ApothekenProbleme der Arzneimittelversorgung

Seite 4: Keine Belege für „Apothekensterben“ durch Versandhandel

Der Generalsekretär der Monopolkommission Klaus Holthoff-Frank wandte sich in seinem Vortrag gegen ein Verbot des Versandhandels. Für ein Apothekensterben, ausgelöst durch den Versandhandel, fehlten die Belege. Es gebe längst Wettbewerb zwischen Apotheken, dieser laufe aber vor allem über die Lage, die Öffnungszeiten und den Umfang des Arzneimittelsortiments. Apotheken siedeln sich dort an, wo die Anzahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte hoch und die Erreichbarkeit besonders gut sei. Im Ergebnis gäbe es in den Fußgängerzonen der Innenstädte viele, in ländlichen Räumen hingegen wenige Apotheken. Er sprach sich für einen „sanften Preiswettbewerb“ bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus, wie ihn die Monopolkommission bereits 2010 vorgeschlagen habe. Danach würde die vorgeschriebene Zuzahlung der gesetzlich Versicherten, der geltende packungsabhängige Aufschlag von drei Prozent und die Pauschale von 8,51 Euro wegfallen. Im Gegenzug würden die Apotheken eine von ihnen selbst festzulegende Servicepauschale erheben, gegebenenfalls verbunden mit einer Obergrenze. Diese Pauschale müsse von den „Endkunden“ bezahlt werden. Die Krankenkassen würden den Apotheken den Einkaufspreis der Arzneimittel erstatten. Eine Freigabe der Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel sei nicht zu empfehlen. Mit dem Vorschlag der Monopolkommission werde insgesamt Preiswettbewerb ermöglicht, Anreize für Qualitätswettbewerb blieben erhalten. Die Patientinnen und Patienten würden profitieren, da sie verschreibungspflichtige Arzneimittel ggf. günstiger erwerben könnten. Apotheken auf dem Land könnten attraktiver werden, da es dort weniger Wettbewerb gäbe und daher höhere Servicepauschalen durchgesetzt werden könnten. Holthoff-Frank räumte ein, dass sein Vorschlag bei zuzahlungsbefreiten Versicherten und bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne Zuzahlungen noch Probleme aufwerfe. Medikamente seien außerdem keine normalen Konsumgüter, der Gesetzgeber müsse den Handel regulieren. Das Problem, dass einige Landapotheken einen unterdurchschnittlichen Umsatz haben, müsse gelöst werden. Ein Verbot des Versandhandels ändere daran nichts.

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1 Kommentar
Servicepauschale vs. Sparfüchse
Alexander Bähr 02.01.2017

Man darf wohl davon ausgehen, dass die diskutierte Servicepauschale im Versand Null sein wird. Damit stößt man den Kunden mit der Nase darauf, dass und wie viel er mehr bezahlt als nötig. Das wird noch mehr Leute dazu bewegen, den gesamten planbaren Medikamentenbdarf im Versand zu kaufen.

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