Atomkraft ist lebensgefährlich

Entgegen allen Behauptungen der Atomlobby: Atomkraft ist heute nicht sicherer als früher. Im Gegenteil: Je älter die Reaktoren, desto höher die Sicherheitsrisiken. Es sind vor allem altersschwache Atommeiler wie Biblis A und B, Neckarwestheim oder Brunsbüttel, die auf den deutschen Störfalllisten ganz oben stehen. Biblis A und B mussten Ende 2006 für viele Monate stillgelegt werden, nachdem bei einer Überprüfung der Einbau unsicherer Dübel entdeckt worden war. Das AKW Brunsbüttel stand nach einen Unfall und einer Panne beim Wiederanfahren seit Sommer 2007 still. Ganz nebenbei tauchte zudem ein Bericht über Mängel bei der Notstromversorgung für den Kühlkreislauf auf, der jahrelang in einer Schublade des zuständigen Landesministeriums schlummerte, ohne dass dies der Atomaufsicht des Bundes gemeldet worden wäre. Deutsche Atomkraftwerke werden immer maroder.

Störfall reiht sich an Störfall

Für die behauptete "neue Sicherheit" von Atomkraftwerken gibt es keinen Beleg. Für das Gegenteil schon: Die Beinahe-Katastrophe in Forsmark vom Sommer 2006 hat noch einmal deutlich gemacht, wie anfällig diese Technologie wirklich ist. Ohne das beherzte Handeln eines Mitarbeiters, wäre es im Reaktor wohl zu einer Kernschmelze gekommen.

Der Betreiber Vattenfall musste einräumen, dass die Sicherheitskultur in den letzten Jahren stark abgenommen hat. Das hätte auch in Deutschland fast zur Katastrophe geführt. So führte eine wahre Fehlerkaskade am 28.06.2006 zu einem Trafobrand im von Vattenfall betriebenen AKW Krümmel. Und fast gleichzeitig legten diverse Pannen das ebenfalls von Vattenfall betriebene AKW Brunsbüttel lahm. Die Öffentlichkeit wurde jeweils nur scheibchenweise informiert – der Konzern gab nicht mehr heraus als er zugeben musste. Dieses grobe Fehlverhalten scheint bei Vattenfall mehr die Regel als die Ausnahme zu sein.

Im Juni 2008 gab es den nächsten Atom-Zwischenfall, diesmal im slowenischen Krsko. Kühlwasser war aus dem Kreislauf getreten, normalerweise die erste Stufe zur Kernschmelze. Der Zwischenfall war so ernst, dass die EU-Kommission erstmals eine so genannte "Sofort-Meldung" herausgab. Offenbar rechnete die EU-Kommission mit dem Schlimmsten, denn die Meldung ist nur für den Fall vorgesehen, dass ein "schwerer Störfall" zu befürchten ist.

Ende Juni, Anfang Juli 2008 kam es binnen 72 Stunden in vier der acht spanischen AKWs zu Störfällen, wenige Tage später verstrahlten 30 Kubikmeter radioaktive Uranlösung aus dem französischen AKW Tricastin die Flüsse L'Auzon und La Gaffière.

Kein AKW ist sicher vor Terrorangriffen und Flugzeugabstürzen

Und es ist eine neue Gefahr hinzugekommen. Die für den Angriff auf das World-Trade-Center und das Pentagon vom 11. September 2001 verantwortlichen Terroristen hatten ursprünglich auch das AKW Indian Point – 40 Meilen südlich von Manhattan als Ziel erwogen. Terror-Anschläge auf Atomkraftwerke sind damit inzwischen eine reale Gefahr.

Das räumte auch die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion ein: "Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden des Bundes zum islamistischen Terrorismus ist seit den Anschlägen des 11. September 2001 davon auszugehen, dass Täter aus diesem Bereich nicht nur eine symbolische Wirkung ihrer Taten anstreben, sondern insbesondere versuchen, größtmögliche Personenschäden zu erzielen. Ein Anschlag auf kerntechnische Einrichtungen muss daher als mögliche Option angesehen und kann nicht völlig ausgeschlossen werden." (Drs. 16/1249)

Eine Antwort auf diese neue Terror-Gefahr bleibt die Atomwirtschaft jedoch schuldig. Die Idee, Atomkraftwerke im Gefahrenfall zu vernebeln, entpuppte sich selbst als Nebelkerze. Das Verfahren wurde bis heute nicht einmal erprobt. Sicher ist dagegen, dass kein einziges Atomkraftwerk weltweit dem Absturz eines Verkehrsflugzeugs standhalten könnte. In Deutschland wären die Reaktoren Biblis A und B, Phillipsburg und Brunsbüttel bereits durch den Absturz eines Kleinflugzeugs gefährdet, denn sie besitzen nicht einmal eine Schutzhülle. Nicht auszudenken, was ein Unfall bzw. ein terroristischer Anschlag auf ein AKW bewirken würde.

AKWs erhöhen Leukämie-Risiko

Eine vom Mainzer Kinderkrebsregister im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz durchgeführte Studie zeigt eine signifikante Erhöhung der Zahl an Leukämie erkrankten Kinder unter 5 Jahren im Umfeld von Atomkraftwerken. Den ursächlichen Zusammenhang zwischen der von den AKW ausgehenden Strahlenbelastung und dem Auftreten der Leukämie zeigt die Studie zwar unmissverständlich auf, sie kann den Wirkungsmechanismus aber nicht erklären. Sie wurde deshalb auch kontrovers interpretiert.

Die Erhebungen in 41 Gemeinden im Umfeld von 16 Standorten mit 22 AKWs zeigte, dass das Risiko für unter 5-jährige Kinder an einem Tumor oder an Leukämie zu erkranken, mit zunehmender Nähe des Wohnstandortes zu einem AKW statistisch signifikant ansteigt. Im Umkreis von 5 km um das AKW ist das Risiko um 120% höher als im Bundesdurchschnitt.

Für Bündnis 90/Die Grünen gibt es aus den extrem hohen und unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken der Atomkraft nur eine Konsequenz: Der Atomausstieg muss so schnell wie möglich vollzogen werden. Dabei sollten die besonders gefährlichen alten AKW früher vom Netz gehen, als bisher geplant.

 

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