FachtagungGeflüchtete Kinder und Jugendliche

Seite 7: Workshop 6, Kinderschutz in Einrichtungen

Mit dabei: Dr. Franziska Brantner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik, und Weneta Suckow, Save the Children

Wer schützt Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg von ihrer Ankunft in Deutschland bis hin zur Integration in die Kinder- und Jugendhilfe? Wie sieht Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften aus? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Workshop zum Thema Wohnen.

Weneta Suckow von Save the Children Deutschland gab in ihrem Diskussions-Input einen Einblick in die Arbeit ihrer Organisation, die auf Grundlage ihrer weitreichenden internationale Erfahrung, die Schulung von Ehrenamtlichen und die Beratung der Träger von Unterkünften seit der Flüchtlingskrise in Deutschland verstärkt ausbaut. Dabei wurde deutlich: Es braucht einerseits gewisse räumliche Standards und andererseits die Qualifizierung der Menschen, die mit Kindern arbeiten, um deren Schutz zu gewährleisten. Suckow wies dabei insbesondere auf den Umgang mit traumatisierten Kindern hin, um Anzeichen frühzeitig zu erkennen und Hilfe vermitteln zu können.

Einig waren sich alle DiskussionsteilnehmerInnen darin, dass getrennte Einrichtungen für Frauen und Kinder nicht die richtige Lösung sein können. Vielmehr sollten gesonderte Bereich für schutzbedürftige Gruppen zur Verfügung stehen. Kinder brauchen eigene Schutzräume, in denen sie "Kind sein dürfen", spielen können und von geschultem Personal betreut werden.

Die Einführung einer flächendeckenden Betriebserlaubnis, angelehnt an die Kinder- und Jugendhilfe, für Flüchtlingsunterkünfte, wie auch die grüne Bundestagsfraktion sie fordert (vgl. Antrag "Besonders gefährdete Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften besser schützen"), wurde im Workshop begrüßt. Die Pflicht zur Vorlage von Führungszeugnissen sowie die Entwicklung von Beteiligungskonzepten innerhalb der Einrichtungen, wurden als zentrale Punkte hervorgehoben.

Allerdings gab es angesichts der stockenden Koalitionsverhandlungen zur Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie breite Skepsis, wann diese Vorgaben verpflichtend eingeführt würden. Bis dahin sei es notwendig, Mindeststandards stärker bekannt zu machen und an die entsprechenden Träger zu appellieren, freiwillige Selbstverpflichtungen einzugehen. Offen blieb die Frage wie mit innerfamiliärer Gewalt in Einrichtungen umgegangen werden kann.

In Bezug auf die Zusammenarbeit und den Übergang in die Regelsysteme der Kinder- und Jugendhilfe wurde vor allem die Schwierigkeit fehlender Angebotsstrukturen - etwa in ländlichen Gebieten - oder personeller Ressourcen thematisiert. Hierfür wäre ein bundesweites Mapping sinnvoll, um für Ehren- oder Hauptamtliche klare Ansprechpartner benennen zu können, stärkere Vernetzung und Kontinuität zu fördern. Klar war dabei jedoch auch: In der gegenwärtigen Situation fehlt es dafür an finanziellen Mitteln. Damit verbunden war auch der Auftrag an die Politik, diese Debatte stärker nach vorne zu stellen.

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