FachtagungGeflüchtete Kinder und Jugendliche

Seite 2: Workshop 1, Flüchtlingskinder im Asylverfahren

Mit dabei: Luise Amtsberg MdB, flüchtlingspolitische Sprecherin, und Manuel Armbruster von der Asylverfahrensberatung der AWO Berlin-Mitte

Flüchtlingskinder erfahren im Asylverfahren nur geringe Aufmerksamkeit: Entweder werden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht selbst angehört oder ihre Eltern beteiligen sie nicht am Verfahren. Unter 18-Jährige werden, sofern sie nicht alleine geflohen sind, im Asylverfahren zusammen mit ihren Eltern erfasst. Oftmals machen die Eltern von dem Recht Gebrauch, auf die individuelle Befragung ihrer Kinder zu verzichten, um sie zu schonen. Aber gerade Babys und Kleinkinder sind häufig dabei, wenn ihre Eltern über erlebte Verfolgung oder Gewalt befragt werden, weil es keine geregelte Betreuung in den Behörden gibt. Das kann die Kinder unter enormen Stress setzen. Das Kindeswohl muss jedoch als zentrales Moment in allen ausländerrechtlichen Verfahrensschritten berücksichtigt werden, besonders in Fällen, in denen eine Abschiebung angedroht bzw. vollstreckt werden soll. Insbesondere in den Durchführungsverordnungen und den für die Ausländerbehörden verbindlichen Verwaltungsvorschriften zu den einschlägigen Gesetzen müssen klare Regelungen zur Beachtung und Umsetzung des Kindeswohls festgelegt werden.

Im Vergleich zu anderen Verfahren mit Beteiligung von Kindern (z.B. das familiengerichtliche Verfahren) gibt es im Asylverfahren keine klaren Richtlinien, wie Kinder anzuhören sind. Separate Schulungen zur Anhörung gibt es für die Sonderbeauftragten für unbegleitete Minderjährige, traumatisierte Asylbewerber oder geschlechtsspezifisch Verfolgte. Es gibt aber keine Schulungen zur speziellen Anhörung von Kindern. Es müssen Verfahren geschaffen werden, um Flüchtlingskinder altersgerecht zu hören und zu beteiligen. Die Anhörung von Kindern und Jugendlichen im Asylverfahren muss kindergerecht gestaltet werden.

Der Bedarf an einer umfassenden Beratung ist für Flüchtlinge insbesondere kurz nach ihrer Einreise und ihrer Ankunft in Deutschland besonders hoch. Hier leisten die unabhängigen Asylverfahrensberaterinnen und -berater der Wohlfahrtsverbände und NGOs wichtige Arbeit, sodass Asylsuchende sich über den Ablauf und Inhalt des Asylverfahrens informieren oder sich zu sozial- und aufenthaltsrechtlichen Fragen beraten lassen können. Besonders wichtig ist die Arbeit der Asylverfahrensberatung bei der Vorbereitung auf die Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Eine personelle Aufstockung dieser Beratung ist dringend notwendig -auch eine planbare Finanzierung der Stellen, über ständige Projektarbeit hinaus, ist dringend geboten. Die unabhängige Asylverfahrensberatung muss nicht nur an bestehenden Standorten ausgebaut, sondern auch auf die neu entstehenden Erstaufnahmeeinrichtungen ausgeweitet werden.

Mehr zum Thema Jugend

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4397632