Atomkraft schützt das Klima nicht

Ausgerechnet der Klimaschutz hat begünstigt, dass die Atomkraft in vielen Ländern scheinbar wieder hoffähig geworden ist. So als könne man den Klima-Teufel mit dem Beelzebub Atomenergie austreiben. "Atomkraftwerke – die ungeliebten Klimaschützer", plakatierte die Atomwirtschaft und wollte dem Volk damit beibringen, dass AKWs im Betrieb kein Kohlendioxid ausstoßen.

Doch die Atomlobby schickt die Menschen auf die falsche Fährte. Denn weder mit neuen Atommeilern noch mit längeren Laufzeiten bestehender AKWs ist dem Klima gedient. Das Gegenteil ist richtig. Nur ohne Atomkraft sind die Klimaziele zu erreichen.

Atomkraft liefert nur 2,5% der Endenergie

Nur 2,5% der weltweit verbrauchten Endenergie steuern AKWs bei, in Deutschland sind es rund 6%. Um die Klimagasemissionen spürbar zu verringern, müsste schon eine ganze Armada neuer Atomkraftwerke gebaut werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat die irrsinnige Zahl von über 1.300 neuen AKWs errechnet, die erforderlich wären, um bis 2020 die Klimagasemission deutlich zu senken. Im Schnitt müssten ab sofort alle zwei Wochen ein neues AKWs in Betrieb gehen – welch absurde Vorstellung!

Atomkraft ersetzt keine klimaschädlichen Energien

AKWs erzeugen ausschließlich Strom. Die entstehende Wärme – immerhin zwei Drittel der im Brennstoff enthaltenen Energie - verpufft dagegen ungenutzt in der Umwelt. Das macht Atomkraft nicht nur ineffizient, sondern erfordert zusätzlich den Betrieb von Heizungsanlagen – meist mit fossilen Brennstoffen befeuert. In einer vollständigen Klimabilanz der Atommeiler müssten diese Wärme bedingten Klimagasemissionen mit betrachtet werden. Sie führen letztlich dazu, dass moderne Gas-Kraftwerke mit Wärmeauskopplung das Klima deutlich mehr entlasten als AKWs.

Atomkraft ist keine CO2-freie Technik

Nur weil sie im Betrieb kein CO2 ausstoßen, sind Atomkraftwerke noch lange keine CO2-freie Technik. Denn über die Klimabilanz entscheiden auch die für die Herstellung und die Gewinnung der für die Stromerzeugung erforderlichen Rohstoffe freigesetzten Klimagase.

Das Öko-Institut hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine vergleichende CO2-Bilanz verschiedener Stromerzeugungstechnologien durchgeführt. Demnach verursacht zum Bespiel eine Windkraftanlage durch den Energieverbrauch für ihre Herstellung 22 g CO2 pro Kilowattstunde. Ihr Vorteil allerdings ist, dass sie keinen fossilen Rohstoff benötigt und so durch Innovationen eine stetige Verbesserung der Klimabilanz erfährt.

Das Gegenteil ist bei der Atomkraft der Fall: Bei ihr wird der größte Teil der CO2-Emission durch die Urangewinnung verursacht. Uran ist wie alle fossilen Rohstoffe nur begrenzt vorhanden und die leicht zugänglichen Vorkommen sind bereits weitgehend aufgebraucht. Deshalb wir es immer energieaufwändiger, an die restlichen Vorräte heranzukommen.

Je nach Uran-Herkunft und Berechnungsmethode schwankt die von AKWs verursachte CO2-Emission zwischen 2 und knapp 300 g pro Kilowattstunde. Für Anlagen, die in Deutschland mit südafrikanischem Uran betrieben werden, hat das Öko-Institut kürzlich eine CO2-Emission von 126 g pro kWh ermittelt. Dieser Wert liegt sogar über dem moderner Gaskraftwerke mit Wärmeauskopplung, die laut Öko-Institut 119 g CO2 pro kWh freisetzen. Ausgehend von diesem Wert würden die deutschen AKW jährlich bis zu 20 Mio. t CO2 verursachen.

Atomkraft behindert Klimaschutz-Investitionen

Jeden Euro kann man nur einmal ausgeben. Diese schlichte Wahrheit führt dazu, dass man beim Klimaschutz Prioritäten setzen muss. Wer weiter auf Atomkraft setzt, lenkt Investitionen und Forschungsmittel in diese Technik, die an anderer Stelle wie beim Netzausbau oder bei erneuerbaren Energien fehlen. Dazu kommt, dass eine Laufzeitverlängerung zu enormen Stromüberschüssen in Deutschland führen würde, die den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und Investitionen in Einsparmaßnahmen massiv behindern.

 

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