Fachgespräch zum StaatsbesuchStabilität versus Menschenrechte in Ägypten

Wir haben das Fachgespräch am 2. Juni 2015 in voller Länge aufgezeichnet. Auf dem Podium saßen Ruth Jüttner von amnesty international und Mohamed Sameh von der Egyptian Commission for Rights and Freedoms. Franziska Brantner und Omid Nouripour haben das Gespräch von Seiten der Fraktion begleitet.

Als Ohrfeige für die Bundesregierung von Präsident al-Sisi bezeichnen Katrin Göring-Eckardt und Franziska Brantner die Tatsache, dass der prominente geladene Bürgerrechtler an der Ausreise aus Ägypten und der Teilnahme am Fachgespräch gehindert wurde. Seine Stelle nahm Mohamed Sameh ein.

Am 3. Juni besucht Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi Berlin. Selten gingen einem Staatsbesuch solch kontroverse Diskussionen voraus. Die Bundesregierung hatte ihn bereits im vergangenen Herbst eingeladen, dies jedoch wiederholt – und noch im vergangenen Februar – an die Auflage geknüpft, dass in Ägypten zuvor Parlamentswahlen abgehalten werden sollten. Im April schließlich wurde auch diese Konditionierung fallen gelassen.

Al-Sisi, der sich die Verteidigung der revolutionären Werte auf die Fahne geschrieben hat, regiert seit mittlerweile fast zwei Jahren ohne Parlament. In dieser Zeit war er nicht nur für staatliche Gewaltexzesse, sondern auch für zahlreiche Gesetze und Erlasse verantwortlich, die die Rechte der Bürgerinnen und Bürger massiv einschränken. Sein repressiver Umgang mit der islamistischen Opposition führt zu deren Radikalisierung und einer weiteren Verschärfung der Sicherheitslage in der Region. In ägyptischen Gefängnissen sitzen Hunderte friedlicher Oppositioneller und Menschenrechtsaktivisten ein. Willkürliche Verhaftungen, oftmals tödliche Folter und brutale Polizeigewalt sind an der Tagesordnung.

Die Bundesregierung hält trotz dieser repressiven Politik und trotz des hoch umstrittenen Todesurteils gegen seinen demokratisch gewählten Amtsvorgänger Mursi an einer Einladung Al-Sisis fest. Führende Politiker der Regierungskoalition negieren die Menschenrechtslage und bezeichnen Ägypten als „Stabilitätsanker“. Deshalb ist es nötig, ein öffentliches Signal für Demokratie und Menschenrechte zu senden. Mit der Veranstaltung will die grüne Bundestagsfraktion auf die fatale Lage der Menschenrechte im Land aufmerksam machen.

On the 3rd of June, the president of Egypt, Abdel Fattah al-Sisi, will be visiting Berlin. State visits are rarely preceded by such controversial discussions. The federal government had already invited him last August, which was, however, repeatedly - up till last February - set under the condition that parliamentary elections first be held in Egypt. In April this stipulation was ultimately also dropped.

Al-Sisi, who claims to be defending the revolution's values, has been ruling Egypt for almost two years now without a parliament. During this time he was not only responsible for the state's excessive use of violence, but also for the passage of several laws and decrees, which massively limit the rights of Egyptian citizens. His repressive treatment of the islamist opposition lead to its radicalization and a further intensification of the regional security situation. Hundreds of peaceful oppositionists and human rights activists are serving prison sentences in Egyptian prisons. Arbitrary arrests, often lethal torture and brutal police violence all belong to the daily agenda.

Despite its repressive policy and despite the highly controversial death sentence of his democratically elected predecessor Mursi the German government is standing by its invitation of Al-Sisi. Leading politicians of the governing coalition neglect the human rights situation and label Egypt as a 'stability anchor'. Therefore it is necessary to send a public signal for democracy and human rights. With its public hearing on the eve of the State visit the parliamtentary group Alliance 90/ The Greens wants to raise awareness about the dire situation of human rights in Egypt.

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