SuizidpräventionMehr Unterstützung für neuen Lebensmut

Werbematerial der Aktion Lebensretter - Suizidprävention

Jährlich nehmen sich in Deutschland etwa 10.000 Menschen das Leben. Durch Suizid sterben mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, HIV/AIDS und Gewalttaten zusammen. Zudem unternehmen jährlich mehr als 100.000 Menschen einen Suizidversuch. Etwa jeder dritte Selbstmord wird von einem Menschen über 65 Jahren verübt. Fehlende Sozialkontakte und Einsamkeit, aber auch Altersarmut und das Gefühl, zur Last zu fallen, werden als Gründe für Alterssuizide genannt.

Menschen in Notlagen helfen

Wir Grüne im Bundestag wollen Menschen in Notlagen helfen. Unsere Bundestagsfraktion setzt sich für mehr Unterstützung von Menschen in Krisensituationen ein. Mit Union und SPD haben wir deshalb einen gemeinsamen Antrag erarbeitet und im Bundestag beschlossen, der eine verbesserte Suizidprävention zum Ziel hat. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Thema Suizid eignet sich nicht für den politischen Parteienstreit, sondern erfordert gemeinsame Anstrengungen.

Bereits 2015 hatten wir die Bundesregierung in einem eigenen Antrag aufgefordert, die Empfehlungen, unter anderem aus dem nationalen Suizidpräventionsprogramm, umzusetzen.

Suizidgefahr früh erkennen

Suizidgedanken werden häufig nicht rechtzeitig erkannt. Betroffene haben Angst vor Stigmatisierung, dem Verlust sozialer Kontakte und Zwangsbehandlungen. Angehörige haben Angst, dass ihre Fragen zum Suizid ermuntern könnten. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass jedeR weiß, was man tun muss und wohin man sich wenden kann. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, gemeinsam mit Bundesländern und Kommunen eine Aufklärungskampagne zu starten, damit Bürgerinnen und Bürger ein Bewusstsein für das Thema entwickeln, Hilfsangebote kennenlernen und Vorurteile abbauen können.

Aus Studien ist bekannt, dass Menschen vor einem Suizid viel häufiger als üblich einen Arzt aufsuchen, der Wunsch zu sterben dort aber nicht erkannt wird. Also müssen auch alle Gesundheits- und Sozialberufe besser darin geschult werden, Selbstmordgedanken frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.

Prävention verbessern

Aufgabe der Politik ist es, für bessere Lebensbedingungen zu sorgen und dort, wo Menschen leben, lernen und arbeiten, krisenbefördernde Bedingungen abzubauen – etwa indem der Vereinsamung älterer Menschen entgegengewirkt oder die Palliativversorgung gestärkt wird.

Um spontanen Suiziden von Menschen in akuten psychischen Krisen entgegenzuwirken, fordern wir, den Zugang zu Suizidmitteln und -orten zu reduzieren, indem etwa der Zugang zu schussfähigen Waffen beschränkt oder die Packungsgrößen von bestimmten Arzneimitteln verkleinert werden. Orte, an denen besonders oft ein Suizid unternommen wird (zum Beispiel ungesicherte Brücken, Hochhäuser), sollen identifiziert werden, um Maßnahmen zur Prävention ergreifen zu können.

Perspektive und neuen Lebensmut geben

Beratung und Unterstützung in Krisen können Perspektiven schaffen und den Lebensmut stärken. Darum sollen ambulante Krisendienste ausgebaut und auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger zugeschnitten werden.

Wer psychotherapeutische Hilfe benötigt, soll diese schnellst möglich erhalten. Menschen in Krisen sollen nicht auf einen Therapieplatz warten oder gar die Kosten für eine Behandlung vorstrecken müssen. Notwendig ist eine grundlegende neue Bedarfsplanung für Psychotherapeuten. Bestehende Angebote müssen überdies flexibler werden, damit sich beispielsweise ältere Menschen auch in den eigenen vier Wänden psychotherapeutisch behandeln lassen können.

Insbesondere bei Menschen in psychischen Krisensituationen ist der Wunsch tot zu sein meist kein Ausdruck von Freiheit oder Wahlmöglichkeit, sondern gedanklicher Einengung. Sterbewunsch und Lebenswille sind dann oft wechselhaft. Diese Menschen sollen neuen Lebensmut fassen können. Beratung und Unterstützung in Krisen ermöglichen Alternativen zum Suizid aufzuzeigen, können neue Perspektiven und Hoffnung geben. Festzuhalten ist aber auch, dass der Wunsch zu sterben nicht in jedem Fall als behandlungsbedürftiges Krankheitssymptom definiert werden kann. Nicht alles ist mit palliativmedizinischer oder psychotherapeutischer Versorgung zu "heilen". So kann am Ende auch die bewusste Entscheidung eines Menschen stehen, selbstbestimmt sein/ihr Leben zu beenden und Beihilfe zum Suizid erhalten zu wollen. Das respektieren wir.

Angehörige unterstützen

Auch die Angehörigen benötigen Hilfe, um die Trauer, den Verlust oder Schuldgefühle zu verarbeiten. Die Unterstützung finden sie vor allem bei Vereinen und Organisationen, die insbesondere von freiwillig Tätigen getragen werden. Damit Krisendienste und Selbsthilfegruppen ihrer verantwortungsvollen Arbeit nachkommen können, müssen sie dauerhaft und stärker finanziell unterstützt werden.

Schließlich ist die Erforschung von Suizidalität eine wichtige Aufgabe: Gesundheitliche, ökonomische, kulturelle, soziale und moralische Einflüsse stehen hierbei in komplexer Wechselwirkung. Die Datenlage muss verbessert werden, um aus den Ergebnissen sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln, diese zu evaluieren und für eine Qualitätssicherung zu sorgen.

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