FlüchtlingeLage auf Lesbos weiterhin dramatisch

Luise Amtsberg auf Lesbos im Dezember 2015

Die Zahl der auf der griechischen Insel Lesbos ankommenden Flüchtlinge ist zwar rückläufig. die Lage dort aber weiterhin dramatisch. Das bestätigte auch Luise Amtsberg, Sprecherin für Flüchtlingspolitik der Fraktion, als sie von ihrer Informationsreise zurückkehrte.

Während im Sommer die meisten Flüchtlingsboote im Norden der Insel landeten – von dort sind es nur wenige Kilometer bis zur türkische Küste – verschiebt sich das Geschehen nun zunehmend in den Süden und Osten der Insel. Zum einen verlängert das die Überfahrt, zum anderen landen die Boote jetzt oft erst in der Dunkelheit an. Das ist gefährlich und stellt die Helfer vor weitere Probleme. Denn im Norden der Insel war es den Freiwilligen aus vielen Nationen sowie den Hilfsorganisationen gelungen, eine funktionierende Aufnahmestruktur für ankommende Flüchtlinge aufzubauen, und das ohne jegliche staatliche Unterstützung. Menschen werden am Strand von Helfern empfangen, mit Decken und trockener Kleidung versorgt. Sie erhalten dort medizinischen Nothilfe, Wasser und Nahrung, bevor sie in eine Aufnahmeeinrichtung gebracht werden. Und all das nur dank der Tatkraft der vielen freiwilligen HelferInnen und Hilfsorganisationen. Denn weder der griechische Staat noch die EU sind bei der Ankunft und Erstversorgung der Flüchtlinge in irgendeiner Form präsent.

Viele Flüchtlinge versuchen, die Insel möglichst schnell zu verlassen und ihre Flucht fortzusetzen. Zuvor müssen sie sich jedoch – zumindest von den griechischen Behörden – im „Hotspot“ Moria registrieren lassen. Das Chaos, das sie dort erwartet ist unbeschreiblich. Teile des Lagers sind mit NATO-Draht und hohen Zäunen abgetrennt. Es gibt Mitarbeiter diverser Hilfsorganisationen, griechischer Behörden und der EU (FRONTEX, EASO), die Abläufe erscheinen undurchsichtig und chaotisch. Flüchtlinge hocken zwischen parkenden Autos und lärmenden Baumaschinen und warten. Das, was sich der griechische Staat und die EU hier leisten und stolz als „Hotspot“ und Erfolg bezeichnen, ist erschreckend und beschämend.

Erfreulich hingegen ist, dass die Bewohner von Lesbos, von denen viele selbst von Flüchtlingen abstammen, weiterhin aufgeschlossen und aufnahmebereit sind. Dafür hat sich Luise Amtsberg in einem Gespräch mit dem Bürgermeister ausdrücklich bedankt. Der Dank gilt auch den vielen griechischen und internationalen Helfern und Hilfsorganisationen, wie dem Roten Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, International Rescue Committee und der inzwischen starken Präsenz des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Von der Effektivität und Professionalität dieser Helfer und der berühmten spanischen Rettungsschwimmer bei der Ankunft der Flüchtlingsboote konnte Luise Amtsberg sich einen eigenen Eindruck verschaffen.

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