BürgerversicherungZwei-Klassen Medizin im Wartezimmer

Gesetzlich Versicherte (GKV) müssen nach wie vor länger auf einen Termin beim Facharzt warten als privat Versicherte (PKV). Dies belegen mehrere Untersuchungen, die grüne Abgeordnete vor und nach Einführung der Terminservicestellen durchgeführt haben. Daran haben auch die von der großen Koalition eingeführten so genannten „Terminservicestellen“ nichts geändert.

Ungleichbehandlung ist stärker geworden

Die Untersuchungen in NRW, Hessen und Baden-Württemberg zeigen: Die Ungleichbehandlung gesetzlich Versicherter hat trotz Terminservicestellen sogar noch zugenommen. Mussten gesetzlich Versicherte zuvor im Durchschnitt rund 20 Tage länger warten, sind es aktuell sogar 24 bis 27 Tage. Gravierend ist: Bei den Testanrufen wurden auch akut erscheinende Probleme wie plötzlich auftretende Sehprobleme, Rückenschmerzen oder starker Hautausschlag angegeben. Dennoch wurden den gesetzlich Versicherten keine früheren Termine angeboten.

Trauriger Rekord war ein Arzt aus Bonn, der einem GKV-Patienten einen Termin nach 365 Tagen angeboten hatte, als privat Versicherter war ein Termin schon nach sieben Tagen möglich. Ein Arzt aus Paderborn bot einen Termin nach 268 Tagen, ein privat Versicherter konnte am selben Tag kommen. Ein Arzt in Fulda bot GKV-Versicherten einen Termin nach 224 Tagen an, einem PKV-Versicherten nach sieben Tagen. Ein Arzt in Freiburg offerierte einem GKV-Versicherten einen Termin nach 209 Tagen, dem PKV-Versicherten hingegen schon am nächsten Tag.

Für privat versicherte Patienten gibt es mehr Honorar

Die Hauptursache für die Benachteiligung gesetzlich Versicherter im Wartezimmer hat die große Koalition mit den Terminservicestellen nicht behoben: die unterschiedliche Honorarhöhe in der GKV und in der PKV. So können Arztpraxen für die Behandlung privat Versicherter etwa das Zwei- bis Dreifache des Honorars für gesetzlich Versicherte abrechnen.

Diese Unterschiede in der Bezahlung wirken sich nicht nur auf die Terminvergabe aus. Sie führen nachweislich auch dazu, dass sich Fachärztinnen und Fachärzte lieber dort niederlassen, wo viele privat Versicherte wohnen.

Bürgerversicherung: Klasse Medizin für alle

Diese Zwei-Klassen Medizin wollen wir beenden. Durch die Weiterentwicklung der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung zur Bürgerversicherung wird ein gemeinsames Honorarsystem geschaffen. Damit entfallen die Anreize, Patientinnen und Patienten je nach Versicherungsstatus anders zu behandeln.

Für die Versorgung soll durch ein gemeinsames Honorarsystem kein Geld verloren gehen. Wir werden die heute in GKV und PKV zur Verfügung stehende Honorarsumme erhalten und gerechter verteilen.

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1 Kommentar
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Andreas Becket 18.09.2017

Wie schön sich das doch anhörte. Tatsächlich gibt es in Deutschland ca. 65 Mio. Menschen, die noch nie eine Arztrechnung gesehen haben, die Kassenärztin Vereinigung nicht kennen und auch nicht wissen wie das verteilen und das bezahlen funktioniert. Das da jetzt alle rein sollen, und das ganze von Politikern gesteuert wird, macht keinen Sinn. Wann bekommt ein Arzt von wem Wofür sein Geld. Das ist in dem System völlig unklar. Richtig wäre ein echte Wahl , d.h. die Arbeitgeber leisten den Zuschuss unmittelbar an den Arbeitnehmer und der kann sich frei entscheiden, welchen Mindestversicherungsschutz er abschließen will. Das würde auch schnell zu kurzen Wartezeiten führen

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