HormongifteHormongifte gefährden Gesundheit und Umwelt

Bunte Gummistiefel
Stoffe wie BPA oder Phthalate sind gesundheitsschädlich. Gummistiefel umschließen die Füße und daher ist es wichtig, dass sie frei von Hormongiften sind.

Hormongifte (endokrine Disruptoren) sind laut Weltgesundheitsorganisation eine „globale Bedrohung“ für Gesundheit und Umwelt. Am 4. Juli haben die EU-Mitgliedstaaten Kriterien zur Identifizierung dieser Stoffe beschlossen. Im Vorfeld der Abstimmung hatten grüne Abgeordnete von der Bundesregierung ein NEIN zur untauglichen Vorlage gefordert.

Hormongifte stecken in vielen Alltagsprodukten wie Kosmetika und Spielzeug und gelangen über Pestizidrückstände auch in Lebensmittel. Viele Wissenschaftler halten inzwischen einen Zusammenhang mit vielfältigen Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit, Stoffwechselerkrankungen, Prostata-und Brustkrebs sowie Diabetes für erwiesen.

EU-Kommission verharmlost Gefahr von Hormongiften

Am 4. Juli wurde in Brüssel im ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel über die Kriterien zur Identifizierung dieser endokrinen Disruptoren abgestimmt. Damit legt die Mehrheit der EU-Regierungen aber die Hürden so extrem hoch, dass wahrscheinlich kaum eine dieser Substanzen als Hormongift eingestuft werden dürfte. Selbst wenn die Gefährlichkeit vieler Stoffe grundsätzlich erwiesen ist, bleiben sie weiter in der Anwendung. Damit bleiben Mensch und Umwelt auch zukünftig weitestgehend ungeschützt.

Damit nicht genug: Pestizidwirkstoffe, die auf das Hormonsystem von Schädlingen zielen, sollen sogar automatisch nicht mehr als Hormongifte gelten – auch dann, wenn sie Bienen und anderen Nützlingen schaden. Damit wird das bisherige EU-Recht ausgehebelt, wonach besonders gefährliche Pestizidwirkstoffe bislang keine Zulassung mehr bekommen.

Deutschland trägt Mitverantwortung für Schutzversagen

Die Bundesregierung hat dem Vorschlag zugestimmt und trägt so Mitverantwortung für das Versagen, Mensch und Umwelt entsprechend dem Vorsorgeprinzip wirksam zu schützen.

Noch Ende November hatte Bundesumweltministerin Hendricks gefordert, dass Kriterien für so ausgestaltet sein müssen, „dass Mensch und Umwelt effektiv vor solchen Stoffen geschützt werden“ und „das Vorsorgeprinzip zur Geltung“ kommt. Die Position ihres Hauses zum Vorschlag der EU-Kommission werde davon „maßgeblich bestimmt sein, ob durch ihn ein echter Gewinn für den Schutz der Umwelt vor endokrin schädigenden Stoffen erreicht wird oder nicht.“

Heute ist offensichtlich, dass diese Forderungen nicht erfüllt sind und die Ministerin ihr Versprechen gebrochen hat.

Die grünen Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch, Harald Ebner und Peter Meiwald hatten von Ministerin Hendricks in einem Offenen Brief ein Nein Deutschlands zum untauglichen Vorschlag und eine deutliche Nachbesserung gefordert. Das wäre nötig gewesen, um diese Stoffe möglichst zügig und umfassend aus dem Verkehr zu ziehen.

Hormongifte gefährden Gesundheit und Umwelt in Europa. Jetzt ist das Europäische Parlament aufgefordert, den untauglichen Vorschlag von Kommission und Rat zurückzuweisen und für Nachbesserungen zu sorgen, die der Bedrohung durch diese Stoffe gerecht werden.

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