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Notwendige, faire Brutalität

Christian Beeck vom FC Energie Cottbus beschrieb in der Saison 2000/01 umfassend das Erfolgsgeheimnis seiner Mannschaft mit den Worten: "Wir haben mit der notwendigen, fairen Brutalität gespielt!" Und diese Spielphilosophie übernahmen am Montagabend auch die Oxymoronten aus Falkensee. Ihre einzige Finesse an diesem Abend bestand darin, fortwährend Spielsituationen und Schiedsrichterentscheidungen lautstark mit Attributen zu belegen, deren innere Logik sich anderen Beobachtern tendenziell verschloss.

Aber auch ein Uli Hoeneß lässt sich in der Bewertung seiner Bayern ja auch nicht unbedingt von Fußballsachverstand leiten. Und in Wahlkampfzeiten gelten ja sowieso andere Gesetze. Da meint z.B. die CDU doch, ein Bundespräsident, der bei seiner Wiederwahl Leihstimmen anderer Parteien brauche, sei eine Vorentscheidung der nächsten Wahlen. Aufs Fussballspiel übertragen wäre das in etwa so: Die CDU- Mannschaft hat nicht genügend Spieler und "leiht" sich von anderen Mannschaften für ein Spiel ein paar gute Spieler aus. Dann gewinnt sie diese eine Partie, bei der die Leihspieler auch noch die entscheidenen Tore schießen. Nach dem Sieg behauptet die Union dann, dass sie nächstes Jahr Meister wird und Pofalla ihr Torschützenkönig. 

Die grüne Truppe bleibt dagegen wie immer realistisch. Und wenn man sich schon mal Unterstützung holt, dann setzt man auf die Frauen. So z.B. an diesem Abend, als die grüne Mannschaft von fünf Frauen des außergewöhnlichen Sportvereins "Seitenwechsel" verstärkt wurde. Die älteren Herrschaften des SV Falkensee staunten nicht schlecht, ob der neuen grünen Mischung und taten sich spielerisch und auch sonst sehr schwer.

Leider blieb das Spiel insgesamt auf einem eher bescheidenen Niveau. Einerseits fehlende Grazie und Spieleinsicht andererseits fehlende gemeinsame Spielerfahrungen bestimmten hauptsächlich das Geschehen in der ersten Halbzeit.

Einziger Höhepunkt war ein unfreiwillig komödiantischer. André Bornstein entscheidet sich etwas spät, seinem Gegenspieler dann doch noch den Ball vor dem Torschuss wegzuspitzeln, um dies dann aber mit umso mehr Verve zu tun und das Leder mit vollem Karacho an den eigenen Außenpfosten zu donnern. Es wäre beinah ein so wunderschönes Eigentor geworden, wie es einst Helmut Winklhofer in der Saison 1985/86 in Diensten des FC Bayern im Spiel gegen Bayer Uerdingen geschossen hat. Es wardamals übrigens das erste Eigentor der Bundesligageschichte, welches zum "Tor des Monats" gekürt wurde. Bornstein blieb an diesem Abend ein solches "Tor des Monats" aber erspart.

Eigentlich hätte man nun einen "Hallo Wach- Effekt" bei beiden Teams erwartet, aber Pustekuchen. Wer dachte, die Partie könnte nicht noch weiter verflachen, der sah sich getäuscht. Gegen Ende der ersten Halbzeit verliert der Spätlese-Stürmer ein Laufduell, was sein Ego so nicht vorsieht. An der Grundlinie angekommen, denkt er nicht den halben Meter bis zur Beton-Umrandung voraus. Beim Schach hätte solch ein Spieler schon mit dem eigenen nächsten Zug unüberwindliche Nöte. Es folgt ein minimaler Rempler in den Rücken von Tresfore Dambe, der reicht aus und Dambe rutscht als Folge aus, womit das Spiel für ihn beendet ist.

