ExzellenzinitiativeWarten auf Imboden-Bericht hat sich gelohnt

Der Campus Adlershof der Berliner Humboldt-Universität, Teil der Exzellenzinitiative

Das Warten auf den sogenannten Imboden-Bericht, der die Exzellenzinitiative mit den kritischen Augen internationaler Fachleute bewertet, hat sich gelohnt: Die internationale Expertenkommission gibt wertvolle und zielführende Empfehlungen für den Bauplan der nächsten Exzellenzinitiative. Diese müssen jetzt öffentlich, aber vor allem auch parlamentarisch ergebnisorientiert diskutieren werden.

Der Bericht liefert eine gute Grundlage, wie die nächste Exzellenz-Runde funktionieren und wirken soll. Wir Grüne im Bundestag begrüßen die Idee der Kommission, vollbrachte Leistungen mit einer Exzellenzprämie zu honorieren. Das würde die Universitäten davon befreien, sich im Antragsschreiben zu verausgaben. Es würde klarstellen, dass nicht allein das Planen, sondern das erfolgreiche Durchführen honoriert wird. Welche Kriterien genau berücksichtigt werden, um sich für die Exzellenzprämie zu qualifizieren, muss allerdings noch diskutiert werden.

Es ist vernünftig, dass die Kommission die Breite in der Spitze des deutschen Hochschulsystems erhalten will. In den ersten beiden Runden haben mehr als ein Dutzend Hochschulen ihre internationale Sichtbarkeit stärken können. Exzellenzförderung künftig auf zwei bis fünf Spitzenstandorte zu verengen wäre daher genauso falsch wie Exzellenzmittel mit der Gießkanne oder nach Himmelsrichtung zu vergeben. Eine künstliche Verengung auf nur drei oder vier Standorte würde dem deutschen Wissenschaftssystem viel von seiner Dynamik nehmen. Auch die längere Laufzeit ist gut für die Universitäten und die Cluster, sieben bis acht Jahre erscheinen angemessen.

Hochschulpolitik mit Weitblick wäre exzellent

Die Kommission hat sich nicht gescheut, auch die unangenehmen Erkenntnisse auszusprechen: Für den wissenschaftlichen Nachwuchs hat die Initiative keine strukturellen Verbesserungen gebracht. Zwar haben mehr junge Menschen die Chance auf eine Promotion oder eine Post-Doc-Stelle bekommen. Aber ihre beruflichen Perspektiven sind nicht verlässlicher geworden. Hier muss Bundesministerin Wanka endlich einen Vorschlag für eine Vereinbarung mit den Ländern auf den Tisch legen. Denn trotz Hochschulpakts ist der Betreuungsschlüssel in den letzten Jahren schlechter geworden. Es wurden nicht genug Professuren geschaffen. Neben der Fortsetzung des Exzellenzwettbewerbs für Spitzenforschung muss die Grundfinanzierung aller Hochschulen weiter gestärkt werden. Das ist eine wichtige Aufgabe der Länder und über den „Hochschulpakt 2020“ hinaus auch eine des Bundes, um unser Wissenschaftssystem in Gänze zukunftsfähig zu halten.

Die Exzellenzinitiative braucht eine kluge Balance aus Dynamik und Nachhaltigkeit. Das bedeutet: längere Laufzeit pro Förderperiode, klare Regeln und die Chance auf Ein- und Ausstieg aus der Förderung. Gute Ideen brauchen Zeit, daher ist eine Überbrückungsfinanzierung für die Geförderten der zweiten Runde unerlässlich. Das wäre in den Worten von Kommissions-Präsident Imboden ein „Befreiungsschlag“. Damit wäre der Zeitdruck aus dem Entscheidungsprozess heraus genommen und die jetzt geförderten Projekte erhielten eine Übergangsfrist, in der sie ihre Zukunft planen können. 2019 erscheint ein realistischer Zeitpunkt. Bund und Länder sollten sich da nicht sperren. Dieser Zeitgewinn eröffnet zugleich die Chance, die von der Imboden-Kommission skizzierte Neuaufstellung der Exzellenzförderung zu durchdenken und umzusetzen.

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