ApothekenPreisbindung für Arzneimittel gekippt

Verschiedene Medikamente ohne Verpackung
Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs können ausländische Versandapotheken Arzneimittel billiger verkaufen als die heimische Apotheke um die Ecke. In der Union werden schon Stimmen laut den Arzneimittel-Versandhandel zu verbieten. Jetzt ist die Bundesregierung in der Pflicht, die nötigen Schlüsse aus dem EUGH-Urteil zu ziehen.

Bislang gelten für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland einheitliche Preise. Der Europäische Gerichtshof (EUGH) hat nun in einem Urteil entschieden, dass die deutsche Preisbindung für Arzneimittel nicht für ausländische Versandapotheken gilt. Damit hat er den deutschen Apothekenmarkt kräftig durcheinandergewirbelt.

Was bedeutet das Urteil?

Zunächst einmal können damit ausländische Versandapotheken Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren. Sie sind damit billiger als die Apotheke um die Ecke. Das setzt aber wiederum die geltende Preisbindung für heimische Apotheken unter Druck. Langfristig ist also offen, ob die bestehende Festschreibung der Preise in Deutschland erhalten bleiben kann.

Kein Verbot der Versandapotheken

Aus den Reihen der Union kamen sogleich Forderungen, den Versandhandel zu verbieten. Das sehen wir kritisch. Versandapotheken bedienen, wie auch Apotheken, bestehende Verbraucherinteressen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung.

Die Bundesregierung ist jetzt in der Pflicht, die nötigen Schlüsse aus dem Urteil des EUGH zu ziehen. Es muss sichergestellt sein, dass die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten nicht eingeschränkt wird. Zugleich muss die bedarfsgerechte Versorgung mit Medikamenten weiter gewährleistet bleiben.

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3 Kommentare
Verbot Versandhandel für Rezepte ist falsch!
Schmidt 29.10.2016

Auf dem Lande gibt es schon jetzt zu wenig Ärzte und Apotheken. Da hilft der Versandhandel - sogar mit guter telefonischer Beratung am Wochenende.

Günstige Preise zu verbieten ist falsch und grundgesetzwidrig. Die Preisbindung muss aufgehoben werden.
Preisbindung hilft nur der Pharmaindustrie und den Apotheken. Will man ländliche Apotheken fördern, kann man einen Beratungszuschlag oder auf dem Lande höhere Preise zahlen.

Einheitliche Preise sind Verbraucherschutz, erhalten Jobs und Steuern!
Roeder 16.11.2016

Das Aufheben der Preisbindung bedeutet zunächst, dass Apotheken, die ausländischen Kapitalgesellschaften gehören, den Bestellern Rabatte gewähren können. Für ein Kassenrezept stünde aber nicht dem Kunden, sondern der Krankenkasse ein Rabatt zu. Steuern werden diese Gesellschaften in Deutschland nicht bezahlen.
Die Aufhebung der Preisbindung bedeutet, dass auch höhere Preise verlangt werden können. Der Patient muss einen Preisvergleich anstellen. Die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel soll den Patienten vor überhöhten Preisen schützen (Akutversorgung, Notdienst, Lieferengpässe, nur ein lokaler Anbieter). Wollen wir auch die Arzneimittelversorgung neoliberalisieren?

Abbau von Bürger*nähe
Rodiger 22.11.2016

Aufhebung der Preisbindung bedeutet soziale Spaltung.Nach Kaufkraft und Rentabilität gewichtete Gesundheitsversorgung führt zur Ausgliederung breiter Schichten aus menschengemässer Versorgung.Wer sich nur nach Opportunität und Ertrag richten muss, braucht auf Gemeinwohl nur solange Rücksicht nehmen, bis er der alleinige Versorger ist.
In USA sind bereits Verträge von Krankenkassen mit bestimmten Apotheken Realität.Keine Wahlfreiheit und Pech für die, die woanders leben oder akute Probleme haben.
Freie Preise schaffen in gemeinwohlorientierten , sozial orientierten Bereichen ein nicht tragbares Gefälle.Der Patient als Melkvieh.Kann das grünes Ziel sein?

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