PatientenberatungKahlschlag bei der Patientenberatung

Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) ist heute kaum mehr als ein anonymes Callcenter.

Seit Beginn des Jahres 2016 wird die Unabhängige Patientenberatung mit Unterstützung der Bundesregierung von einer Tochter der Firma Sanvartis betrieben. Wir wollten von der Bundesregierung in einer Kleinen Anfrage unter anderem wissen, wie sich seither die Beratungsqualität und die Beratungsstrukturen verändert haben. Die Antwort zeigt nun: Sanvartis hat die Unabhängige Patientenberatung (UPD) in ein anonymes Callcenter verwandelt. Trotz gestiegener finanzieller Mittel ist der Anteil der Beratungen vor Ort auf fast ein Drittel gesunken. Dafür tragen die Bundesregierung und speziell der Patientenbeauftragte die politische Verantwortung.

Weniger Personal vor Ort

Die vor 2016 tätige UPD hatte im ganzen Bundesgebiet 21 feste Büros eingerichtet, an die sich die Patientinnen und Patienten mit ihren Problemen wenden konnten. Sie erhielten dort im persönlichen Gespräch Rat und Unterstützung, zum Beispiel bei möglichen Behandlungsfehlern, bei fragwürdigen Entscheidungen von Krankenkassen oder bei Fragen zu anderen Gesundheitsthemen.

Zwar wurde seit 2016 auf den ersten Blick die Zahl der Regionalstellen erhöht. Dies sind aber keine Büros mit regelmäßigen Öffnungszeiten. Termine sind nur auf Anfrage möglich. Für diese 30 Regionalstellen werden nach Auskunft der Bundesregierung nur noch etwa 12 sogenannte Vollzeitäquivalente (Personen in Vollzeit) zuständig sein. Das heißt, eine Mitarbeiterin beziehungsweise ein Mitarbeiter muss allein gleich mehrere Regionalstellen und somit ein sehr großes Gebiet betreuen.

Kaum noch persönliche Beratung

Die geringe Zahl der in den Regionen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat aber die Konsequenz, dass nur sehr wenige Beratungen möglich sind. Patientinnen und Patienten, die sich nicht an ein anonymes Callcenter wenden wollen, fällt es somit immer schwerer eine individuelle Beratung zu erhalten. Unsere Kleine Anfrage zeigt nun ganz konkret: Derzeit finden nur noch 2,5 Beratungsgespräche im Monat in den jeweiligen Regionalstellen statt.

Die Bundesregierung hat auf zahlreiche unserer Fragen nicht oder nur ausweichend geantwortet. Es soll wohl nicht sichtbar werden, welchen Kahlschlag sie bei der Unabhängigen Patientenberatung mit zu verantworten hat.

Nach dem intransparenten Verfahren bei der Auswahl der neuen UPD und der faktischen Privatisierung wird nun abermals deutlich, welchen Stellenwert die Bundesregierung einer unabhängigen und bedarfsgerechten Patientenberatung beimisst: keine.

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