ApothekenProbleme der Arzneimittelversorgung

Seite 6: Der Versandhändler: Neues Vergütungssystem für Apotheken

Die niederländische Versandapotheke Doc Morris hatte als Beklagte im Verfahren vor dem EuGH gewonnen. Deren Vorstand Max Müller argumentierte, es gäbe ein strukturelles Problem in ländlichen Räumen. Vor allem die zurückgehende Zahl der Ärztinnen und Ärzte bringe wirtschaftliche Schwierigkeiten für Apotheken. Man brauche daher neue Lösungen statt „Verbotsdiskussionen“. Zwischen dem Rückgang der Apotheken und dem Versandhandel gäbe es keine Kausalbeziehungen. Hingegen gäbe es einen Zusammenhang zwischen den lukrativen Rezepten und der Zahl der Ärztinnen und Ärzte. Der Versandhandel sei als Ergänzung gedacht für bestimmte Patientinnen und Patienten. Diese seien mündig genug, sich selbst für eine Apotheke ihrer Wahl zu entscheiden. Das jetzige Preissystem setze Anreize für Apotheken, in die Stadt zu gehen. Daher sei ein neues Preissystem nötig, um das „strukturelle Gefälle“ zwischen Stadt und Land zu beheben. Ein Versandhandelsverbot mache nichts besser, aber vieles schlechter. Müller verwies auf einen Vorschlag der schwarz-roten Bundesregierung aus dem Jahr 2007, der bereits flexible Preise bzw. eine Höchstpreisregelung enthielt. Die Regelung sei aber auch auf Druck der Apotheker nicht beschlossen worden. Ausländische Versandapotheken seien bislang gegenüber deutschen Apotheken nicht bevorteilt. Sie kaufen die Arzneimittel im deutschen Großhandel und müssen die gleichen Umsatzsteuern zahlen wie auch einheimische Apotheken.

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