Frau. Bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), das sind die Zusammenschlüsse der mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnenden niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, ist die Situation ebenfalls nicht befriedigend. Die Mehrheit der KVen hat keine einzige Frau in ihren Vorständen.

Unterrepräsentiert sind Frauen auch in den Leitungen von Krankenhäusern. So waren nur rund elf Prozent der leitenden Ärztinnen und Ärzte weiblich. Nur etwas besser sieht es in den kaufmännischen Leitungen der Krankenhäuser aus: Hier beträgt der Frauenanteil 20 Prozent. In den Universitätskliniken werden nur zehn Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt.

Große Koalition war untätig - und will es bleiben

Mit gezielten Maßnahmen ließen sich aus Sicht der grünen Bundestagsfraktion durchaus Verbesserungen erzielen. Dazu gehören unter anderem familienfreundliche Arbeitsbedingungen oder flexiblere Bedingungen in der ärztlichen Weiterbildung.

Notwendig sind aber auch gesetzliche Vorgaben, damit mehr Frauen in die Chefetagen des Gesundheitswesens einziehen können. Doch anders als für börsennotierte Unternehmen gibt es eine solche Regelung für das Gesundheitswesen noch nicht. Und die Bundesregierung hat auch nicht vor, eine solche zu schaffen.

Im alten Koalitionsvertrag der großen Koalition von 2013 gab es immerhin die Verabredung, durch „geeignete Maßnahmen das repräsentative Verhältnis von Frauen und Männern“ in der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens zu verbessern. Die große Koalition hat dieses Vorhaben nie umgesetzt. Ihre Erklärung ist fadenscheinig: Gescheitert sei dies an den „sehr unterschiedlichen Wegen der Umsetzung“. Im neuen Koalitionsvertrag fehlt das Vorhaben nun gänzlich – ein Armutszeugnis für die Frauenpolitik der neuen GroKo.

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