Antiziganismus Antiziganismus nicht länger ignorieren

Sinti und Roma und Anwohner feiern im Stadtteil Neukölln in Berlin die Eröffnung des Lades eines Roma-Hilfsvereins.

Rassismus in Deutschland fokussiert sich immer mehr auf Gruppen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen und die immer häufiger und immer dreister an den gesellschaftlichen und medialen Pranger gestellt werden: auf Flüchtlinge, auf Muslime – und auf Sinti und Roma.

Es zeigt sich, dass die Saat derjenigen aufgeht, die in aller Öffentlichkeit – ungeniert und wider besseres Wissen – über „Armutszuwanderung“, „Sozialtourismus“ oder den „massenhaften Asylmissbrauch“ hetzen.

Das ist nicht nur das Fazit einer aktuellen Studie der Universität Leipzig ("Die stabilisierte Mitte"), sondern auch einer im Auftrag des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma erstellten Untersuchung, die von Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, vorgestellt wurde. Sie stellt fest, dass die Berichterstattung über Sinti und Roma an tief verwurzelte antiziganistische Deutungsmuster anknüpft und auf diese Weise stereotype Vorstellungen bestätigt.

Die Große Koalition lässt Sinti und Roma im Stich!

Die Feststellungen der Antidiskriminierungsstelle sind eine Schande für unser Land – ein Land, das eine besondere Verantwortung für Sinti und Roma trifft: in Deutschland wurde der Völkermord an den europäischen Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismuses geplant und durchgeführt, ein unfassbares Verbrechen, das noch lange nicht hinreichend aufgearbeitet worden ist.

Antiziganistische Vorurteile sind in allen Bereichen von Politik und Gesellschaft verbreitet. Sinti und Roma sind immer wieder Benachteiligungen ausgesetzt und werden immer wieder Opfer von Straftaten – von Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen und Anschlägen. Trotzdem lässt die Bundesregierung Sinti und Roma im Stich und belässt es bei Sonntagsreden. Konkrete Maßnahmen gegen Diskriminierung und Gewalt? Fehlanzeige!

Der Antiziganismus wird schlichtweg ignoriert. Er wird - anders als der Antisemitismus - nicht als gesellschaftliches Problem anerkannt beziehungsweise als solches bekämpft. Es gibt weder institutionalisierte Antiziganismusforschung noch einen offiziellen Antiziganismusbericht seitens der Bundesregierung.

„Diskriminierung bekämpfen – Teilhabe ermöglichen!“

Wir meinen: Die Bundesregierung kann und darf dem Treiben der gesellschaftlichen Brandstifter nicht länger zuschauen. Staat und Zivilgesellschaft müssen sich öffentlich gegen alle Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt einsetzen. Wir dürfen uns nicht wegducken und diese Vorkommnisse totschweigen. Vielmehr gilt es, diese öffentlich zu machen und ihnen im Großen wie im Kleinen konsequent, nachdrücklich und konsequent entgegenzutreten. Wir alle – auch und gerade Politik und Medien – müssen uns unserer Verantwortung für das gesellschaftliche Klima bewusst werden.

Wir Grünen fordern die Entwicklung einer nationalen „Teilhabestrategie auf Augenhöhe“, die wir gemeinsam mit allen in Deutschland lebenden Sinti und Roma erarbeiten wollen. Dies erscheint uns als der richtige Weg, um den in der Mehrheitsgesellschaft weit verbreiteten Antiziganismus nachhaltig zu bekämpfen.

Wir fordern die Bundesregierung auf, einen unabhängigen Expertenkreis „Antiziganismus“ ins Leben zu rufen und ihn in jeder Wahlperiode mit der Erstellung eines Berichts zum Antiziganismus gegen alle hier lebenden Sinti und Roma in Deutschland zu beauftragen. Auch möchten wir die Forschung über gegenwärtige Erscheinungsformen des Antiziganismus durch die Einrichtung eines eigenständigen Instituts oder Zentrums an mindestens einem deutschen Hochschulstandort institutionalisieren. Diese Maßnahmen würden dazu beitragen, dass Antiziganismus nicht länger gesellschaftsfähig bleibt.

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1 Kommentar
zigeuner
boog 30.10.2014

ich fordere die grünen auf,sich dafür einzusetzen
daas alles was mit Bezeichnungen ziegeuner oder ähnlich daher kommt unter strafe zu verbieten.
da wäre:zigeuner sosse,zigeunerschnitzel,
zigeuner braten, infrankreich wären Zigaretten marke gitanes verboten.schlager sänger r. mey anzuklagen.
Alexandra kann nicht mehr verklagt werden.aber lied zigeuner junge sollte auf den index.
in manchen sprachen sollte das wort gipsy verboten werden.unso weiter und so...........................

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