FachtagungGeflüchtete Kinder und Jugendliche

Seite 6: Workshop 5, Gesundheit

Mit dabei: Maria Klein-Schmeink MdB, Sprecherin für Gesundheitspolitik, und Dr. Elke Jäger-Roman, Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin

Einführend stellte Frau Dr. Jäger-Roman fest, dass psychisch und chronisch kranke Kinder besonderer Berücksichtigung bedürfen, weil die restriktiven Regelungen des Asylbewerberleistungsgesetzes ihnen eine angemessene Versorgung verwehren. Zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und der EU-Aufnahmerichtlinie, die das Recht des Kindes auf das "erreichbare Höchstmaß an Gesundheit" bzw. auf adäquate medizinische und psychologische Behandlung garantieren, seien gesetzliche Änderungen notwendig.

Besonders beschäftigte die Gruppe sich mit der unzureichenden Versorgung in den Erstaufnahmeeinrichtungen, die weitgehend unkoordiniert abläuft und vom Engagement einzelner Ehrenamtlicher abhängt. Einigkeit bestand darin, dass in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Einsatz von Amtsärzten und PsychotherapeutInnen notwendig ist und die Erstuntersuchungen immer auch das psychische Wohlbefinden abklären müssen. Denn rund 30-40 % der geflüchteten Kinder und Jugendlichen sind psychisch belastet, so Frau Dr. Jäger-Roman. Zur Früherkennung psychischer Belastungen sollten die Berufskammern Screening-Verfahren entwickeln und entsprechende Schulungen anbieten. Deutlich wurde auch, dass die vielen ehrenamtlich Helfenden häufig selbst Hilfe benötigen, um mit der herausfordernden Situation angemessen umgehen zu können. Ihnen sollten Schulungen und Supervisionen angeboten werden. Um Sprachbarrieren zu überwinden, bedürfe es mehr Sprach- und KulturmittlerInnen, die für die Arbeit mit traumatisierten Personen ausgebildet sind, und sollten Peer-to-Peer Kontakte in den Aufnahmeeinrichtungen genutzt werden. Da das Bedürfnis unter den Helfenden sich besser zu vernetzten sehr groß ist, wurde vorgeschlagen, eine Stelle damit zu beauftragen, erfolgreiche Kooperationen und Projekte mit und für Flüchtlinge zu sammeln und zu veröffentlichen.

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