Gewaltbereiter IslamismusBundesweite Präventionsstrategie notwendig

Imame beten in Köln in einer Moschee. In hunderten von Moscheen haben schon vor zwei Jahren Muslime in Nordrhein-Westfalen Hass und Terror im Namen des Islam verurteilt. Vier grüne Bundestagsabgeordnete haben ein Thesenpapier verfasst, in dem nicht nur klar umschrieben wird, warum eine bundesweite Präventionsstrategie sinnvoll und notwendig ist, sondern was konkret getan werden muss, damit eine solche Strategie auch sinnvoll umgesetzt werden kann

Seite 2: Radikalisierte kommen nicht Out of Space

Der Autor und Terrorismusexperte Yassin Musharbash stellte zunächst klar: Diejenigen, die sich radikalisierten beziehungsweise, die sich als Dschihadisten in den irakisch-syrischen Bürgerkrieg begeben würden - all die kämen nicht Out of Space, sondern seien Produkte unserer Gesellschaft. Sie sind auf der Suche nach Identität und Sinngebung für ihr Leben. Und eine Organisation wie der Islamische Staat (IS) würde ihnen nicht nur einfache Antworten auf die komplexen Probleme einer globalisierten Welt vorgaukeln. Die Idee eines „Kalifats“ fungiert gleichsam als Versprechen, teilhaben zu können an einem welt-historischen Projekt. Und mit ihrer Teilnahme am Krieg des IS könnten die Dschihadisten zudem nicht nur Abenteuerlust und Gewaltphantasien ausleben – es sei ihnen auch möglich, so etwas wie Empathie zu leben, nämlich in dem sie sich als Verteidiger ihrer sunnitischen Glaubensbrüder wähnen. Nur wer diese komplexe Faszination und hohe Attraktivität des IS verstehe, sei imstande darauf adäquate Antworten zu geben.

Vernetzung der Akteure notwendig

Das Mitglied des „Deutschen Präventionstags“, Wiebke Steffens, vermittelte im Hinblick auf die deutsche Präventionsarbeit gegen den gewaltbereiten Islamismus ein ernüchterndes Bild: Im Grunde sei Präventionsarbeit – so Steffens – das wirksamste Mittel, um einer Radikalisierung und dem Entstehen gewaltbereiter Szenen entgegen zu wirken. Aber tatsächlich habe Deutschland dieses Thema seit den Anschlägen des 11. September 2001 über zehn Jahre lang verschlafen: „Wir stehen hier erst ganz am Anfang“. Vieles wirke – so Steffens weiter – wie „Kraut und Rüben“: Zwar geben es vielerorts Initiativen. Aber es fehle nicht nur an einem sinnvollen Plan, sondern auch an einer Abstimmung und einer Vernetzung zwischen den Akteuren. Hier könnte und sollte, so Steffens, ein Nationales Präventionszentrum Abhilfe schaffen.

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