FachtagungGeflüchtete Kinder und Jugendliche

Seite 5: Workshop 4, Hochschule

Mit dabei: Kai Gehring MdB, Sprecher für Hochschule, Wissenschaft und Forschung und Christian Müller, Leiter der Abteilung "Strategie beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD)

Studierende, Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aber auch die Hochschulleitungen waren von Anfang an ganz vorne mit dabei, Geflüchteten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dieses wunderbare und wichtige zivilgesellschaftliche Engagement zum Wohle der neuen internationalen Studierenden müssen Bund und Länder aber noch stärker unterstützen. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops "Hochschule" einig. "Die Hochschulen leben Vielfalt, Weltoffenheit und eine Willkommenskultur. Das verdient unseren Dank und unsere Anerkennung", sagte Kai Gehring zum Auftakt des Workshops. Es müsse nun zügig darum gehen, Studienchancen für Flüchtlinge zu schaffen.

Was im Einzelnen zu tun ist, hat die Fraktion inzwischen dem Bundestag vorgelegt. In dem Antrag "Vielfalt stärkt Wissenschaft - Studienchancen für Flüchtlinge schaffen" fordert die grüne Bundestagsfraktion unter anderem mehr Beratungs- und Informationsangebote, eine zügige Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen, mehr Studienplätze und einen Ausbau der Infrastrukturen an den Hochschulen. "Das zu finanzieren und die gesellschaftliche Vielfalt auf dem Campus zu stärken, kommt uns allen gleichermaßen zu Gute", betonte der Abgeordnete.

Christian Müller bestätigte, dass anstatt junge Geflüchtete in Aufnahmezentren versauern zu lassen, sie schnell Klarheit und eine Perspektive erhalten müssten. Im letzten halben Jahr sei es vor allem um Beratung, Sprachtests und Sprachkurse gegangen. So seien 1.000 studieninteressierte Flüchtlinge zu einer Infoveranstaltung der Universität Hamburg gekommen. Müller: "Tags darauf sind es noch einmal 1.000 gewesen - obwohl die Veranstaltung schon vorbei war."

Flüchtlinge auf ein Studium vorzubereiten, das hat sich auch der "Kiron Open Higher Education" zum Ziel gesetzt. Ihr Ansatz: Studienvorbereitung mit Online-Kursen. "Unser Ziel ist: Die Leute direkt aus den Unterkünften abzuholen", erläuterte Willi Weisflog vom Kiron-Kernteam. Sobald Aufenthaltsstatus klar und die Sprache gelernt sei, könnten die Flüchtlinge ein Studium aufnehmen und an den Partnerhochschulen die erbrachten Leistungen anerkannt bekommen.

Inzwischen kommen immer mehr Flüchtlinge tatsächlich an den Hochschulen an. Im letzten Jahr hätten 100.000 ausländische Studierende ein Studium an deutschen Hochschulen aufgenommen. "Womöglich sind unter den Flüchtlingen nochmal so viele, die studieren wollen und können", so der DAAD-Experte Müller. Seine Forderung: "Hochschulen und Verbände brauchen mehr Geld, um Strukturen aufzubauen und mehr Personal einzustellen." Das ist auch aus Sicht der grünen Bundestagsfraktion notwendig. Bundesministerin Wanka dürfe sich dem Ausbau von Studienplätzen und der Infrastruktur an den Hochschulen nicht länger verweigern. Gehring: "Wenn wir es noch nicht einmal schaffen würden, Hochqualifizierte zügig zu integrieren, dann riskieren wir, dass Angstmacher und Hetzer Oberwasser bekommen. Darum: Lassen Sie uns gemeinsam Chancen eröffnen. So werden Flüchtlinge zu neuen Bürgern, zu studierenden Akademikern und Fachkräften. Das ist gut für uns alle und unser Land."

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