NachwuchsprogrammFlaschenhals weite dich!

Eine Biochemikerin arbeitet mit dem hochmodernen Elektronenmikroskop am Zentrum für Innovationskompetenz in einem Labor der Martin Luther Universität in Halle/Saale.
Innovationen werden von Forscherinnen und Forschern gemacht. Sie sind unser stärkstes Pfund. Sie brauchen ein gutes Arbeitsumfeld und verlässliche Verträge. Dazu reicht das Tenure-Track-Programm nicht.

Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler bestimmen die Qualität des Wissenschaftssystems von morgen. Die Verbesserung ihrer unsicheren Perspektiven, im Beruf und damit auch im Leben, ist ein Kernanliegen grüner Wissenschaftspolitik. Wir wollen, dass sie mit Sicherheit gut forschen können.

Am 21. September 2017 gab die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) bekannt, welche Hochschulen beim neuen Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich waren: 468 zusätzliche Tenure-Track-Professuren (Chance auf unbefristete Beschäftigung) werden nun in der ersten Bewilligungsrunde von Bund und Ländern gefördert.

Die zusätzlichen Tenure-Track-Professuren weiten den schmalen Flaschenhals für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zwar ein wenig. Sie allein werden aber die schwierige Beschäftigungssituation des wissenschaftlichen Nachwuchses mit unklaren Karriereperspektiven und wenig Planbarkeit nicht auflösen.

Grüne Initiativen

In der zurückliegenden Legislaturperiode hat sich die grüne Bundestagfraktion kontinuierlich für bessere Perspektiven eingesetzt. So haben wir unter anderem Vorschläge in den Bundestag eingebracht, um die Situation des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen zu verbessern:

  • Über den Hochschulpakt, der erhöht und verstetigt werden muss und so mehr Beschäftigungsverhältnisse im Bereich der Lehre ermöglichen könnte.
  • Über ein Bund-Länder-Programm für 10.000 zusätzliche Nachwuchsstellen mit Tenure-Track-Chance.
  • Über eine echte Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes mit u.a. Mindestvertragslaufzeiten und verbindlicher Familienkomponente.

Außerdem setzen wir uns für bessere Karrierechancen für Wissenschaftlerinnen ein. Dafür wollten wir z.B. das Professorinnen-Programm noch in dieser Legislaturperiode fortsetzen und ein analoges Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen ins Auge fassen.

Die große Koalition hat alle diese Vorschläge abgelehnt. Entsprechend bleiben die Herausforderungen groß.

Grundfinanzierung der Hochschulen endlich anpacken

Der Impuls durch das neue Tenure-Track-Programm verbessert die Struktur der Beschäftigungsmöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen. Nachhaltige Verbesserungen sind aber nur möglich, wenn gleichzeitig auch das Problem der mangelnden Grundfinanzierung der Hochschulen angepackt würde. Aus unserer Sicht muss die Grundfinanzierung der Hochschulen nachhaltig und verlässlich erhöht werden. Unserer Auffassung nach ist das die zentrale Aufgabe im Bereich der Wissenschaftspolitik.

Dazu müssen zügig Gespräche mit den Ländern stattfinden, wie die im Lauf der nächsten Wahlperiode auslaufenden Pakte – vom Hochschulpakt, über den Pakt für Forschung und Innovation, den Qualitätspakt Lehre, die Qualitätsoffensive Lehrerbildung u.a. – sinnvoll weitergeführt werden können. Dazu müsste zuerst Art. 91b GG wirklich geöffnet werden, so dass Bund und Länder umfassend und sinnvoll kooperieren können. Die derzeitige „halboffene“ Fassung mit ihrer Einschränkung auf „Fälle überregionaler Bedeutung“ und eine einstimmige Zustimmung der Länder halten wir für zu eng.

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