FachtagungGeflüchtete Kinder und Jugendliche

Seite 4: Workshop 3, Ausbildung - Flüchtling ist kein Beruf. Talente brauchen Chancen

Mit dabei: Brigitte Pothmer MdB, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, und Heidi Walter, Jona Krieg, ARRIVO Berlin

Wie können wir jungen Geflüchteten berufliche Perspektiven und Betrieben ihren Fachkräftenachwuchs sichern? Unter dieser Frage diskutierten die Teilnehmenden des Workshops AUSBILDUNG die Chancen und Herausforderungen, die sich aus dem Zuzug hunderttausender junger Geflüchteter für den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ergeben.

Einigkeit bestand vor allem in einem Punkt: (Orientierungs-)Praktika sind ein sehr geeignetes Mittel, damit ausbildungsinteressierte Geflüchtete und Betriebe zusammenfinden.

Modellhaft sind derartige Ansätze bereits in einigen Regionen erfolgreiche Realität. So zum Beispiel bei ARRIVO Berlin, einer gemeinsamen Ausbildungs- und Berufsinitiative der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, der Handwerkskammer Berlin und dem Netzwerk für Bleiberecht "bridge". Berliner Betriebe, überwiegend aus dem Handwerk, bieten interessierten Geflüchteten während eines drei- bis sechswöchigen Praktikums Einblicke in ihren Betriebsalltag. Ziel des Praktikums ist das gegenseitige Kennenlernen: Die Praktikantinnen und Praktikanten lernen ihrerseits die Arbeitsstrukturen des Betriebs kennen. Der Betrieb wiederum kann herausfinden, ob die Praktikantin oder der Praktikant auch als Auszubildende oder Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer geeignet ist.

Erfolgreiche Modellprojekte wie diese sollten nun in die Breite und Fläche übertragen werden. Dabei muss nicht bei Null angefangen werden. Bestehende Einstiegsformate in die Berufliche Bildung wie z.B. Einstiegsqualifizierungen könnten um Angebote erweitert werden, die gezielt die Sprachförderung mit der Berufsvorbereitung verknüpfen. Wichtig dabei ist, dass diese Angebote flexibel auf die tatsächlichen Bedürfnisse der jungen Geflüchteten ausgerichtet sind und von der berufsbezogenen Deutschförderung über intensive sozialpädagogische Betreuung bis zu Beratungsangeboten in rechtlichen und alltagsbezogenen Fragen alle notwendigen Unterstützungsleistungen in einem individuell abgestimmten Verhältnis enthalten. Am Ende dieser betriebsnahen modularen Unterstützungsstruktur sollte die direkte Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis oder, bei entsprechender beruflicher Vorqualifikation der Geflüchteten, ein reguläres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis stehen.

Damit ein solches umfassendes Konzept in der Breite wirken und flächendeckend umgesetzt werden kann, müssen zugleich bestehende sozial- und aufenthaltsrechtliche Hürden abgebaut werden, die junge Geflüchtete und Betriebe vom Abschluss eines Ausbildungsvertrages abhalten können. Dazu zählen die notwendige Schaffung eines sicheren Bleiberechts für die gesamte Zeit der Berufsausbildung und anschließender Beschäftigung, die Abschaffung der Vorrangprüfung bei der Beschäftigungsaufnahme sowie die Öffnung aller ausbildungsvorbereitenden- und unterstützenden Maßnahmen, unabhängig des jeweiligen Aufenthaltsstatus. (Vgl. Antrag der grünen Bundestagsfraktion von September 2015)

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