JugendstrategieHübsche Verpackung ohne Inhalt

In der Ausbildung zum Tischler erklärt eine Berufsschullehrerin Auszubildenen eine Fräsmaschine.

Mit der Jugendstrategie soll der von Kristina Schröder eingeschlagene Kurs der eigenständigen Jugendpolitik weiterentwickelt und fortgesetzt werden. Der Ansatz der konsequenten Beteiligung von Jugendlichen und ihren Vertretungen an allen sie betreffenden Vorhaben ist richtig und findet in der grünen Bundestagsfraktion Unterstützung. Beteiligung ist jedoch nicht der alleinige Inhalt einer Strategie für eine jugendgerechte Gesellschaft sein. Strategische Politik braucht eine Analyse der Ziele, der gesellschaftlichen Umwelt und der einzusetzenden Mittel, um die zuvor definierten Ziele zu erreichen. Bei all dem ist es richtig, junge Menschen zu beteiligen, bei all dem braucht es jedoch auch Inhalte und politische Ideen. Genau daran mangelt es Schwesigs Vorhaben leider.

Schwesigs Jugendstrategie ohne Ideen und Visionen

Die „Jugendstrategie 2015-2018“ ignoriert wichtige jugendpolitische Betätigungsfelder. Kein Wort zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe, keine Ideen dazu, wie Chancen für Jugendliche gerechter verteilt werden können, damit Armut in Deutschland endlich nicht mehr „vererbt“ wird, und auch keine Vision davon, was eine „jugendgerechte Gesellschaft“ ausmacht. Stattdessen werden bekannte Programme wie „Jugend stärken im Quartier“ und „Demokratie leben“ und Projekte wie der „Jugend-Check“ oder die AG „Jugend gestaltet Zukunft“ die bereits unter dem Dach der Demografiestrategie läuft, unter das Label einer Strategie gepackt.

Grüne Bundestagsfraktion will Wahlalter auf 16 Jahre senken

Dabei wäre ein Meilenstein für jugendgerechtere Politik so einfach: Wenn Jugendliche sichtbar werden sollen, brauchen sie eine Stimme. Die grüne Bundestagsfraktion fordert daher seit langem die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre auf Bundes- und Europaebene. Die Ministerin will mehr politische Beteiligung von Jugendlichen, traut sich aber nicht, das Naheliegende zu tun und das Wahlalter endlich zu senken.

Garantierter Zugang zur Berufsausbildung

Darüber hinaus brauchen wir konkrete politische Ideen, um das Leben für Jugendliche besser zu machen. Um Aufstiegschancen gerechter zu verteilen, fordert die grüne Bundestagsfraktion beispielsweise einen garantierten Zugang zur Berufsausbildung. Damit bekämpfen wir Jugendarmut und fördern die soziale Teilhabe Jugendlicher und junger Erwachsener. Es muss uns außerdem endlich gelingen, die Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen schon frühzeitig zu verbessern, damit sie unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und der finanziellen Lage ihrer Eltern, Chancen auf ein Leben ohne Armut haben.

Die Bundesregierung muss sich um junge Menschen kümmern, die Probleme mit dem Übergang zwischen Schule und Berufsleben haben. Hier brauchen wir eine stärkere Jugendsozialarbeit und bessere Hilfen für junge Volljährige. Kein junger Mensch darf abgehängt und zurückgelassen werden. Jugendliche und junge Erwachsene brauchen handfeste Angebote. Für die Lösung von Problemen junger Menschen fehlt der „Jugendstrategie 2015-2018“ leider sowohl die Analyse, als auch die Strategie.

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