FlüchtlingeTraumabehandlung für Flüchtlinge und Asylsuchende

Eine Asylbewerberin im Wohnheim der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt

Bereits bei ihrer Ankunft leiden 40% aller Flüchtlinge unter Traumafolgestörungen der Flucht und den Erlebnissen in ihrer Heimat. Besonders betroffen sind Frauen und Kinder. Sie erleben Todesängste, oft monatelangen Hunger und Durst. Insbesondere Kinder können oft nicht verstehen, was um sie herum passiert. Und sie können sich erst Recht nicht für oder gegen das vollbeladene Flüchtlingsschiff oder die Überfahrt im LKW entscheiden, sondern sind einfach dabei. Dazu kommen dann in den Erstaufnahmeeinrichtungen oft noch weiter krankheitsfördernde Bedingungen.

Hilfe gibt es nur im Einzelfall

Menschen, die in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, haben nur sehr beschränkten Anspruch auf ärztliche Hilfe. Die dringend benötigte Behandlung erhalten traumatisierte oder psychisch kranke Flüchtlinge in Deutschland nur im Einzelfall. Grund hierfür ist zunächst die Minimalversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG), das Asylsuchende und Geduldete in der Regel von einer psychotherapeutischen Versorgung ausschließt. Die Versorgung bei psychischen Erkrankungen verbessert sich jedoch kaum mit dem Zugang zu Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GVK). Denn die Krankenkassen finanzieren keine Dolmetschereinsätze, die bei Flüchtlingen aber fast immer notwendig sind, weil muttersprachliche Therapieangebote kaum zur Verfügung stehen.

Die niedrigschwelligen psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer können der Nachfrage allein nicht gerecht werden.

Mit unserem Antrag wollen wir erreichen, dass alle in Deutschland lebenden Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus eine würdige gesundheitliche und auch psychotherapeutische sowie psychosoziale Versorgung erhalten. Dafür müssen strukturelle Benachteiligungen nach dem AsylbLG beseitigt, Flüchtlingen von Anfang an eine Gesundheitskarte gestellt werden, die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung für diese zugänglich macht.

Versorgungsangebot ausbauen

Besonders wichtig ist, dass die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer jetzt ganz rasch aber auch langfristig verlässlich finanziert werden und damit für die Menschen erreichbar bleiben. Gleichzeitig werden mehr dieser Zentren gebraucht. Und es braucht natürlich auch mehr Psychotherapeutinnen und -therapeuten zur Behandlung traumatisierter Flüchtlinge. Wir schlagen deshalb vor, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die nicht zur Behandlung gesetzlich Versicherter zugelassen sind, zur Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen zu ermächtigen und Sonderbedarfszulassungen für fremdsprachige Psychotherapeutinnen und –therapeuten zu ermöglichen, um das Versorgungsangebot für die große Anzahl an zu erwartenden Flüchtlingen auszubauen.

Dolmetscher als Teil der Behandlung

Schließlich ist es notwendig, Dolmetschereinsätze in den Leistungskatalog der GKV aufzunehmen. Denn Menschen können nur dann adäquat aufgeklärt, diagnostiziert und behandelt werden, wenn sie sich mit der Ärztin bzw. dem Arzt oder der Psychotherapeutin bzw. dem Psychotherapeuten sprachlich verständigen können. Da für die große Mehrheit der Flüchtlingsgruppen in Deutschland keine bzw. nicht ausreichend muttersprachliche Therapieplätze verfügbar sind und absehbar nicht sein werden, fordern wir, dass die Kosten für die Sprachvermittlung durch qualifizierte Dolmetscherinnen und Dolmetscher als Teil der Krankenbehandlung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Eine professionelle Sprachvermittlung entlastet zugleich Kinder von Flüchtlingen, die häufig für ihre Eltern dolmetschen, weil sie die Einzigen oder Ersten in einer Familie sind, die durch die Schulpflicht Deutsch lernen.

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