Der Schiedsrichter hat ein Einsehen und schont das Ego des Falken. Er erklärt auch für ihn das Spiel beendet. Dessen "Entschuldigung" hätte übrigens auch Christian Beeck zur Ehre gereicht. "Ich hab dich gar nicht berührt." Brutal, und dafür war er noch einmal quer über den ganzen Platz gegangen.Denn auch wenn nur eine minimale Berührung stattgefunden hat, es war ein völlig unnötiges Foul. Viele werden in diesem Moment an Rudi Völler gedacht haben, der einst so treffend behauptete: "Freundschaftsspiele gibt es nicht mehr!"

Zweite Halbzeit. Die Tulpen nutzen nun den erweiterten Raum. Ein langer Tulpe-Einwurf, dann eine Flanke von Asgar Ergin, die kurz hinter dem Mond wieder vom Himmel zu fallen scheint. Ja, und zwar Markus Kurdziel auf den Fuß. Dessen Gegenspieler scheint sich noch die einzelnen Mondphasen zu vergegenwärtigen, denn Kurdziel legt den Ball so einfach an ihm vorbei, dass er völlig frei vor dem Falkensee-Keeper auftaucht und trocken links unten zu seinem 209. Tor einschießt.

1:0. Eigentlich sollten die Tulpen daraufhin ihre Mehrheit nutzen und überlegen das Spiel gestalten. Doch die Tulpen scheinen den giftigen Gegner nicht unnötig provozieren zu wollen und nehmen wieder einen Gang raus. Von einer zahlenmäßigen Unterlegenheit ist bei der Spätlese zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen und die Grüne Tulpe scheint immer noch geschockt vom Verlauf des "Freundschaftsspiels".

Das Spiel verliert noch weiter an Qualität. Dann plötzlich rutscht doch einmal ein Ball am herauslaufenden Libero Hartwig Mayer vorbei und rechts setzt sich ein Falkenseer durch. Der dringt in den Strafraum ein und bringt mit Müh und Not noch einen Schuss zustande, der dann sehenswert unter der Latte zum 1:1 Ausgleich einschlägt.

Als alles wieder offen ist, gelingt beiden Seiten dann nahezu gar nix mehr. Nie war der Krampf eine treffendere Spielbeschreibung. Hüben bekommt ein Falke ohne Federschmuck eine zu kurze Abwehr von Torwart Meuschke vor die Füße, doch er macht glücklicherweise nix daraus. Seine "Torschuss-Panik" führte dazu, dass sein Schuß wohl auch kaum noch bis zum grünen Tor gekommen wäre. Und auch einen perfekten Pass in den Lauf kann er kurz darauf nur in den Büschen hinter dem Tor unterbringen.

Drüben sind bestenfalls noch Einzelleistungen sehenswert. Sandra vernascht mit einem Tänzchen an der Seitenlinie gleich drei Gegenspieler, und Frauke zieht ihre Gegenspieler aus dem Weg, als Hartwig Mayer einen seiner gefürchteten Sololäufe bis zur Grundlinie durchbringt. Weil seine Flanke dann auch noch André Bornstein findet, kann der aus dem Fünf-Meter-Raum den Ball per Kopf am desorientierten Keeper vorbei ins Netz wuchten. 2:1

Es folgen daraufhin noch zwei grüne Chancen. Beides sind wieder großartige Soli von Hartwig und André, die allerdings dann doch nichts Zählbares mehr bringen. Aber mehr wäre an diesem Tag auch einfach unverdient gewesen.

Fazit: Es war ein spannendes aber kein schönes Spiel. Auch wenn die Grüne Tulpe knapp gewonnen hat, die eigentlichen Gewinner des Abends waren die stark aufspielenden Frauen im grünen Dress. Und Frauke, im defensiven zentralen Mittelfeld erstmalig bei der Tulpe eingesetzt, spielte nicht nur durch, sondern zeigte eindrucksvoll, wie man(n) in der stehenden Hitze alles richtig macht. Aber seien wir ehrlich: starke Frauen bei den Grünen ist nun wirklich nichts Neues.