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HochschulpaktNeue Dynamik für die Hochschulfinanzierung

Studenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sitzen während einer Veranstaltung auf einer Treppe in einem Hörsaalgebäude.

Lange Warteschlangen vor den Immatrikulationsbüros, Seminarräume und Hörsäle übervoll und Bibliotheken nicht selten bis auf den letzten Platz belegt - diese Bilder prägen zunehmend den Semesterstart an deutschen Hochschulen, denn immer mehr junge Menschen zieht es an die Uni.

Mittlerweile nimmt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs ein Studium auf. Das ist eine gute Nachricht, denn wir finden: Wer lernen will, muss das auch dürfen. Und Bildung kann man schließlich nicht genug haben.  
Wegen der großen Nachfrage haben Bund und Länder in den vergangenen zehn Jahren bereits viel Geld in Hand genommen, um mehr Studienplätze an Universitäten und Fachhochschulen zu schaffen.

Über den Hochschulpakt hat auch der Bund einen tatkräftigen Beitrag geleistet, damit junge Menschen mit Studienwunsch nicht leer ausgehen. Dieser erfolgreiche Weg muss jetzt fortgesetzt und weiterentwickelt werden.

Neuer Hochschulpakt – mehr Spitze in der Breite

Derzeit verhandeln Bund und Länder über die Zukunft des Hochschulpakts, der 2020 ausläuft. Wir wollen, dass die Verhandlungen genutzt werden, um den Hochschulpakt aufzustocken und zu verstetigen. Pro Studienanfänger muss in Zukunft mehr Geld bereitgestellt werden.

Der bisherige Ansatz ist so kalkuliert, dass er nur in den Massenfächern die tatsächlichen Kosten abdeckt. Wer gute Lehre und beste Studienbedingungen für alle will, muss hier noch eine Schippe drauf legen. Die Hochschulen brauchen Planungssicherheit, um in gute Lehrqualität und Betreuung für das gesamte Studium zu investieren.

Mehr Mut bei den Verhandlungen

Damit Schwung in die Verhandlungen kommt, haben wir unsere Forderungen mit dem grünen Antrag Neue Dynamik für die Hochschulfinanzierung in den Bundestag eingebracht. Uns Grünen im Bundestag sind bei den Verhandlungen drei Ziele besonders wichtig.
Wir wollen

  • ausreichend Studienplätze
  • mehr Chancengerechtigkeit für Studierende
  • eine höhere Qualität in Studium und Lehre.

Ein Blick in die Hörsäle der Republik zeigt, dass trotz der Investitionen der vergangenen Jahre noch einiges zu tun ist, damit die Hochschulen in Deutschland endlich in der Breite spitze werden. Einen leibhaftigen Professor bekommen die Studierenden heute immer seltener zu Gesicht. Auf einen Uniprofessor kommen durchschnittlich 63 Studierende. Bei den Ingenieuren ist das Verhältnis 1 zu 90. Eine gute Betreuung der Studierenden ist so nicht machbar und deutsche Unis sind damit auch international nicht konkurrenzfähig.

Talent statt Elternhaus – Chancengerechtigkeit voranbringen

Düster sieht es auch bei der Chancengerechtigkeit aus. Aktuell beginnen von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 79 ein Studium. Von 100 Kindern aus nichtakademischen Elternhäusern schaffen gerade einmal 27 den Sprung an unsere Hochschulen. Wenn ihre Eltern studiert haben, haben Kinder also eine dreimal höhere Chance auf ein Studium als ein Kind aus einem Arbeiterhaushalt.

Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen, denn jeder kluge Kopf wird gebraucht und hat das Recht auf eine gute Ausbildung. Diese Talente wollen wir besser fördern.  

Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern

Nachholbedarf gibt es auch bei den Arbeitsbedingungen für das wissenschaftliche Personal. Unzählige engagierte NachwuchswissenschaftlerInnen leisten als Lehrbeauftragte heute sehr viel, bekommen dafür aber viel zu wenig. Noch immer gibt es jenseits der Professur kaum Chancen auf eine sichere berufliche Zukunft mit unbefristetem Arbeitsvertrag und fairer Bezahlung.

Ein neuer Hochschulpakt muss auch in diese Köpfe investieren, damit sich eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland lohnt und prekäre Arbeit auf dem Campus endlich der Vergangenheit angehört.  

Gute Hochschulen als Gemeinschaftsaufgabe  

Damit das gelingt, müssen Bund und Länder gemeinsam und dauerhaft in den Erhalt und Ausbau der Studienplätze investieren. Eine solide Grundfinanzierung der Hochschulen ist überfällig. Sie ist das Fundament für gute Studien- und Forschungsbedingungen.

Damit dieses Fundament in Zukunft nicht mehr bröckelt, wollen wir, dass der Hochschulpakt dynamisiert wird. Das heißt, nicht nur die außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen künftig Jahr für Jahr einen garantierten Aufwuchs von drei Prozent bekommen, sondern auch die Hochschulen. Das ist wichtig für alle Studierenden und Lehrenden im Land und sorgt für Planungssicherheit an den Hochschulen.

Erfolgsgeschichte fortsetzen

Der Hochschulpakt ist eine Erfolgsgeschichte. Er hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Zusammenarbeit von Bund und Ländern die Bildungsrepublik voranbringen kann. Jetzt darf die Bundesregierung nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Sie muss mehr Kooperation wagen und auch in Zukunft ihren angemessen Beitrag für gute Hochschulen quer durch die Republik leisten.

Klar ist: Hochschulen sind unverzichtbare Orte unserer Wissensgesellschaft. Sie sind Talentschmieden, Zukunftslabore und Horizontöffner. Damit sie das auch bleiben, muss die Bundesregierung mit Mut in die Verhandlungen zum Hochschulpakt gehen – für beste Studienbedingungen, mehr Chancengerechtigkeit und faire Arbeitsbedingungen auf jedem Campus.

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