GesundheitsversorgungPerspektiven kommunaler Gesundheitslandschaften

Fachgespräch zur kommunalen Gesundheitsvorsorge. Von links nach rechts: Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule für Gesundheit Bochum), Dr. Almut Satrapa-Schill (Kuratorium Deutsche Altershilfe), Kordula Schulz-Asche MdB, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft, Dr. Albrecht Kloepfer (Büro für gesundheitspolitische Kommunikation, Prof.Dr. Klaus Jacobs (wissenschaftliches Institut der AOK),Maria Klein-Schmeink MdB, Sprecherin für Gesundheitspolitik, Elisabeth Scharfenberg MdB, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik

Seite 4: Perspektiven aus der Praxis

Dass schon heute erfolgreiche Projekte etabliert wurden, die Gesundheit vor Ort realisieren, belegten die Referentin und Referenten der drei Praxisbeispiele.

Thomas Reumann, Landrat von Reutlingen, stellte die Gesundheitskonferenz Landkreis Reutlingen vor. Der Versorgungsbedarf müsse auf kommunaler Ebene herauskristallisiert werden. Themengruppen erarbeiten Handlungsempfehlungen für bestimmte Versorgungsbereiche. Es ginge darum, die Felder systematisch zu erfassen, die von einem Bereich betroffen seien und einbezogen werden müssten. Die Gesundheitskonferenz Reutlingen hat ihre Arbeitsschwerpunkte in der Versorgungsplanung, der hausärztlichen Versorgung und der Gesundheitsförderung „gesunde Gemeinden“. Landrat Reumann verdeutlichte jedoch ebenso, dass die Finanzierungsfrage Hürden berge. Strukturveränderungen seien nötig, denn die sektorale Splitterung der Finanzierung sei der Gestaltung von Gesundheitslandschaften hinderlich.

Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., präsentierte die Gesundheitsregionen Niedersachsen. Die kommunale Ebene wisse am besten Bescheid, wo der Schuh drücke. Mit nur wenig finanziellen Fördermitteln würde den Kommunen ein Anreiz gesetzt werden, etwas zu bewegen. Ziel seien die demographiefeste und wohnortnahe Gesundheitsversorgung, die Steuerungs- und Koordinierungsübernahme durch die Kommune, die Förderung der Partizipation der Gesundheitsakteure und die Entwicklung von Handlungskonzepten. Es zeige sich eine hohe Bereitschaft vor Ort, Lösungen zu finden. Die Kommunen würden ein Bewusstsein bilden und sich kümmern, die Gesundheitsberufe sich kennenlernen und vernetzen. Die Gesundheitskonferenzen seien Motor für diese Entwicklungen. Es gehe schlicht weg darum, den Bedarf zu ermitteln und Lösungen zu finden, die nicht immer neu und innovativ sein müssten. Die Modelle müssten aber direkt auf die Bedürfnisse der Kommunen zugeschnitten seien.

Regine Clement, Hochsauerlandkreis, gab Einblicke in das Projekt „ambulant vor stationär“. Sie zeigte, dass sich Projekte an der Lebensrealität der Menschen ausrichten sollten. Ziel sei es, mit dem Projekt den Auftrag ambulant vor stationär sicherzustellen sowie die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen zu verbessern. Die Beratung sei trägerunabhängig, verbindlich und neutral mit dem Ziel, dass die Klientinnen und Klienten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben könnten. Gemessen an dem Gesundheitszustand und Unterstützungsbedarf würden die Klientinnen und Klienten begleitet und kontinuierlich beraten. So könnten Bürgerinnen und Bürger beispielsweise länger zu Hause leben, indem schlicht und einfach eine Waschmaschine gekauft werde. Neben Einsparungen zeichne sich das Projekt vor allem durch die hohe Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden aus.

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